Anleger warten nun gespannt auf die Gerichtsentscheidung über die milliardenschwere Steuernachforderung
Yukos hat Moskauer Börse im Griff

Die Ereignisse um den Ölkonzern Yukos halten die Moskauer Börse in Atem. Gestern legte der russische Leitindex RTX mehr als zehn Prozent zu. Präsident Wladimir Putin hatte gesagt: „Die offizielle russische Staatsmacht, die Regierung und die Wirtschaftsführung des Landes sind nicht an einem Konkurs eines solchen Unternehmens wie Yukos interessiert“. Die Aktie des Ölkonzerns sprang nach diesen Worten sogar um 34 Prozent.

MOSKAU. Analysten zufolge hängt auch das weitere Geschehen an der russischen Börse davon ab, ob und wie das Moskauer Gericht heute über die umgerechnet 2,84 Mrd. Euro große Steuernachforderung entscheidet, die gegen Yukos für das Jahr 2000 gestellt wird. Der zweitgrößte Erdölförderer des Landes wird möglicherweise dadurch in ein Insolvenzverfahren getrieben, da er nur über gut 1 Mrd. Dollar Barmittel verfügt. Die Investmentbanken Credit Suisse First Boston (CSFB) und Goldman Sachs rechnen mit einer Insolvenzwahrscheinlichkeit für Yukos von 40 Prozent. Vor allem da vor einigen Tagen auf Antrag des Steuerministeriums die Richterin Natalija Tscheburaschkina ausgetauscht wurde, weil sie „dem Ministerium gegenüber negativ eingestellt ist“.

In Moskau habe sich deshalb im Aktienhandel zeitweise „etwas Panik ausgebreitet“, sagte Nicolas Mokhoff von UBS Brunswick in Moskau. Der Niedergang von Yukos hat dazu geführt, dass die Gewichtung der Gesellschaft im RTS von 14,2 Prozent auf 8,9 Prozent zum 1. Juli reduziert wurde. Noch 2003 war der Ölriese – gemessen an seiner Marktkapitalisierung – das mit Abstand wertvollste russische Unternehmen. Der größte Ölkonzern, Lukoil, avancierte dagegen mit einer neuen Indexgewichtung von 29,9 (zuvor 15,9) Prozent zum neuen Überflieger. Der von Ausländern – nach Lukoil und Yukos – am meisten gehandelte Metallgigant Norilsk Nickel wurde auf 8,8 Prozent (8,1 Prozent) hochgewichtet (Tabelle).

Doch „die Hoffnung stirbt zuletzt“ – auf dieses alte russische Sprichwort scheinen westliche Anleger weiter zu setzen. Fast drei Viertel der Manager von Russland- Fonds bewerten derzeit den Moskauer Aktienmarkt als perspektivreich. Dies hat die Juni-Umfrage der Londoner Finanzkommunikationsagentur Ansdell ergeben. Gut die Hälfte der professionellen Anleger plant sogar eine Ausweitung ihres Russland-Engagements. Im Durchschnitt erwarten die Profis einen Anstieg des RTS-Index von 34 Prozent bis Ende nächsten Jahres.

Das Jahr 2004 sieht bisher allerdings verheerend aus: Der Leitindex war bis 12. April von 586 Punkten auf ein Allzeithoch bei 782 Punkten gestiegen. Danach stürzte er bis auf 533 Zähler ab und lag gestern wieder bei 587 Zählern. Denn ungeachtet der Index-Herabstufung bleibt der Moskauer Markt mit Blick auf Yukos hochgradig nervös: Konservative Portfolio-Investoren „haben das Handtuch geworfen“, meint Ronald Smith vom Moskauer Brokerhaus Renaissance Capital. „Der Strom schlechter Nachrichten war einfach zu viel.“ Deshalb hoffen die Anleger auch auf ein schnelles Ende der Konfusionen um Yukos.

Seite 1:

Yukos hat Moskauer Börse im Griff

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%