Auch für die Zukunft räumen Analysten dem Giganten nur begrenztes Potenzial ein
Intel enttäuscht seine Anleger

Wer in den Chiphersteller Intel investierte, hat trotz des kleinen Kursaufschwungs nach den jüngsten Quartalszahlen keinen Grund zum Jubeln. Der Aktienkurs des Marktführers verlor in den vergangenen zwölf Monaten rund ein Drittel seines Wertes. Große Veränderungen erwarten Analysten nicht.

SAN FRANCISCO. Der Aktienkurs des Marktführers verlor in den vergangenen zwölf Monaten rund ein Drittel seines Wertes. Und allzu große Hoffnungen auf eine spürbare Belebung des Aktienkurses sollten sich Investoren nach Meinung von Analysten auch in Zukunft nicht machen.

Grund für den stetigen Kursverfall sind Überkapazitäten bei Prozessoren, Preissenkungen bei Memory- Chips und Verzögerungen sowie Strategieänderungen bei der Einführung neuer Prozessoren. Intel hat inzwischen versucht, die Überkapazitäten durch eine Verlangsamung der Produktion abzubauen. Noch im Juni war eine hochmoderne Chipfabrik in Irland eröffnet worden, die doppelt so viele Chips wie ältere Produktionsstätten herstellen kann. Kein Wunder, dass bei solch raschen Strategiewechseln Investoren wenig Kauflust zeigten.

Die Probleme sind nicht alle hausgemacht: Die Nachfrageschwäche und der Preisverfall belastet die gesamte Branche. Auch das Erstarken der Konkurrenz trug zu Intels sinkendem Börsenkurs bei: Der Chiphersteller AMD steigerte den Verkauf von Mikroprozessoren im dritten Quartal um 21 Prozent. Ein guter Teil davon geht zu Lasten von Intel.

Grund zum Aufatmen gaben auch die jüngsten Quartalszahlen von Intel nicht. Der Gewinn stieg im dritten Quartal um 15 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Zwar stieg der Aktienkurs nach Bekanntgabe der Zahlen, aber Analysten sahen das eher als Zeichen, dass sich die schlimmsten Befürchtungen der Anleger nicht bewahrheitet haben. Das ist auch Intels Finanzvorstand, Andy Bryant klar, der das Quartalsergebnis mit den Worten kommentierte: „Es ist ein Gemisch aus schlechten und guten Nachrichten.“

Und so sind auch die Aussichten für das laufende Quartal nicht übermäßig rosig: Intel erwartet einen Umsatz von 8,6 bis 9,2 Milliarden Dollar. „Das ist ein deutlich geringeres Plus, als in den vergangenen neun Jahren und eine enttäuschende Prognose“, sagt Mark Lipacis, Analyst bei der Prudential Equity Group, der die Aktie mit „neutral“ einstuft und das Kursziel für die nächsten zwölf Monate um einen Dollar auf 19 Dollar senkte. Eine Gewinnprognose für das laufende Quartal wollte Intel nicht geben, was die ohnehin skeptischen Anleger nicht gerade beruhigte.

Für die nächsten Monate hängt vieles davon ab, wie das Weihnachtsgeschäft der Computerhersteller läuft. Michael Masdea von Credit Suisse First Boston ist immerhin verhalten optimistisch. Er glaubt, dass die Aktie für Anleger mit kurzem Anlagehorizont attraktiv ist und räumt ein, dass die Erwartungen und der Aktienkurs bereits sehr niedrig sind. Aber: „2005 wird ein hartes Jahr für Intel werden.“

Nach Meinung vieler Marktbeobachter wird die Nachfrage nach PCs kaum anziehen. Zudem werden sich die Überkapazitäten, unter denen auch Intel leidet, nicht ohne weiteren Druck auf die Gewinnspanne verringern lassen. Das sieht Joseph Ohsa, Analyst beim Investmenthaus Merrill Lynch ähnlich: „Ich glaube nicht, dass sich die Margen vor dem zweiten Quartal 2005 verbessern.“ Und erst 2006, wenn Microsofts neues Betriebssystem auf den Markt kommt, rechnen Marktforscher wieder mit stärkerer Nachfrage nach Computern und somit auch nach Prozessoren.

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