Analystenmeinung
Adidas läuft dem Dax davon

Beim Sportartikelhersteller Adidas-Salomon läuft die Marketing-Maschinerie derzeit auf Hochtouren. Kein Wunder, denn im kommenden Jahr bietet das Spektakel rund um die Fußball-WM doch eine ideale Werbeplattform für das Herzogenauracher Unternehmen, der zu einem der Hauptsponsoren zählt. Derzeit macht das Unternehmen vor allem durch neue Produkte wie den „intelligenten“ High-Tech-Schuh Adidas 1 oder Pflegeprodukten für die gestresste männliche Sportlerhaut von sich reden.

FRANKFURT/ M. Die Performance der Adidas-Aktie geht bei der Fülle an Produktmeldungen fast unter. Dabei kann sich ihre Kursentwicklung durchaus sehen lassen. Ein sportliches Tempo legte sie am Tag der Bilanzpressekonferenz vergangenen Monat vor. Die angekündigte Dividende in Höhe von 1,30 Euro ließ den Kurs um rund sieben Prozent in die Höhe schnellen. Im Zusammenspiel mit dem geplanten Aktienrückkaufprogramm stabilisierte sich die Notierung bei 125 Euro. Erst in den vergangenen Tagen gab sie im Zuge der schwachen Finanzmärkte nach.

Glaubt man dem Großteil der Analysten, hat die Aktie Luft für weit mehr. Von 32 Finanzexperten empfehlen laut der Nachrichtenagentur Bloomberg 23 das Papier zum Kauf. Das höchste Kursziel setzt aktuell die Landesbank Rheinland-Pfalz mit 145 Euro. Vor allem der geplante Rückkauf von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals ist für Börsenkenner ein positives Signal. Denn die Finanzierung ist einer erheblichen Verbesserung von Eigenkapitalquote und Profitabilität zu verdanken. „Diese Maßnahmen werden sich auch in den künftigen Ergebnissen niederschlagen“, sagt Andreas Inderst, Analyst der ABN Amro.

Mit dem Rückkauf will Adidas die Einlösung von Wandelanleihen, die zum Schuldenabbau 2003 emittiert wurden, kompensieren. Deren Umtausch in Aktien droht sonst den Kurs verwässern.

Für 2005 erwartet das Adidas-Management ein Wachstum der Nettoerlöse von zehn bis 15 Prozent. Inderst sieht dies als konservativ an und verweist auf hohes Potenzial im asiatischen Markt. Die Region steuert zu den Gesamtumsätzen etwa 20 Prozent bei. Per Ende Dezember verzeichnete Adidas dort einen Auftragsbestand von plus 44 Prozent. „Die relativ hohe Spanne zwischen den Lieferkosten und den Verkaufspreisen wird die Profitabilität zusätzlich erhöhen“, sagt Inderst. Im letzten Jahr beliefen sich die Bruttomargen im Asien-Geschäft auf rund 50 Prozent. Und in 2008 könnten die Olympischen Spiele in China die Absatzzahlen weiter ankurbeln.

Kritisch sehen die Analysten die Entwicklung auf dem US-Heimatmarkt der Adidas-Konkurrenten Nike und Reebok, wo Adidas 23 Prozent seiner Umsätze erwirtschaftet. Die Experten der Helaba Trust befürchten dort einen Preiskampf, der die Renditen drücken wird.

Die Fussball-WM könnte neuen Schwung bringen

Das schwächelnde europäische Konsumumfeld soll hingegen durch die Fußball-Weltmeisterschaft neuen Schwung erhalten. Dieser Effekt wird sich frühestens Ende 2005 bemerkbar machen, sagt Helaba-Analystin Oana Floares. Als eine der wenigen rät sie vom Kauf der Aktie ab: „Die guten Perspektiven sind bereits im aktuellen Kursniveau berücksichtigt.“ Das Kurs-Gewinn-Verhältnis in Höhe von 13,8 weise einen deutlichen Vorsprung von 21 Prozent gegenüber dem direkten deutschen Konkurrenten Puma auf.

Zweifel hat Floares auch an der Wirksamkeit bei der Restrukturierung der Outdoor-Sparte Salomon. Erst im vergangenen Jahr verlagerte Salomon die Skiproduktion von Frankreich ins außereuropäische Ausland. „Die Ski-Nachfrage wird aufgrund des zunehmenden Trends zum Ausleihgeschäft auch künftig schwach bleiben“, sagt Floares. Zusätzliches Ungemach droht von der Konkurrenz: Durch den Kauf des weltgrößten Skiherstellers Rossignol vom amerikanischen Freizeitbekleidungshersteller Quiksilver ist seit März ein neuer Weltkonzern im Outdoor-Bereich entstanden.

Salomon trägt bei Adidas jedoch nur knapp zehn Prozent zu den Umsätzen vorbei. Einzig nach der Akquisition von Salomon 1997 habe es Kursreaktionen auf Negativ-Meldungen dieses Geschäftsbereichs gegeben, sagt Ralf Stromeyer, Analyst der Fondsgesellschaft Dit. Daher seien die Salomon-Gewinnaussichten für den Aktienkurs wenig relevant. Für die nächsten zwölf bis 18 Monate sieht der Experte Adidas als einen der Konsumtitel, die sehr günstig bewertet sind.

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