Anleger richten ihr Interesse auf die Berichtssaison in Deutschland
Dax-Ausblick: Markt vor Konsolidierung

Der deutsche Aktienmarkt ist nach seiner jüngsten Hausse zurückhaltenderen Aktienstrategen zufolge reif für eine Beruhigungsphase. Optimisten erwarten hingegen weiter steigende Kurse. Mit den Quartalszahlen von Siemens, Deutscher Bank und DaimlerChrysler nimmt die Berichtssaison der deutschen Unternehmen in der kommenden Woche Fahrt auf.

HB FRANKFURT. Unterstützt von überwiegend positiv aufgenommenen Quartalsberichten amerikanischer Branchengrößen wie IBM hat der Dax seit Wochenbeginn rund 2,3 Prozent zugelegt und am Freitag Nachmittag bei 4820 Punkten notiert. Damit setzten die Kurse eine seit Monaten andauernde Entwicklung fort, deren Zukunft von Beobachtern nun unterschiedlich bewertet wird.

Optimistische Analysten gehen davon aus, dass es sich derzeit vor allem um eine liquiditätsgetriebene Rally handelt, die marginale Impulse von Intermarket-Umschichtungen erhält, im Wesentlichen aber dadurch getrieben wird, dass die Sparquote derzeit extrem hoch ist und viele ihr Geld lieber in Aktien investieren, anstatt den Motor der Binnenkonjunktur anzukurbeln. Fundamentale Enttäuschungen, ausgelöst durch Unternehmen, die wie zuletzt Nokia die überbordenden Erwartungen nicht erfüllen konnten, werden vom Gesamtmarkt derzeit ignoriert.

„Die Hausse nährt die Hausse“, merken Optimisten an, die weiter auf steigendende Kurse im Dax setzen. Seit Mitte August 2004 befindet sich der wichtigste deutsche Aktienindex in einem schulbuchmäßigen Aufwärtstrend, den er Anfang Juli sogar an der oberen Begrenzung verlassen hat. Euphorische Beobachter - „The sky is the limit“ - sehen den Dax in der nächsten Woche bereit vor der psychologisch wichtigen 5000er-Marke und danach gleich weiter steigen in Richtung 5460 Punkte.

"Konsolidierung wäre gesund"

Der Markt sei nun aber überkauft, befürchten indes vorsichtiger eingestellte Analysten. „Nach den kräftigen Kursanstiegen in den vergangenen Wochen ist der Markt etwas überhitzt und sollte daher konsolidieren“, meint zum Beispiel Günter Senftleben von der Bankgesellschaft Berlin. „Eine Konsolidierung wäre für den Aktienmarkt gesund“, ergänzt Steffen Neumann von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Seiner Einschätzung nach sollte der Deutsche Aktienindex (Dax) in der kommenden Woche um die Marke von 4850 Punkten pendeln.

Auch die Commerzbank hält den Markt reif für eine Beruhigungsphase. „Entscheidend werden die zahlreichen Quartalsergebnisse der großen Unternehmen sein“, heißt es in einem Marktkommentar. „Grundsätzlich bleiben die Perspektiven für Aktien wegen der sehr niedrigen Zinsen und günstiger Bewertungen gut.“

„Allgemein schätzen wir die deutsche Berichtssaison besser ein als die amerikanische, die bislang, was die Ausblicke angeht, ein gemischtes Bild geliefert hat“, sagt LRP-Experte Neumann. Die Bundestagswahl am 18. September dürfte an den Märkten in den Hintergrund rücken. „Die Hoffnung auf neuen Schwung im Reformprozess bei einem Regierungswechsel ist bereits in den Kursen enthalten“, gibt BG Berlin-Experte Senftleben zu bedenken.

Reigen der Quartalsberichte

In der kommenden Woche steht auch in Deutschland die Berichtssaison im Mittelpunkt des Interesses. Den Reigen der Quartalsberichte eröffnet am Montag der im Nebenwerteindex MDax gelistete Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf. Am Dienstag folgen dann Vossloh und Schwarz Pharma. Aus dem Dax präsentiert der Chiphersteller Infineon seine Geschäftsdaten. Am Mittwoch legen die MDax-Schwergewichte EADS, Puma und Postbank Zahlen vor. Besonderes Augenmerk dürften die Anleger aber den Geschäftsergebnissen der vor einem Zusammenschluss mit der italienischen Großbank Unicredito stehenden HVB aus dem Dax schenken.

Mit Siemens, Deutscher Bank, Deutscher Post und DaimlerChrysler präsentieren am Donnerstag allein vier Dax-Werte ihre Zwischenberichte. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Siemens oder die Deutsche Bank positiv überraschen und den Gesamtmarkt unterstützen“, sagte Neumann. Zudem stehen am Donnerstag unter anderem noch die Geschäftszahlen von Hugo Boss und der im TecDax gelisteten Software AG auf der Agenda. Am Freitag informiert dann noch der von einer Korruptionsaffäre geschüttelte Volkswagen-Konzern über die Geschäftslage im zweiten Quartal. Auch TUI legt an diesem Tag Zahlen vor.

Den Rahmen für das Zahlenmaterial der deutschen Gesellschaften bilden die „Big Player“ auf dem europäischen Parkett. Vodafone macht am Montag den Anfang. Die Zahlen von BP und Telecom Italia folgen am Dienstag. Am Mittwoch dürfte sich das Interesse auf Santander und die Flugzeughersteller konzentrieren, da EADS und Boeing den Märkten ihr Zahlenmaterial zur Verfügung stellen. Viele der großen Stoxx-Werte wie unter anderem Repsol, AXA, Royal Dutch, Saint Gobain, Lafarge, AstaZeneca, BT Group und Glaxo folgen am Donnerstag. Die Woche klingt international ruhiger aus mit den Ergebnissen von Lloyds und Eni.

Aus Konjunktursicht dürfte vor allem der Ifo-Geschäftsklima-Index für Juli am Dienstag auf Interesse stoßen. In den USA wird am Dienstag das Verbrauchervertrauen für Juli bekannt gegeben. Am Freitag steht die Bekanntgabe des Bruttoinlandsproduktes der größten Volkswirtschaft der Welt für das zweite Quartal auf dem Programm.

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