Analysteneinschätzung
Risiken für den Dax nehmen zu

Trotz der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten halten Experten einen neuen Dax-Bärenmarkt für unwahrscheinlich. Die Risiken für den deutschen Aktienmarkt nehmen dennoch zu.

HB FRANKFURT. Nach dem schwachen US-Arbeitsmarktbericht für August in der vergangenen Woche kann nach Einschätzung von ABN Amro praktisch kein Zweifel daran bestehen, dass die Federal Reserve die Leitzinsen am 18. September senken wird. Die Frage sei lediglich, ob die Zentralbank den Zins um 25 Basispunkte oder gleich um 50 Basispunkte senkt. Nach Einschätzung von ABN-Analyst Greg Gibbs dürfte ein 25-Basispunkte-Schritt nicht ausreichen, um die Lage am Kreditmarkt für Anlagen mit kurzfristigen Laufzeiten zu normalisieren und für Vertrauen unter den Investoren zu sorgen. Es sei daher nicht auszuschließen, dass die Fed gleich den großen Schritt wagt.

Auch für Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M. Warburg, hat sich die Lage eingetrübt. Zwar könne man noch nicht sagen, ob es sich bei dem Arbeitsmarktbericht um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt habe oder ob dieser einen neuen Trend beschreibe. Die Daten trügen aber zu der Befürchtung bei, dass der US-Konsument die längste Zeit das Wachstum getragen habe. Unsicherheit gebe es insbesondere hinsichtlich der Frage, ob die unterstellten Gewinnerwartungen realistisch seien oder nicht.

Da es bislang noch keine Anzeichen für eine nachhaltige Verschlechterung der konjunkturellen Rahmenbedingungen gebe, sei es wenig verwunderlich, dass die Gewinnerwartungen in der Tendenz immer noch stiegen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,7 auf Basis der für die nächsten zwölf Monate erwarteten Unternehmensgewinne sei der Dax rund 20 Prozent günstiger bewertet als im historischen Durchschnitt.

Das ist auch der Grund, warum Klude einen neuen Bärenmarkt für unwahrscheinlich hält. Im Unterschied zur aktuellen Situation habe der Dax im Frühjahr 2000 ein KGV von über 30 aufgewiesen. Vor der Russland- und LTCM-Krise seien deutsche Aktien mit einem KGV von 25 ebenfalls deutlich höher bewertet gewesen. Vor dem Crash 1987 habe der Dax ein KGV von gut 14 aufgewiesen. Obwohl die damalige Situation von der Bewertung vergleichbar sei, gebe es doch mit Blick auf die Zinsen einen entscheidenden Unterschied. Bewertungsmodelle wie das Fed-Modell, die das Aktien-KGV ins Verhältnis zum Renten-KGV setzen, zeigten damals eine hohe Überbewertung von Aktien, während derzeit Aktien im Vergleich zu Renten deutlich unterbewertet seien.

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