Anhaltender Höhenflug des Euro könnte Dax bremsen
Dax-Ausblick: Seitwärtstendenz prognostiziert

Eine interessante Woche könnte dem Dax bevorstehen. Eingekeilt zwischen fundamentalen Pros und Contras und technischen Widerständen und Unterstützungen fehlt dem Dax noch immer der Auslöser für die erhoffte Jahresendrally. Analysten fällt es derzeit leicht, auf jedes Argument in die eine oder andere Richtung ein ebenso plausibles Gegenargument zu finden.

HB FRANKFURT. Der Dax scheint seine entnervende Seitwärtsbewegung auf den aktuellen Niveaus zunächst fortzusetzen. Nach dem enttäuschenden Ifo-Index vom Donnerstag könnte sich das Thema Konjunkturabschwächung weiter belastend auswirken. Gleichzeitig heißt es aber von Analysten dazu, dies habe der eine Woche zuvor veröffentlichte ZEW-Index bereits angedeutet. Händler sehen den Ifo daher bereits berücksichtigt in der langweiligen Kursentwicklung der vergangenen Woche.

Neu sind dagegen die ständigen Rekordhochs im Euro. Mit 1,33 Dollar wurde am Freitag erneut eine große Marke überrannt und hat die Aktienmärkte belastet. Seit der Absage an Interventionen durch den G-20-Gipfel sahen Devisenhändler den Startschuss zu einer großen Euro-Rally gegeben. Doch auch hier scheiden sich mittlerweile die Geister: Während die "Marktweisheit" einen schwachen Dollar unisono als belastend wertet, haben die Analysten der DZ Bank ganz anderes entdeckt. Vor allem der MDax, heißt es von dort, sei eher ein Gewinner bei Dollarschwäche. Die dort gelisteten Unternehmen hätten seit 1988 regelmäßig eine Outperformance in diesen Phasen gezeigt.

Auch technische Analysten sehen den Euro in einem Stadium des Überschießens. Die drastischen Gewinnmitnahmen von über 1 US-Cent binnen Minuten hätten am Freitag bereits gezeigt, wie empfindlich der Euro inzwischen sei. Bis zu 1,35 Dollar seien noch in diesem Stadium erreichbar, danach könnte jedoch eine große Konsolidierung einsetzen. Die Bewertungsseite spricht nach Ansicht der DZ Bank zudem weiter für europäische Aktien: Mittlerweile übersteige sogar die Dividendenrendite des Euro-Stoxx-50-Index die Rendite von 5-jährigen-Anleihen.

Die weitere Entwicklung des Euro wird nach Einschätzung von Börsianern über das Wohl und Wehe am deutschen Aktienmarkt in der kommenden Woche entscheiden. Sollte der Euro weiter an Stärke gewinnen, dürfte das Dax belasten, sagen Aktienexperten.

„Wir rechnen mit etwas Gegenwind an den Börsen vor allem durch den starken Euro“, sagt Steffen Neumann, Aktienstratege bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. „Es ist aber bemerkenswert, wie robust der Markt im Moment trotz des festen Euro ist.“ Auch sein Kollege Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg weist darauf hin, dass sich in der jüngsten Zeit positive Entwicklungen, wie etwa der Rückgang des Ölpreises, stärker in den Kursen niedergeschlagen hätten als der Dollar-Wertverfall.

Kaum Bewegung in der vergangenen Woche

Aktienstratege Neumann rechnet aber damit, dass bei einem weiteren schnellen Anstieg der Gemeinschaftswährung das Thema Euro am Aktienmarkt stärker in den Vordergrund rückt. „Wenn der Euro über 1,35 Dollar steigt und in Richtung 1,40 Dollar geht, dürfte das Thema verstärkt auf den Radarschirm der Märkte kommen.“

Ähnlich äußert sich Carsten Klude von MM Warburg: „Der Euro ist momentan der Bremsfaktor an den Märkten.“ Im Grunde sei er aber optimistisch, was die Entwicklung an den Aktienmärkten in der nächsten Zeit angehe. „Und sollte es beim Euro in der kommenden Woche zu einer Gegenreaktion auf die jüngsten Gewinne kommen, könnte das den Kursen Auftrieb geben“, urteilt Klude. In dieser Woche hat sich der Dax kaum bewegt.

EZB tagt am Donnerstag

Im Zusammenhang mit der anhaltenden Euro-Stärke dürfte in der kommenden Woche vor allem die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag stehen. Zwar erwarten Analysten keine Veränderung des Leitzinses in der Euro-Zone von derzeit 2,00 Prozent. Mit Argusaugen dürften Börsianer allerdings darauf achten, ob und was EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zum Höhenflug der Gemeinschaftswährung sagt. „Auf der anschließenden Pressekonferenz wird Trichet erneut auf die gestiegenen wirtschaftlichen Risiken durch den aufwertenden Euro hinweisen“, prognostizieren die Volkswirte der BayernLB in einem Marktausblick.

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