Anleihestrategen halten europäischen Rentenmarkt für überbewertet und raten zu kurzen Laufzeiten
Bond-Anlegern drohen Kursverluste

Anleger befürchten, dass die Kurse europäischer Staatsanleihen in den nächsten Monaten deutlich nachgeben werden. Hintergrund ist die Zinsschere zwischen lang laufenden europäischen und US-Staatsanleihen.

FRANKFURT/M. Während die US-Zinssätze – ausgelöst durch die Andeutungen über wachsende Inflationssorgen der US-Notenbank Fed – Mitte März zeitweise noch einmal kräftig gestiegen sind, haben sich die europäischen Staatsanleihen bislang wenig bewegt. Am Dienstagabend dämpfte das Protokoll der Fed über die letzte Sitzung des Offenmarktausschusses die Sorge vor wachsendem Inflationsdruck. An den Rentenmärkten sorgte das für Entspannung und damit leicht steigende Kurse.

„Eine Anhebung der US-Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte gilt nun vorerst als ausgeschlossen“, erklärt Jürgen Jann aus dem Dit-Rentenfondsmanagement, das vom US-Bondspezialisten Pimco verantwortet wird. Gestern lag die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe bei 4,4 Prozent und damit fast einen Prozentpunkt über der Rendite europäischer Staatstitel. Dies hat die Debatte über eine Kursblase am europäischen Anleihemarkt wieder angeheizt. Anleihestrategen warnen jedoch vor Panikmache. Überwiegend sehen sie den europäischen Rentenmarkt auf dem Weg zurück zu einem fairen Niveau. Auch die Kurse am US-Markt sollen fallen, wenn auch in einem geringeren Ausmaß.

Den Renditeunterschied diesseits und jenseits des Atlantiks erklären Strategen wie Kornelius Purps von der Hypo-Vereinsbank (HVB) mit den unterschiedlichen Fundamentaldaten. „Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Leitzinsen zunächst nicht erhöhen, die Inflation in der Euro-Zone ist gering und das Wachstum schwach“, sagt Purps. Dies begünstige niedrige Renditen.

Auch Stefan Bielmeier von Deutscher Bank Research meint: „Das wirtschaftliche Umfeld ist kaum zu vergleichen.“ Obwohl die jüngsten Stimmungsindikatoren schwächer ausgefallen sind, erwartet die Deutsche Bank, dass die US-Wirtschaft 2005 um 4,1 Prozent wächst. In Euro-Land gehen die Ökonomen dagegen nur von 1,6 Prozent Wachstum aus. Dazu und zu einer erwarteten Inflationsrate von 1,8 Prozent passe ein „normaler“ Zinssatz für die zehnjährige Bundesanleihe von rund 4,5 Prozent, meint Bielmeier.

Mit dieser Prognose gehört die Deutsche Bank zu den pessimistischeren Häusern für den Rentenmarkt. Im Schnitt erwarten zwölf Banken, die die Nachrichtenagentur Bloomberg Ende März befragte, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Ende des Jahres bei 4,15 Prozent liegen wird. Für die zehnjährige US-Rendite wird ein Anstieg auf fünf Prozent vorausgesagt. Damit bliebe der Renditeabstand bei zehnjährigen Bundes- und US-Staatsanleihen weiter ungewöhnlich hoch. Vor knapp vier Wochen öffnete sich die Zinsschere erstmals seit fast fünf Jahren um mehr als 0,80 Prozentpunkte.

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