Anleger honorieren erfolgreichen Umbau der Konzerne
Dax läuft Prognosen davon

Die Börsen eilen von Rekord zu Rekord. Da kommen die Analysten nicht mehr mit. Obwohl der Grundtenor positiv bleibt, billigen die fünf größten deutschen Bankinstitute dem Deutschen Aktienindex (Dax) zum Jahresende nur ein Niveau von 4940 Zählern zu. Das sind sieben Prozent mehr als zu Jahresbeginn, aber inzwischen 40 Punkte weniger, als das Börsenbarometer gestern erreichte.

DÜSSELDORF. Rekordgewinne der Unternehmen, niedrige Zinsen in Euro-Land und vor allem die Neuwahl-Reformphantasie treiben den Dax. Die Experten verweisen auf die wachsende Aufbruchstimmung und gestiegene Wirtschafts-Frühindikatoren wie Ifo- und ZEW-Index. Viele Unternehmen berichten zudem über einen stärkeren Abbau ihrer Lager. Werden sie wieder gefüllt, steigt die Produktion. „Das sind klare Aufschwungsignale, die sich im zweiten Halbjahr beim Wachstum niederschlagen werden“, erwartet Gerhard Schwarz, Leiter der Strategiegruppe bei der Hypo-Vereinsbank (HVB). Nach der liquiditätsgetriebenen Hausse – auf Grund niedriger Zinsen fließt billiges Geld an die Börse – ständen die Aktien vor einem vom Wirtschaftsaufschwung gestützten zweiten Schub.

Haupttriebfeder bleiben aber die starken Firmengewinne. Nach Berechnungen des französischen Finanzdatenanbieters JCF rechnen die Analysten internationaler Investmentbanken damit, dass die Gewinne der Dax-Unternehmen 21 Prozent höher als im Vorjahr ausfallen. Bereits 2004 hatten die Konzerne so viel wie noch nie verdient. „Die Restrukturierungsstory ist in vollem Gang. Zwei Drittel der Unternehmen überraschen mit ihren Quartalsberichten positiv“, sagt Torsten Soika, Vermögensverwalter bei der Commerzbank.

Anders als in der Euphorie Ende der 90er-Jahre, als die Bewertungen Schwindel erregende Höhen erreichten, sind die Börsen derzeit immer noch preiswert. So kostet die Allianz-Aktie beispielsweise nur das Neunfache des erwarteten Jahresgewinns pro Anteilsschein – so wenig wie noch nie. „Die Gewinne steigen schneller als die Kurse. Dadurch werden Aktien trotz der Rally billiger“, sagt Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Im Dax-Durchschnitt bezahlen Investoren für ein Unternehmen das Zwölffache der erwarteten Jahresgewinne pro Anteilsschein – im Schnitt der vergangenen 30 Jahre war es rund das Fünfzehnfache. „Bei den Unternehmen verbessern sich die Rahmenbedingungen immer weiter. Deshalb werden auch die Bewertungen steigen, und der Abschlag gegenüber den USA wird sich verringern“, ist sich HVB-Experte Schwarz sicher. Die Folge wären weiter steigende Kurse. An der Wall Street handeln Investoren die großen Aktien mit dem Fünfzehnfachen der erwarteten Jahresgewinne, also 25 Prozent höher als in Deutschland.

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