Analystenmeinung
Saint-Gobain liegt im Trend

Die Expansion des französischen Baustoffkonzerns erfreut die Anleger.

PARIS. Der berühmte Spiegelsaal im Schloss von Versailles und die Glaspyramide des Louvre haben eins gemeinsam. Sie wurden beide von einem französischen Traditionsunternehmen geschaffen: dem Baustoffkonzern Saint-Gobain. Und über drei Jahrhunderte nach seiner Gründung im Jahr 1665 ist das Unternehmen immer noch gut im Geschäft. Das hat positive Auswirkungen auf die Aktie. Diese wird derzeit von Analysten wegen ihres Kurspotenzials zum Kauf empfohlen.

„Die Aktie dürfte schnell steigen. Sie ist unterbewertet. Der Baumarkt befindet sich im Wachstum“, sagt Julien Picard von der Privatbank Fideuram Wargny. Er rechnet damit, dass sie in den kommenden Monaten bis auf 57,50 Euro steigen könnte. Noch etwas höher schätzt die Deutsche Bank die Chancen ein. Deren Analyst Paul Roger hält einen Kursanstieg auf 60 Euro für möglich, was einem Potenzial von 20 Prozent entspricht.

Saint-Gobain hat sich vom reinen Bauspezialisten zum Vertrieb gemausert und in hochwertige Bauelementeinvestiert. Die Firma bietet Baumaterialien wie Steine und Mörtel an, aber auch Fenster, Fliesen und Keramik. Saint-Gobain hat zudem selbstreinigendes Glas entwickelt. Für Automobilhersteller werden Sicherheitsscheiben gefertigt. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Konzern mit 181 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 32 Mrd. Euro.

Derzeit notiert die Saint-Gobain-Aktie bei 49,60 Euro; innerhalb eines Jahres stieg sie schon um mehr als 15 Prozent. Der gesunde Baumarkt in Frankreich ist ein Grund für die Rally, und dem nationalen Forschungsinstitut Insee zufolge dürfte der Trend anhalten. „Außerdem geht es Saint-Gobain finanziell gut“, sagt Analyst Picard.

Noch ein weiterer Grund spricht für die Wachstumsperspektiven. Der Konzern expandiert im Ausland. Nach einem monatelanger Gegenwehr nahm etwa der britische Gipsplattenhersteller BPB das Übernahme-Angebot von Saint-Gobain an; dadurch wurde die Position des französischen Unternehmens auf dem Baustoffmarkt gestärkt.

„Die Aktionäre von Saint-Gobain dürften sich freuen“, schätzt die Deutsche Bank. „Die Übernahme ist in finanzieller und strategischer Hinsicht sinnvoll für Saint-Gobain.“ Der Gipsplatten-Markt verzeichnet jährliche Wachstumsraten von etwa fünf Prozent.

Saint-Gobain-Chef Jean-Louis Beffa rechnet aufgrund des Kaufs mit einem Gewinnanstieg von 13 Prozent ab 2006. Dazu kommen Synergie-Effekte, die Saint-Gobain auf 100 Mill. Euro veranschlagt. Der Konzern und seine neue Tochter haben Wachstumsperspektiven in China, Osteuropa und profitieren von der positiven Entwicklung des Baumarktes in den USA. Saint-Gobain setzt mit der Übernahme von BPB ganz deutlich auf Wachstum und gibt damit auch ein optimistisches Signal für die Anleger.

Um die Akquisition von BPB für 5,8 Mrd. Euro zu finanzieren, will Saint-Gobain Tafelsilber verkaufen und stößt damit auf reges Interesse. Die britische Firma Rexam, Spezialist für Dosen, interessiert sich offenbar für das Flaschengeschäft von Saint-Gobain. Saint-Gobain stellt unter anderem Flaschen für das legendäre Parfüm Chanel No. 5 her. Sollte das französische Unternehmen diesen Bereich verkaufen, würde Rexam dafür laut englischen Presseberichten 4,4 Mrd. Euro anbieten. Die Saint-Gobain-Aktie stieg daraufhin um anderthalb Prozent. Analysten erwarten positive Nachrichten und weiteren Schub für die Aktie.

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