Analystenstimmen zu Wal-Mart
Gewinner und Verlierer

Metro hat dem US-Konzern Wal-Mart 85 Filialen abgekauft. Die strukturellen Probleme bleiben. Wal-Mart dagegen hat in den USA neue Pläne, die Erfolg versprechen.

DÜSSELDORF / HOUSTON. Metro-Chef Hans-Joachim Körber hat zum Quartalsende die Anleger gleich doppelt überrascht. Zum einen verblüffte er mit der Ankündigung, Metro werde das komplette Deutschlandgeschäft des US-Handelskonzerns Wal-Mart übernehmen – 85 Standorte werden in das Filialnetz der Real-Supermärkte integriert. Zum anderen berichtete er über ein Umsatzwachstum von 7,8 Prozent auf 14 Mrd. Euro im zweiten Quartal, das alle Erwartungen übertraf.

Fortschritte erzielte der Konzern sogar bei der angeschlagenen Vertriebslinie Real. Sie steigerte ihren Umsatz um zwei Prozent auf 2,4 Mrd, Euro. Das Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) stieg von einer Mill. im Vorjahreszeitraum auf fünf Mill. Euro im zweiten Quartal. Deutlich zulegen konnte Metro in den Cash & Carry-Märkten und bei Media Markt/Saturn. Der größte Anteil des Wachstums kommt – wie seit Jahren – aus dem Ausland.

Doch weder die guten Zahlen noch die Nachricht, dass einer der aggressivsten Metro-Konkurrenten vom deutschen Einzelhandelsmarkt verschwindet, vermochte die Anleger mitzureißen. Ein zarter Kursgewinn unmittelbar nach Veröffentlichung der Quartalszahlen war schnell aufgebraucht, bei aktuell gut 45 Euro liegt die Aktie unter dem Jahreshoch von 48,10 Euro im Mai.

Den Grund für die Zurückhaltung sehen Experten in strukturellen Problemen. Der deutsche Einzelhandel habe in den vergangenen Jahren unter mangelnder Konsumbereitschaft gelitten, sagt DWS-Fondsmanager Martin Schneider. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft und Vorholeffekte aus der für 2007 geplanten Mehrwertsteuererhöhung hätten nur eine überschaubare Wirkung. „Die Börse hat diese Effekte längst eingepreist“, sagt Schneider.

Von Überkapazitäten spricht der Analyst Nils Lesser von Merck Finck. „Gerade deshalb und auf Grund der zu geringen Größe ist Wal-Mart ausgestiegen.“ Lesser nennt ein Kursziel von 46 Euro. Ähnlich urteilt Christoph Gmeinwieser von der BayernLB: „Der Lebensmittelhandel war bisher die schwierigste Sparte für Metro. Nun kommt das defizitäre Wal-Mart-Geschäft hinzu.“

Barbara Ambrus von der LBBW ist dagegen optimistisch: Wal-Mart habe in Deutschland die kritische Masse gefehlt, um profitabel zu werden. Demgegenüber ermögliche der Zusammenschluss mit Real erhebliche Synergien in den Bereichen Einkauf, Logistik und Verwaltung, argumentiert sie. Die Analystin sieht beim Metro-Kurs daher noch viel Luft nach oben und empfiehlt den Kauf der Aktie. Ihr Kursziel liegt bei 54 Euro.

Die Metro selbst hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Umsatzrendite auf drei Prozent zu steigern. Doch dazu müssten die Integration der neuen Standorte und die Sanierung von Real ganz glatt über die Bühne gehen.

Seite 1:

Gewinner und Verlierer

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%