Anlageexperten raten überwiegend zum Verkauf
Bei Pro Sieben ist die Luft raus

Damit hatte wohl kaum jemand gerechnet: Als des Deutschen liebstes Lästermaul Harald Schmidt vor gut einer Woche bekannt gab, dass er nach acht Jahren Dauersendung eine „kreative Pause“ brauche, war nicht nur die Fernseh-Nation entsetzt. Schockiert zeigte sich auch die Börse. Die Aktie von Pro Sieben Sat 1 Media brach um fast 14 Prozent ein. Und obwohl sich der Kurs in den letzten Tagen zumindest teilweise wieder erholt hat, bleiben die Analysten skeptisch. Denn in dem Medienkonzern unter Führung des amerikanisch-israelischen Milliardärs Haim Saban häufen sich die Probleme.

DÜSSELDORF. Allein vor dem Hintergrund, dass Schmidt aufhört, halten die Anlageexperten die Kursverluste allerdings für übertrieben. „Schmidt war vor allem wichtig für das Image. Wirtschaftlich war seine Sendung kaum von Bedeutung“, sagt Florian Leinauer von Helaba Trust. „Die Show brachte zwar auch zu später Stunde noch gute Quoten, aber kaum positive Erträge", bestätigt Karina Gundermann von der Bankgesellschaft Berlin.

Eine generelle Kurskorrektur sei jedoch längst überfällig, meint Gundermann. „Im Moment ist die Aktie einfach überbewertet“, sagt die Branchenexpertin. Denn der Konzern schwächelt und steht im Vergleich zum Hauptkonkurrenten RTL eher schlecht dar: Die Zuschauerzahlen sind niedriger, die Bruttowerbeeinnahmen sinken, und bei den Kosten gibt es kaum noch weiteres Einsparpotenzial. Kaum ein Sender des Pro-Sieben-Konzerns sei derzeit wirklich auf Erfolgskurs, meint Gundermann: Pro Sieben kämpft mit bröckelnden Marktanteilen, N24 schreibt weiter Verluste, und mit der „Stimme von Sat 1“ verstummt das populärste Aushängeschild des Senders. „Sat 1 ist eindeutig das größte Sorgenkind des Unternehmens“, sagt Erik Heinrich, Analyst bei der WGZ-Bank.

Im „Kuschelsender“ fehlt die Harmonie – und damit eine klare Strategie. So mussten seit dem Einstieg von Saban im August schon zwei Vorstände gehen - darunter auch Sat 1-Geschäftsführer und Schmidt- Intimus Martin Hoffmann. Und mit dem Personalkarussell dreht sich auch die Frage der Neuausrichtung ergebnislos im Kreis. „Wahrscheinlich wird es langfristig zu einer Amerikanisierung mit mehr täglichen Formaten kommen“, schätzt Iris Schäfer von der Landesbank Baden- Württemberg. „Das Potenzial für solche Sendungen ist aber so gut wie erschöpft.“

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