Aufstieg in den MDax wahrscheinlich
Fondsspezialist HCI will an die Börse

Der an die Börse strebende Hamburger Fondsanbieter HCI will von der geplanten Reduzierung der Steuervorteile für geschlossene Fonds profitieren. „Wir spüren schon jetzt, dass die klassischen Anleger von Film- und Windkraftfonds zu uns kommen“, sagte HCI-Chef Harald Christ dem Handelsblatt.

ben FRANKFURT/M. Hintergrund sind die geplanten steuerrechtlichen Veränderungen für Fonds, die stark von Verlustzuweisungen leben. HCI setzt dagegen auf Fonds, die sich auch ohne Steuervorteile rechnen. Der Anbieter wirbt bei vermögenden Kunden Geld für die Finanzierung von Immobilien und Schiffen ein, um die Investoren dann an den Gewinnen zu beteiligen. Die Modelle versprechen Renditen zwischen sechs und acht Prozent.

Unabhängig davon, ob nach der bevorstehenden Bundestagswahl eine große Koalition oder eine Regierung aus Union und FDP die Politik bestimmt, will Christ den Börsengang im Oktober durchziehen. „Bei Rot-Rot-Grün würden wir zumindest darüber nachdenken“, räumt das SPD-Mitglied ein. Begleitet wird die Emissionen, die nach Aussagen aus Finanzkreisen ein Volumen von 400 Mill. Euro haben dürfte, von der Dresdner Bank, CSFB, Sal. Oppenheim und der Hypo-Vereinsbank. Damit hat HCI gute Chancen, wie der bereits börsennotierte Konkurrent MPC in den Nebenwerteindex MDax aufzusteigen. Da der Immobilienfinanzierer Eurohypo entgegen früherer Planungen vorerst wohl nicht an die Böse geht, wird dies die größte Transaktion dieser Art 2005 sein.

Bei der Platzierung dürften dem Unternehmen nach Angaben aus Finanzkreisen rund 100 Mill. Euro aus einer Kapitalerhöhung zufließen. Die Einnahmen, zu deren Höhe Christ sich nicht äußern wollte, sollen in den Ausbau des Geschäftes mit Immobilienfonds gesteckt werden. Damit will sich HCI von den Schiffsfonds unabhängiger machen. Zwar boome die Nachfrage vor allem nach Containerschiffen angesichts des stark wachsenden globalen Handels weiter, versicherte Christ. „Aber die Zeiten sind vorerst vorbei, in denen die Preise für das Chartern von Schiffen zweistellig wuchsen“, sagte er. Der insgesamt sehr zyklische Markt, in dem HCI schon seit 20 Jahren tätig sei, stehe vor einer Verschnaufpause. Im Immobiliengeschäft und in der Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen wie Tunneln, Brücken oder Hafenterminals sieht er dagegen für sein Unternehmen bessere Wachstumschancen. Seine zukünftigen Aktionäre lockt Christ vor allem mit hohen Dividenden. „Wir sollten in der Lage sein, einen Großteil der Gewinne auszuschütten“, sagte Christ. Eine Dividendenrendite ähnlich wie bei MPC sei möglich. Beim Konkurrenten liegt diese auf Basis der letzten Ausschüttung bei rund sieben Prozent.

Da die Altaktionäre, zu den auch Christ selbst gehört, beim Börsengang auch Anteile abgeben wollen, ist eine Verpflichtung zum Halten dieser Papiere geplant. Diese werde länger sein als die üblichen sechs Monate, sagte er, ohne nähere Details zu nennen.

HCI hat 2004 sein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 123 Prozent auf 30,6 Mill. Euro gesteigert. Die Umsatzrendite belief sich im ersten Quartal 2005 auf 34 Prozent nach 23 Prozent im gesamten Jahr 2004.

HCI wird in diesem Jahr wohl nicht der einzige Fondsanbieter sein, der an die Börse strebt. So planen die HCI-Konkurrenten Rothmann und Lloyd Fonds ebenfalls den Schritt auf Parkett. „Das führt hoffentlich zu einer Verbesserung des Images der Branche“, sagte Christ. Den Berichtspflichten der Börsen unterliegenden Firmen könne man schließlich nicht mehr vorhalten, zum „grauen Kapitalmarkt“ zu gehören.

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