Anleger hoffen nach Korruptionsaffäre auf sinkende Macht der Gewerkschaften
Ausländische Investoren setzen auf VW

Ausländische Investoren nutzen die Korruptionsaffäre bei Volkswagen zum Einstieg in die Aktie. Nach dem Abtritt von Betriebsratschef Klaus Volkert hoffen sie auf eine Schwächung der in Wolfsburg traditionell sehr mächtigen Gewerkschaften.

DÜSSELDORF. „Das Ganze wird als Signal gewertet, dass die verkrusteten Strukturen aufgebrochen werden. Vor allem Londoner Adressen kaufen, dort ist der Appetit auf die Aktie weit größer als bei uns“, sagt Heino Ruland, Analyst beim Frankfurter Broker Steubing. Seit Monatsbeginn, als der Skandal bekannt wurde, stieg die VW-Aktie rund drei Prozent, während der Deutsche Aktienindex (Dax) auf der Stelle trat.

Der VW-Konzern kommt derzeit nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Der Autobauer selbst hatte Anzeigen zunächst wegen Betrugs und Untreue gegen den ehemaligen Skoda-Personalchef Helmuth Schuster und einen Mitarbeiter der Personalabteilung in Wolfsburg gestellt. Sie sollen versucht haben, sich über Tarnfirmen Aufträge des Konzerns zu sichern. Dann trat Betriebsratschef Volkert zurück, nachdem einige Medien berichtet hatten, der Konzern habe Hotelrechnungen für eine brasilianische Bekannte des Gewerkschafters übernommen. Und auch der als gewerkschaftsnah geltende VW-Personalvorstand Peter Hartz gilt nun als beschädigt. Von der Schwächung dieser Gewerkschaftsvertreter könnte der als Sanierer vom US-Konkurrenten Chrysler geholte VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard profitieren.

„Den kennen die Angelsachsen und trauen ihm einiges zu“, sagt ein auf Autowerte spezialisierter Händler in Frankfurt. „Die Macht der Gewerkschaften, die offenbar durch die Schlagzeilen diskreditiert werden, dürfte bei den nächsten Tarifverhandlungen deutlich geschwächt sein“, schätzt auch Autoanalyst Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank (HVB), der die VW-Aktie am Dienstag auf Kaufen hochgestuft hat. Derzeit sehen nach Reuters-Daten 16 Analysten die Aktie als Kauf, zehn stufen sie auf halten ein und zwölf raten zum Verkauf. Sanierer Bernhard hat die Gewerkschaften jüngst auf einen harten Poker um die Personalkosten vorbereitet.

Er will Medienberichten zufolge in den kommenden drei bis vier Jahren vor allem bei den Marken VW und Skoda sieben Milliarden Euro einsparen. In seiner Zeit bei Chrysler in den USA hatte Bernhard sich von mehreren Werken getrennt und die Kosten deutlich reduziert. VW steht am „Scheideweg“, ist Bernhards Devise. Der Konzern kämpft derzeit mit hohen Personalkosten, steigenden Rohstoffpreisen, einem Einbruch im Chinageschäft sowie einer Modelloffensive vor allem japanischer und koreanischer Hersteller. Hinzu kommen Qualitätsprobleme.

Rückendeckung in der Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften erhält Bernhard auch von Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulf (CDU), der auch Personalvorstand Hartz in der Affäre keinen „Persilschein“ ausstellen wollte. Gerade vor der sich abzeichnenden Neuwahl zum Bundestag im Herbst wolle Wulf den Gewerkschaftseinfluss offenbar zurückdrängen, sagten Analysten. Aber selbst dann sei der Konzern wegen des „VW-Gesetzes“ noch kein „normales Unternehmen“.

Durch dieses Gesetz von 1960 kann kein Anteilseigner mehr als 20 Prozent der Stimmenrechte geltend machen. Dadurch ist VW faktisch gegen eine Übernahme geschützt. Außerdem hält das Land Niedersachsen 18 Prozent der VW-Anteile, weshalb der Konzern unter ausländischen Investoren als „Staatsunternehmen“ gilt. Bislang hat sich die deutsche Politik, allen voran der ehemalige Ministerpräsident in Hannover und aktuelle Bundeskanzler Gerhard Schröder erfolgreich gegen Versuche der EU-Kommission gewährt, dieses Gesetz zu kippen.

Neben der Hoffnung auf deutliche Kostensenkungen und einem Ende des „Systems VW“ profitiert die VW-Aktien derzeit aber auch vom schwachen Euro. In Europa hergestellten Modelle wie der Passat lassen sich bei einem niedrigen Euro auf dem weltgrößten Automarkt der USA einfacher verkaufen. Nachdem der Euro kürzlich unter 1,20 Dollar fiel, hob die HVB ihre Prognose für den operativen Gewinn bei VW 2006 um sechs Prozent auf 3,96 Milliarden Euro an.

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