Angebot für Scania
Gerüchte belasten MAN-Aktien

Aktien von MAN liegen am Dienstag auf dem letzten Platz im Dax. Einige Börsianer erklärten dies mit Gerüchten, Volkswagen könne den Lkw-Hersteller zwingen, ein Angebot für die schwedische Scania abzugeben. Analysten sehen außerdem einen Zusammenhang mit den Rücktritten im MAN-Vorstand.
  • 0

HB HAMBURG. Spekulationen über ein angebliches Angebot für den schwedischen Lkw-Bauer Scania haben am Dienstag die Aktie von MAN gedrückt. Das Papier des Münchener Nutzfahrzeugherstellers verlor zeitweise fünf Prozent und war damit Schlusslicht im Leitindex Dax. Im weiteren Verlauf berappelte sich das Papier aber etwas.

"Es gibt Gerüchte, dass MAN gezwungen wird, für Scania zu bieten", sagte ein Händler. Dahinter könnte VW stecken, die an MAN bereits knapp 30 Prozent halten und an Scania 70 Prozent. Die Scania-Aktien legten in Stockholm knapp drei Prozent auf 98,80 Kronen zu. Unter dem Dach von MAN könnte VW-Aufsichtratschef Ferdinand Piech, der auch bei MAN dem Kontrollrat vorsitzt, seinen angestrebten Lkw-Bund schmieden.

Analysten brachten den Kurseinrückgang in Zusammenhang mit dem Verlust von fast der kompletten Vorstandsetage bei MAN. Binnen weniger Tage hatten Vorstandschef Hakan Samuelsson, Finanzvorstand Karlheinz Hornung und der Chef der Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann, ihre Posten geräumt. MAN steht im Verdacht, den Absatz von Lastwagen und Bussen über Jahre hinweg mit Schmiergeld in die Höhe getrieben zu haben.

Branchenkenner vermuten, dass der mächtige Auto-Patriarch Piech, der auch bei MAN die Fäden zieht, die Gelegenheit ergriffen hat, um seine Pläne für eine Lkw-Allianz voranzubringen. "Piech könnte das neue MAN-Management zu einem Angebot für Scania zwingen, damit VW seine Anteile an dem schwedischen Lastwagenbauer verkaufen kann", sagte der Autoanalyst eines Bankhauses, der namentlich nicht zitiert werden wollte.

Bei einem Angebot von MAN für Scania könnte VW demzufolge die eigene Liquidität schonen. MAN hält seit einem gescheiterten Übernahmeversuch vor ein paar Jahren 17 Prozent der Scania-Stimmrechte. Der Münchener Konzern verfügte Ende September über 540 Mio. Euro an Barmitteln und weitere 593 Mio. Euro in Wertpapieren, die versilbert werden könnten. Die Nettoschulden beliefen sich auf knapp 2,4 Mrd. Euro.

VW hatte unlängst bereits sein Geschäft mit schweren Nutzfahrzeugen in Brasilien an MAN verkauft. Piech hatte vor kurzem zu verstehen gegeben, dass er die Absatzkrise in der Nutzfahrzeughersteller dazu nutzen will, um die von ihm geplante Lkw-Allianz voranzutreiben. "In der Not geht alles schneller", hatte er am Rande der Autoschau IAA in Frankfurt gesagt. Dabei hatte Piech offengelassen, ob dazu eine höhere Beteiligung von VW an MAN nötig wäre.

Volkswagen will sich bis 2011 mit dem Sportwagenbauer Porsche verschmelzen und hat damit derzeit alle Hände zu tun. Europas größter Autobauer will sich am Donnerstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung von seinen Aktionären grünes Licht für die Ausgabe von 135 Mio. Vorzugsaktien geben lassen, um den Porsche-Deal zu finanzieren.

Kommentare zu " Angebot für Scania: Gerüchte belasten MAN-Aktien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%