Auffällige Handelsdaten
Finanzaufsicht untersucht Kursrutsch bei K+S

Innerhalb weniger Tage brach der Aktienkurs von K+S um 40 Prozent ein. Auslöser waren Aussagen eines Konkurrenten aus Russland. Jetzt prüft die Bafin, was hinter dem auffällig großen Kursrutsch steckt.
  • 11

DüsseldorfDie Finanzaufsicht Bafin hat am vergangenen Montag eine Analyse des dramatischen Kursverfalls der K+S-Aktie eingeleitet. Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde der Wirtschaftswoche. Hintergrund sei der auffällig große Kursrutsch der im deutschen Leitindex Dax notierten Aktie, hieß es aus der Behörde.

Das Referat Marktanalyse prüfe die Handelsdaten der Aktie auf Marktmanipulation und Insiderhandel. Findet die Behörde Auffälligkeiten, werden die Referate Insiderüberwachung und Marktmanipulation in die Untersuchung eingebunden. Wann die umfangreiche Analyse abgeschlossen sei, könne die Bafin noch nicht absehen, sagte die Sprecherin.

Der Börsenwert des Unternehmens war binnen weniger Tage um mehr als 40 Prozent oder gut zwei Milliarden Euro gefallen. Der Verbleib von K+S in der ersten Börsenliga ist angesichts des Kursverfalls gefährdet. K+S gehört zu den weltweit größten Kali-Produzenten. Den Kursrutsch hatte vor knapp zwei Wochen das russische Bergbauunternehmen Uralkali ausgelöst, als es eine Vertriebsallianz mit Belaruskali aufkündigte.

Nach der Auflösung des langjährigen Vertriebsbündnis BPC der Branchengrößen Uralkali und Belaruskali droht ein massiver Preisverfall bei dem in der Landwirtschaft genutzten Düngemittel. K+S mit seinen kostenintensiven Bergwerken in Deutschland und seinem Milliarden verschlingenden Minen-Projekt in Kanada träfe das besonders hart. Es drohen drastisch schrumpfende Gewinne in der Kali-Sparte, in der K+S immerhin rund 58 Prozent seines Jahresumsatzes erzielt.

Die künftige Strategie im Kali-Geschäft wird daher das beherrschende Thema sein, wenn der Dax-Konzern am Dienstag seinen Bericht zum zweiten Quartal vorlegt. "Falls die Kalipreise tatsächlich deutlich sinken, würde das die Ertragslage und damit auch die Finanzrelationen belasten", schätzt Kreditanalyst Matthias Schell von der LBBW. Wegen des drohenden Kali-Preisrutsches hatte K+S-Chef Norbert Steiner bereits das Konzerngewinnziel für dieses Jahr gekippt und auch die für 2014 geplante leichte Ergebniserhöhung mit großen Fragezeichen versehen. Eine neue Prognose gab er nicht.


BPC und das kanadische Konkurrenz-Bündnis Canpotex kontrollierten bislang rund 70 Prozent des weltweiten Kali-Handels. Mit ihren Großverträgen in wichtigen Abnehmerländern sorgte das Duopol für komfortable Preise auf dem Weltmarkt. Auch Produzenten außerhalb des Preiskartells wie K+S profitierten davon. Uralkali will nun aber seinen eigenen Weg gehen und rechnet für das zweite Halbjahr mit einem Rückgang des Kali-Preises von aktuell etwa 400 Dollar auf unter 300 Dollar. Fallende Preise will Uralkali über höhere Verkaufsmengen in China, Brasilien und Indien abfedern.

"K+S hat viel zu verlieren", schreiben die Analysten von Redburn. Uralkalis Ankündigung habe die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der deutschen K+S-Minen zum Vorschein kommen lassen. Für die Kasseler ist ihr großes Minenprojekt "Legacy" in Kanada deshalb von entscheidender Bedeutung. "Wir werden dieses wichtige Vorhaben aufgrund bloßer Spekulationen nicht in Frage stellen", hatte K+S-Chef Steiner erst vor wenigen Tagen erklärt. Mit dem rund drei Milliarden Euro teuren Bergwerk in Zentralkanada will K+S seine Zukunft auf dem Kalimarkt langfristig sichern. Die Mine soll im Sommer 2016 den Betrieb aufnehmen und bis Ende 2017 eine Produktionskapazität von mindestens zwei Millionen Tonnen erreichen. Aktuell kann K+S jährlich 7,5 Millionen Tonnen Kali fördern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Auffällige Handelsdaten: Finanzaufsicht untersucht Kursrutsch bei K+S"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zockt Hoeneß wieder?

  • Auch Leerverkäufer wollen bedient werden.
    Jede Wette, daß der Kurs nächste Woche bei 21 € liegt? Dank den Weißrussen und - früher - unserer ach so tollen Fr. Wiezorek-Zeul.

  • Also ich sag es jetzt, da ihr es wohl sonst nie erratten werdet. Die Krise hat Geld gekostet und die Banken die verzockt haben, haben sich Geld geliehen, dieses Geld muss wieder an die Gläubiger, also die die Geld drucken weil sie es schon immer gemacht haben zurückzahlen müssen. Die Banken sind jetzt eigentlich alle Bad-Banks und verkaufen Aktien also Papier, dass eigentlich nichts wert ist. Es ist dass sogenannte FIAT-Geld. Die Bad-Banks verkaufen jetzt ihre toxischen Papiere an dumme Aktienkäufer, die wiederum wissen wie bei K+S nicht warum der Kurs fällt. Weil er manipuliert wird, dass weiß die Politik, die BAFIN, die SEC, die NSA und alle die davon profitieren, nur ihr die Aktienkäufer nicht.

    Ihr werdet enteignet, wie bei Solarworld oder ich kauft ganz oben und veliert von heute auf morgen ein Vermögen. Dass rechnet sich für die Banken, wenn man es weltweit betrachtet. Es gibt noch toxische Papiere im Wert von 700 Billionen Euro bei einem jährlichen Weltbruttosozialprodukt von ca. 70 Billionen Euro.

    Noch Fragen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%