Auftragsstudien sollen Interesse der Anleger wecken
Analysten untersuchen die Kleinen nur gegen Bezahlung

Anleger, die sich für Aktien von kleinen Gesellschaften interessieren, können dabei immer seltener auf Analystenstudien zurückgreifen. Der Grund: Kleine börsennotierte Gesellschaften werden in der Regel nur dann von Analysten beobachtet, wenn sie dafür bezahlen. Von den derzeit 430 Werten, die im Börsensegment General Standard gelistetet sind – für sie gelten lediglich gesetzliche Mindestanforderungen –, werden lediglich 13 Prozent von Analysten beobachtet, hat Pierre Drach vom unabhängigen Analysehaus Independent Research herausgefunden.

FRANKFURT/M. Die Großbanken haben über Jahre hinweg im Bereich Aktienanalyse Stellen abgebaut. Davon betroffen waren speziell kleine Werte, für die keine Analysen mehr erstellt wurden. In der Folge eröffneten zwar etliche neue Analysehäuser, die auf Small-Cap-Unternehmen spezialisiert sind. Diese müssen sich jedoch – anders als die Analyseabteilungen vieler Großbanken – selbst finanzieren. Ihre Dienste bieten sie nach Auskunft des Analystenverbandes DVFA zu Preisen zwischen 30 000 und 50 000 Euro im Jahr an.

Viele Unternehmen greifen auf dieses Angebot zurück, schließlich sind diese so genannten „gekauften Studien“ für sie häufig die einzige Möglichkeit, um am Kapitalmarkt auf sich aufmerksam zu machen. „Wir haben uns im Vorfeld der Börsennotierung einige Angebote angesehen und uns anschließend für das entschieden, bei dem wir uns am besten verstanden fühlten“, sagt Patrick Arndt, Finanzvorstand von Reinecke & Pohl Sun Energy (RPSE). Das Unternehmen hat im März den Börsenmantel der BK Grundbesitz & Beteiligungs AG übernommen und notiert seither im General Standard. Ende Mai veröffentlichten die Analysten der Hamburger SESResearch ihre Ersteinschätzung über RPSE mit Kursziel von 15,80 Euro. Die Aktie, die damals knapp über zehn Euro wert war, notiert heute bei rund 14 Euro.

Auf den Effekt, mit einer Auftragsstudie für Interesse unter Anlegern zu sorgen, haben schon vorher etliche Unternehmen mit Erfolg gesetzt. Dass die Analysten dabei zumeist positive Urteile abgeben, liegt jedoch nicht an deren mangelnder Objektivität, schließlich unterwerfen sie sich in der Regel den Zertifizierungsvorschriften der DVFA. Vielmehr können die Unternehmen selbst am besten abschätzen, ob es für die Zukunft Positives zu berichten gibt oder nicht. „Wer keine gute Perspektiven für sein Geschäft sieht, der legt auch keinen Wert auf eine Unternehmensstudie“, heißt es bei einem Analysehaus.

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