Anleger hoffen auf „Phase 2“ von Ackermanns Fitness-Programm
Gute Zahlen der Deutschen Bank lassen Aktienexperten kalt

Trotz guter Quartalszahlen haben die Aktien der Deutschen Bank die Talfahrt angesetzt. Ein Grund für die Enttäuschung der Anleger war, dass die Hoffnungen auf einen schnellen Aktienrückkauf einen Dämpfer erhielten.

FRANKFURT/M. Was wollen die Börsianer eigentlich noch mehr? Erstmals seit drei Quartalen hat die Deutsche Bank schwarze Zahlen geschrieben, das operative Geschäft hat sich selbst nach Meinung von Kritikern robust bis sehr gut entwickelt und das Restrukturierungskonzept von Konzernchef Josef Ackermann greift – und dennoch setzten die Aktien nach Bekanntgabe der Quartalsbilanz am vergangenen Donnerstag zur Talfahrt an. Bis zum Wochenende verloren die Titel unter dem Eindruck zahlreicher Herabstufungen mehr als vier Prozent, auch gestern ging es weiter abwärts.

Ein Grund für die Enttäuschung der Anleger war, dass die Hoffnungen auf einen schnellen Aktienrückkauf einen Dämpfer erhielten. Ein solcher Schritt treibt die Kurse normalerweise nach oben. Als Hindernis könnten sich aber die amerikanischen Buchführungsregeln (US-Gaap) für Mitarbeiterbezahlung in Aktien erweisen. Diese führen dazu, dass die Kernkapitalquote (Tier 1) von stolzen 10 Prozent auf etwas unter 9 Prozent sinken wird. Dies ist im internationalen Vergleich immer noch sehr ansehnlich, doch nach Meinung von Analysten schmilzt der Spielraum für Aktienrückkäufe. Die US-Investmentbank JP Morgan nahm dies zum Anlass, die Aktie von „übergewichten“ auf „neutral“ zurückzustufen.

Ansonsten kassierte die Bank für ihre Quartalszahlen durchweg Lob. Die Erfolge des Konzernumbaus „waren im zweiten Quartal klar sichtbar“, konstatiert die Investmentbank CSFB. Auch JP Morgan erkennt an, dass sich Ackermanns „aggressive Reinigung“ der Bank auszahlt. Die Gruppe verlasse endlich die „Baustellen“-Etappen und zeige ihre wahre Ertragsstärke. Tatsächlich hat die Bank eine Rosskur hinter sich. Beteiligungen und nicht zum Kerngeschäft zählende Geschäftsbereiche wurden rigoros verkauft, fast 15 000 Stellen fallen weg. „Das Restrukturierungsprogramm war sehr erfolgreich“, lobt Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin.

Das Problem: Viele Analysten hatten für das zweite Quartal auf ein Quäntchen mehr gehofft – doch die „positive Überraschung“ fiel aus. Vielmehr lag der Vorsteuergewinn mit 1,1 Mrd. Euro exakt auf dem Niveau der Prognosen. Dies war nach den kräftigen Kursgewinnen der letzten Monaten zu wenig. Nachdem die Titel zwischen Mitte März von 33,5 Euro auf gut 59 Euro geklettert waren, nahmen die Investoren erst einmal Gewinne mit. Andreas Weese von der Hypo-Vereinsbank nennt noch einen weiteren möglichen Grund für die aktuelle Kursschwäche: Viele Anleger könnten die Deutsche Bank gegen die Titel der französischen BNP Paribas getauscht haben, die am selben Tag wie der deutsche Branchenprimus sehr gute Zahlen präsentiert hatten.

Als Schlüsseltag für die weitere Kursentwicklung gilt nunmehr der 4. September. Am ersten Donnerstag des kommenden Monats will die Führungscrew der Bank in London einen Investorentag abhalten. Die Erwartungen sind immens, CSFB etwa sieht die Deutsche Bank am „Wendepunkt“. Die „Phase 1“ von Ackermanns Programm sei abgeschlossen, jetzt müsse „Phase 2“ eingeläutet werden. Soviel ist klar: Stand bisher die Sparoffensive im Vordergrund, soll es künftig vor allem um die Steigerung der Einnahmen gehen. Darüber hinaus erschöpfen sich die Äußerungen des Managements bisher in wenigen Schlagworten wie Stärkung der Marke Deutsche Bank oder „profitables Wachstum“ in der Sparte Privat- und Geschäftskunden.

„Die Deutsche Bank muss diese Vorgaben jetzt konkretisieren“, fordert Plenk. Dazu gehöre beispielsweise eine konkrete Vorgabe für die angestrebte Eigenkapitalrendite. Vor einiger Zeit wurde einmal die Marke von 15 Prozent als Ziel genannt, doch ist es um diese Vorgabe zuletzt ruhiger geworden. Auch Weese erwartet, dass „Ackermann zeigt, wie nach dem Konzernumbau nachhaltig Geld verdient wird.“ Vorerst hat der HVB-Experte die Aktie allerdings auf „neutral“ zurückgestuft. Das brillante Handelsergebnis des zweiten Quartals werde sich wohl nicht wiederholen, glaubt er. Das Anleihegeschäft, von dem die Deutsche stark abhängt, habe seinen Höhepunkt überschritten, und auch die Erholung der Aktienmärkte werde sich nicht im Tempo der letzten Monate fortsetzen.

Quelle: Handelsblatt

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