Ausschüttungen sind 2004 um 46 Prozent gestiegen
Anleger profitieren von steigendem Dividendensegen

Deutsche Aktiengesellschaften haben 2004 deutlich mehr Dividenden ausgezahlt als im Jahr zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW).

FRANKFURT/M. Experten rechnen damit, dass der Druck auf deutsche Aktiengesellschaften, Dividenden zu zahlen, künftig wächst.

„In Großbritannien und den Niederlanden fordern Pensionsfonds schon seit vielen Jahren angemessene Ausschüttungen von den Unternehmen“, sagte Berndt Steffen Maisch, Fondsberater bei der BW Bank. Nachdem viele Verflechtungen der „Deutschland AG“ gelöst wurden und weniger Großaktionäre die Unternehmen dominieren, falle es Investoren leichter, Einfluss auf die Ausschüttungspolitik zu nehmen, sagte der Hauptgeschäftsführer der DSW, Ulrich Hocker. Als Beispiel nannte er die Deutsche Börse, die unter dem Druck ausländischer Investoren 74,1 Mill. Euro Dividende ausgeschüttet hat und in diesem Jahr eigene Aktien im Wert von mehr als einer halben Mrd. Euro zurückkauft. Ähnliche Fälle könnten auch bei anderen Unternehmen mit hohem Cashbestand und niedriger Präsenz bei Hauptversammlungen auftreten, beispielsweise bei Adidas, BASF, der Deutsche Bank und Eon.

„Je mehr Aktionärsdemokratie einzieht, desto besser“, sagte Klaus Nieding, Landesgeschäftsführer der DSW in Frankfurt. „Aber die Investoren müssen die Unternehmen auch in die Zukunft führen.“

Je Ein-Euro-Aktie erhielten Anleger in Deutschland im Durchschnitt 0,28 Cent – 46 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei schütteten die großen im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Unternehmen im Schnitt deutlich mehr aus, als kleinere Werte aus den Indizes MDax und SDax. Die Anteilseigner der Dax-Unternehmen erhielten im Durchschnitt je Ein-Euro-Aktie 38 Cent Dividende – elf Cent mehr als im Vorjahr (siehe Grafik). Die Steigerung sei zwar positiv, sagte DSW-Dividendenexperte Herbert Hansen, „wir haben aber bei weitem nicht das Niveau früherer Jahre erreicht“. In den 90er-Jahren hätten die Dividenden im Schnitt über 30 Cent gelegen.

Auch europaweit stiegen die Gewinnbeteiligungen für Aktionäre im vergangenen Jahr stark an. „Mehr als 80 Prozent der Unternehmen im Euro Stoxx 50 haben die Dividende im letzten Jahr erhöht“, sagte Maisch. Nach seiner Analyse liegt die durchschnittliche Dividendenrendite des Dax deutlich unter der von Euro Stoxx 50, MIB (Italien) und AEX (Niederlande).

Hocker kritisierte, dass die Ausschüttungsquote der Dax-Unternehmen mit 36 Prozent noch immer zu niedrig sei. Die DSW fordert seit Jahren, dass etablierte Aktiengesellschaften mindestens 50 Prozent ihres Gewinns ausschütten sollen.

Viele Aktiengesellschaften sind davon aber weit entfernt. Mehr als 60 Prozent der 952 untersuchten Unternehmen zahlten ihren Aktionären im vergangenen Jahr überhaupt keine Dividende. Im MDax gingen die Aktionäre von neun Unternehmen leer aus, im SDax waren es 19 und im TecDax 17. Von den Dax-Gesellschaften zahlten 2004 nur Infineon und die Hypo-Vereinsbank keine Dividende.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%