Anleger begeistert
Gildemeister schafft Befreiungsschlag

Der Maschinenbauer Gildemeister wirft neue Aktien auf den Markt. Die Anleger sind begeistert. Die Analysten loben, dass das Unternehmen künftig unabhängiger von den Banken sein wird. Die Experten raten zum Kauf der Aktie.
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FrankfurtKündigt ein Unternehmen eine Kapitalerhöhung an, ist das meist keine frohe Botschaft. Denn oft steckt dahinter, dass das Unternehmen knapp bei Kasse ist und mehr Geld braucht.Entsprechend empfindlich reagiert die Börse auf solche Nachrichten, der Aktienkurs fällt.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Gildemeister. Der Maschinenbauer aus dem MDax hat heute wie geplant eine weitere Kapitalerhöhung angekündigt - und die Anleger sind begeistert. Sie reißen sich um die Aktie, der Kurs steigt um sechs Prozent auf 16,62 Euro. Der Grund: Mit der Kapitalerhöhung gelingt dem Unternehmen ein Befreiungsschlag.

Gildemeister will sein Kapital gleich um ein Fünftel erhöhen und dazu zehn Millionen neue Inhaber-Aktien ausgeben. Der Bezugspreis beträgt 13,66 Euro. Altaktionäre erhalten neue Papiere im Verhältnis fünf zu eins.

Mit dem Geld, das nun in die Kasse kommt, sollen Schulden abgebaut werden. Analysten loben diesen Schritt. Die Stärkung der Eigenmittel vermindere die Abhängigkeit von Banken, schreibtRalf Marinoni von Close Brothers in einer Studie. Dadurch sei mit niedrigeren Finanzierungskosten zu rechnen. Das wiederum lasse auf einen höheren Gewinn im laufenden Jahr hoffen. Marinoni hat die Aktie auf "kaufen" hochgestuft.

Für die Firma aus Bielefeld ist es schon die zweite Kapitalerhöhung innerhalb kurzer Zeit. Die letzte liegt erst zwei Wochen zurück. Damals waren neue Anteilsscheine komplett an den japanischen Kooperationspartner Mori Seiki gegangen ("Seiki" ist das japanische Wort für Präzisionsmaschine). Insgesamt wollen sich die Japaner mit rund 20 Prozent an Gildemeister beteiligen.

Beide Unternehmen stellen Werkzeugmaschinen her und kooperieren bereits seit zwei Jahren. Nun rücken sie noch enger zusammen; zum einen als Schutz vor feindlichen Übernahmen, zum anderen verspricht sich Gildemeister durch eine engere Zusammenarbeit bessere Chancen auf dem asiatischen Markt. Wie sehr der japanische Partner durch das Erdbeben am 11. März betroffen ist, lässt sich noch nicht absehen. Die Unsicherheit über die Folgen hatte die Aktien von Gildemeister zeitweise belastet.

Dabei laufen die Geschäfte für Gildemeister in diesem Jahr gut. Die Auftragsbücher sind voll, die Produktion ausgelastet. Er rechne mit einer kontinuierlich steigenden Nachfrage, sagtAnalystHolger Schmidt von Equinet. Allerdings hat das Unternehmen einiges aufzuholen. In der Wirtschaftskrise war das Geschäft eingebrochen.

Die Börse hat einen Teil der Erholung schon vorweggenommen. Der Aktienkurs liegt rund 50 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Trotzdem trauen Analysten der Aktie noch viel zu: In den letzten vier Wochen haben zehn Experten eine Einschätzung für Gildemeister abgegeben. Alle raten zum Kauf. Die Kursziele reichen von 19 bis 22 Euro.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

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