„Ausschüttungsquoten unterdurchschnittlich“: Schroder-Dividendenfonds meidet deutsche Aktien

„Ausschüttungsquoten unterdurchschnittlich“
Schroder-Dividendenfonds meidet deutsche Aktien

Blickt man auf die aktuelle Zusammensetzung des von Sonja Schemmann verwalteten Dividendenfonds, könnte man meinen, dem Dax stehe eine kräftige Korrektur bevor. Mit nur 1,6 Prozent hat sie per Jahresanfang deutsche Aktien in ihrem Schroder European Equity Yield untergewichtet. Doch auch ohne Schwergewichte wie RWE erzielte sie 2006 ein besseres Ergebnis als der Vergleichsindex.

DÜSSELDORF. Die Quote ist so niedrig wie bei kaum einem anderen europäischen Aktienfonds. Üblicherweise entfällt auf deutsche Aktien je nach Vergleichsindex ein Gewicht in der Größenordnung zwischen zehn und 20 Prozent.

Für Schemmann ist dies – trotz der für das Frühjahr erwarteten Rekorddividenden, die deutsche Konzerne zahlen, das Ergebnis ihres Selektionsprozesses: „Die Ausschüttungsquoten großer deutscher Unternehmen sind international nur unterdurchschnittlich. Und die wenigen im Hinblick auf die Dividendenrendite optisch attraktiven Unternehmen leiden oft unter fundamentalen Problemen“, begründet Schemmann die drastische Untergewichtung.

Auch ohne die zuletzt sehr gut gelaufenen deutschen Aktien im Portfolio gelang es Schemmann im abgelaufenen Jahr, den Kurswert des von ihr Anfang 2006 übernommenen Fonds um 21 Prozent zu steigern. Damit schlug sie den Vergleichsindex MSCI Europe nach Gebühren um 1,4 Prozentpunkte. Seit Jahresbeginn liegt der Fonds weitere 4,6 Prozent im Plus. „Das ist ein achtbares Resultat und auch ein Ergebnis des von Sonja Schemmann sehr strikt verfolgten Anlagestils der Dividendenstrategie“, urteilt Hermann-Josef Hall, Vorstand der Sauren Fonds Research.

Eben jene Disziplinierung schätzt Schemmann auch an der Dividendenstrategie, also der Auswahl der Aktien auch anhand ihrer Dividendenrendite. „Die Dividende diszipliniert Unternehmen zu einer soliden Unternehmensführung“, sagt Schemmann.

Bei der Aktienauswahl meidet sie die Extreme einer Dividendenausschüttung: Weder sollten Unternehmen fast ihren gesamten ausschüttungsfähigen Gewinn an die Aktionäre auskehren, noch mit Dividenden knausern. Die derzeitige Ausschüttungsquote europäischer Unternehmen von 42 Prozent hält sie für „ideal, denn die Konzerne benötigen Luft zum Wirtschaften und Wachsen.“

Natalia Wolfstetter, Fondsanalystin von Morningstar, führt die überdurchschnittliche Kursentwicklung des Fonds im Jahr 2006 vor allem auf die extreme Untergewichtung von IT- und Gesundheitswerten zurück. „Das ist derzeit typisch für Value-Fonds, die auf den Substanzwert von Unternehmen achten“, sagt Wolfstetter. Nach Berechnungen von Morningstar schnitt der Schroder European Equity Yield 2006 besser ab als der Durchschnitt aller Value-Fonds. „Der Fonds entwickelte sich aber auch leicht schlechter als der MSCI-Europe-Value-Index, der die Kursentwicklung substanzstarker Aktien abbildet“, so Wolfstetter.

Eine noch bessere Kursentwicklung lieferte im Jahr 2006 ein Indexfonds auf den Dow Jones Stoxx Select Dividend 30 ab. Der passiv verwaltete Indexfonds für die 30 dividendenstärksten paneuropäischen Aktien legte 2006 um 25,6 Prozent zu. Damit ließ der Dividendenindex den MSCI Europe und den Schroder-Dividendenfonds hinter sich. Schemmann führt dies auf Einmaleffekte zurück: „Diese Indizes profitierten 2006 von der sehr starken Kursentwicklung der Versorgerwerte.“

Letztere hat sie derzeit ebenfalls leicht, Aktien aus der Luxusgüterindustrie sogar stark übergewichtet. Auf Länderebene fällt eine Übergewichtung finnischer, belgischer, italienischer und österreichischer Werte zu Lasten Deutschlands und Frankreichs auf. Zu den größten Einzeltiteln gehören derzeit Imperial Tobacco und National Grid aus Großbritannien, Auto-Estrada de Portugal, die schweizerische Nestlé sowie die Bank of Ireland.

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