Anleihen unter der Lupe
Experten sehen Schefenacker kritisch

Die Anleihe des schwäbischen Automobilzulieferers Schefenacker ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Investoren mit als riskant eingestuften Anleihen die Finger verbrennen können.

Seit der Emission im Februar vorigen Jahres ist der Kurs der Schefenacker-Anleihe um mehr als 30 Prozent abgestürzt. Diesen Verlust gleich auch der hohe Zinsschein von 9,5 Prozent nicht aus. Aktuell lockt der erst in neun Jahren fällige Bond zwar mit gut 17 Prozent Rendite. Doch Experten warnen Anleger davor, sich davon zum Einstieg verlocken zu lassen.

„Schefenacker hat sehr große Probleme“, sagt Alexis Renault, Fondsmanager für hochverzinsliche Unternehmensanleihen bei West AM. „Das Unternehmen hat kein reales Umsatzwachstum, denn es muss – wie viele Autozulieferer – auf Druck seiner Kunden die Preise für seine Produkte jedes Jahr um zwei Prozent reduzieren.“ Dadurch sinke bei Schefenacker der Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) pro Jahr um 18 bis 19 Mill. Euro, rechnet Renault vor. Dies durch Kostensenkungen aufzufangen, sei schwierig, sagt der Fondsmanager. Denn die geplante Verlagerung eines Teils der Produktion nach Osteuropa koste zunächst einmal Geld.

Schefenacker beschäftigt 6900 Mitarbeiter, davon 1600 in Deutschland. Den Stammbeschäftigten in Deutschland gab das Unternehmen kürzlich für die nächsten fünf Jahre eine Beschäftigungsgarantie. Dafür werden Zusatzleistungen gekürzt und frei werdende Stellen nicht neu besetzt. Das Esslinger Familienunternehmen, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, stellt vor allem Spiegel sowie Licht- und Soundanlagen für Autos her. Bei Rückspiegeln ist Schefenacker seit der Übernahme des britischen Zulieferers Britax RVS vor fünf Jahren weltweit Marktführer.

Allerdings hat sich das Unternehmen mit diesem Zukauf nach Analysteneinschätzung in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Seit 2001 hat Schefenacker Verluste von rund 410 Mill. Euro angehäuft. Die Nettofinanzverbindlichkeiten des Familienbetriebs sind nach Berechnungen von JP Morgan 3,8 mal höher als der Vorsteuergewinn (Ebitda). Die Anleihe-Analysten der Investmentbank schätzen, dass sich diese Kennzahl in den nächsten beiden Jahren auf 5,3 bzw. 5,7 verschlechtern wird.

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