Analystenpreis 2009
Die besten Analysten punkten mit Pessimismus

In einem der katastrophalsten Aktienjahre überhaupt gab es nur eine Devise: Auf Pessimismus setzen. Die Analysten, die früh negativ eingestellt waren, machten sich verdient. Das Handelsblatt zeichnet gemeinsam mit dem US-Analysehaus Starmine zum sechsten Mal die besten Analysten für deutsche Aktien aus.

FRANKFURT. Das Ausmaß konnte niemand der Krise absehen. Doch wer den besten Analysten gefolgt wäre, hätte sein Depot vor immensen Verlusten schützen können. Der Verkaufen-Tipp von Philipp Bumm von CA Cheuvreux hätte Aktionären des Anlagenbauers Schmack Biogas etwa ein Minus von 88 Prozent ersparen können.

Für Anleger ist es also sinnvoll zu wissen, auf wessen Aktientipps und Gewinnschätzungen sie sich verlassen können. Als Orientierung können ihnen Auswertungen unabhängiger Unternehmen dienen, die die Arbeit von Analysten bewerten und in Rankings veröffentlichen. Wer regelmäßig in solchen Rankings auftaucht, zählt zur Spitze seiner Zunft - auch wenn neben dem Können auch Glück für das richtige Timing zum Erfolg beiträgt. Das US-Analysehaus Starmine, das zum weltgrößten Finanzdatenanbieter Thomson Reuters gehört, hat die besten Analysten für deutsche Aktien des vergangenen Jahres herausgefiltert. Das Handelsblatt prämierte gestern gemeinsam mit Starmine zum sechsten Mal die Branchenbesten mit dem Analysten-Preis 2009.

Das US-Researchhaus bewertet seit mehr als zehn Jahren die Qualität von Aktienempfehlungen und die Treffgenauigkeit von Gewinnschätzungen. Um die Top-Analysten für deutsche Aktien zu finden, nahm Starmine für Aktienempfehlungen 897 Analysten und für Gewinnschätzungen 1 369 Experten von 148 Wertpapierhäusern unter die Lupe, die über 500 Titel beobachten. Für den Award qualifizieren konnten sich aber nur je rund 250 Analysten. Starmine verkauft die Ergebnisse des Analysten-Awards an Banken und Investoren.

"2008 war ein Testjahr", kommentiert Stuart McLean, Europa-Chef von Starmine die Ergebnisse. Dass sich die Finanzkrise überraschend zur Wirtschaftskrise ausgewachsen habe, hätte die Schere zwischen guten und schlechten Analysten sehr weit geöffnet. Wichtige Sektoren wie Automobil oder IT konnten bei Aktienempfehlungen nicht bewertet werden, weil keiner der Analysten, wie von Starmine gefordert, besser als der Marktdurchschnitt lag. "Wer sich früh zu Verkaufen-Urteilen durchrang, schnitt gut ab", sagt McLean. "Dies fiel den Analysten bei großen liquiden Aktien leichter als bei kleinen Werten, wo es vielfach engere Beziehungen zu den Firmen gibt." Nur wenige Analysten schaffen es immer wieder in die Rankings; McLean nennt etwa Sven Dopke, Martin Possienke, Martin Rödiger oder Knut Woller.

Größere Kontinuität zeigt die Rangliste der besten Broker: Sieben der zwölf prämierten Anbieter aus 2008 landeten wieder unter den Besten. Den ersten Platz errang erneut der französische Broker CA Cheuvreux, gemeinsam mit Sal. Oppenheim. Beide gewannen je neun Preise. "In beiden Häusern entschieden sich die Analysten zeitig für ,Verkaufen'", begründet Starmine-Mann McLean. "Wir haben bereits im zweiten Quartal unsere Urteile revidiert", sagt Bernd Laux, Aktienresearch-Chef bei Cheuvreux. Auch Wolfgang Sawazki, Aktienresearch-Chef von Sal. Oppenheim, betont, "das Ausmaß der Krise früh erkannt zu haben." McLean spricht bei Brokern von einer Trendumkehr in der Krise: Heimische Häuser dominierten wieder die Ranglisten, da große globale Broker deutsche Aktien wieder weniger intensiv beobachteten.

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