Anlagestrategen schauen knallhart auf den Preis
Fondsgesellschaften spielen ihre Macht aus

Wer 200 Mrd. Euro schwer ist, der hat großen Einfluss. Ein Aktienvermögen in etwa dieser Höhe macht die deutsche Fondsbranche zu einem Machtfaktor. Die Geldverwalter sind der wichtigste Ansprechpartner für deutsche Firmen, die das Going Public proben.

FRANKFURT/M. Börsendebütanten und begleitende Konsortialbanken müssen die Fondsmanager heute weit stärker umwerben als früher, denn eine andere kaufkräftige Anlegergruppe ist ausgefallen: die Privatinvestoren. Und die Fonds nutzen ihren gestiegenen Einfluss, winken bei zu teuren Angeboten einfach ab. Das ist nur im Sinne der Anteilsbesitzer. „Ich bin jedem Anleger verpflichtet, in seinem Interesse zu handeln“, sagt Jörg de Vries-Hippen, Fondsmanager beim viertgrößten Fondshaus Dit.

Es gab andere Zeiten. In der Börseneuphorie bis ins Jahr 2000 hinein rissen vor allem die Privatanleger den Debütanten die neuen Aktien aus den Händen. Die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells und der Preis spielten kaum eine Rolle. „Da war die Einflussnahme gering, denn es herrschte die pure Raffgier, nicht nur bei den Privaten, teilweise auch in unserer Branche“, sagt ein Fondsmanager, der nicht genannt werden möchte.

Nach dem Platzen der Börsenblase war das IPO-Geschäft tot. Die Privaten sind immer noch enttäuscht, wollen von Aktien nichts wissen. Während der ersten vier Monate des laufenden Jahres – trotz einer beeindruckenden Hausse seit Frühjahr 2003 – gaben sie sogar netto für knapp eine Milliarde Euro Aktienfonds zurück.

Jetzt melden sich zwar Börsenaspiranten. Aber oft bleiben sie auf der Strecke: XFab, Siltronic und ATU scheiterten; nur Mifa und Wincor Nixdorf kamen durch. In vielen Fällen stimmte der Preis nicht, und die Fonds winkten ab. Der Markt für Newcomer ist heute ein Käufermarkt, kein Verkäufermarkt mehr wie zu Zeiten der New Economy.

Es gibt einen zweiten Grund für das zähere Ringen um den „fairen“ Preis. Die Bewegungsspielräume der Fonds sind wegen des fehlenden frischen Kapitals geringer. Bei starken Mittelzuflüssen wie in den Haussejahren fallen Neuengagements leichter, weil sie aus diesen Geldern gespeist werden können. Heute sind die Portfoliolenker zum Verkauf von Altbeständen gezwungen. „Dafür müsste die Postbank-Story spannender sein als die der börsennotierten Konkurrenten und die Aktie günstiger bewertet sein als vergleichbare Titel am Markt – ist sie aber nicht“, urteilt ein Fonds-Mann.

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