Außerbörslicher Deal mit Suzuki
Porsche Holding kauft trotz Skandal weitere VW-Aktien

Die Porsche Holding stockt ihren Anteil an VW-Stammaktien auf. Die Dachgesellschaft kaufte Beteiligungen über 1,5 Prozent aus Japan ein. Im Skandal um geschönte Abgaswerte hatte die VW-Aktie zuletzt schwer gelitten.

BerlinTrotz der Affäre um manipulierte Abgaswerte baut die Porsche Automobil Holding ihre Beteiligung an Volkswagen aus. Die Dachgesellschaft teilte am Samstag mit, Suzuki außerbörslich 1,5 Prozent der VW-Stammaktien abgekauft zu haben. Zum Preis wurden keine Angaben gemacht. Der japanische Verkäufer betonte allerdings, einen Sondergewinn von umgerechnet rund 271 Millionen Euro zu verbuchen.

Der Abgas-Skandal erschüttert VW seit einer Woche. Auf den Dax-Konzern kommen nun Milliarden-Lasten zu, auch der Image-Schaden ist beträchtlich. Die VW-Aktie ist eingebrochen. Der langjährige Firmenchef Martin Winterkorn musste seinen Posten räumen. Er wurde am Freitag durch den bisherigen Porsche-Boss Matthias Müller ersetzt. Dieser will unter anderem den einzelnen Marken der Gruppe mehr Verantwortung übertragen. Bisher wurde vieles zentral von Wolfsburg entschieden. Zum jüngsten Skandal sagte Müller: "Entscheidend ist, dass so etwas bei Volkswagen nie mehr passiert." Deswegen werde er strengere Regeln zur Unternehmensführung einführen.

Nach dem Suzuki-Deal hält die Porsche Holding 52,2 Prozent der VW-Stammaktien und ist insgesamt mit 32,4 Prozent am gezeichneten Kapital beteiligt. Die Transaktion sei ein klares Bekenntnis zu dem Investment, hieß es von der Stuttgarter Gesellschaft.

In dem Skandal, der in den USA aufflog, geht es um manipulierte Abgas-Tests, um Diesel-Fahrzeugen ein besseres Image zu verleihen. An der Börse waren zuletzt Sorgen aufgekommen, dass auch andere Hersteller getrickst haben könnten, was die Unternehmen aber zurückwiesen. "Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen", sagte Daimler -Chef Dieter Zetsche der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut Vorabbericht. Auf die Frage, ob alle Hersteller Betrüger seien, sagte er: "Klare Antwort: Nein!"

Im VW-Fall forderte der Vize-Präsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, eine lückenlose Aufklärung: "Wir müssen Betrug unterbinden, und deshalb müssen wir der Sache auf den Grund gehen", mahnte er in der "Süddeutschen Zeitung". Wenn nötig, könnten die Vorschriften weiter verschärft werden. "Allerdings haben wir bereits ein Gesetz, das uns erlaubt, Abgas-Tests unter realistischen Bedingungen durchzuführen."

Ähnlich äußerte sich EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska: "Unsere Botschaft ist klar: strenge Befolgung der EU-Regeln und null Toleranz bei Betrug." Die EU hat Emissionstests entwickelt, die Autos im Straßenverkehr überprüfen. Sie sollen ab Januar eingeführt werden. Eine Sprecherin der EU-Kommission betonte allerdings, die Brüsseler Behörde gebe nur den regulatorischen Rahmen vor, für die Umsetzung seien die Mitgliedsländer zuständig.

Die US-Umweltbehörde EPA wies unterdessen in einem Schreiben an die Hersteller darauf hin, dass sie zusätzliche Prüfungen verlangen könne. In diesen würde dann untersucht, ob die Abgasnormen unter normalen Fahrbedingungen auf der Straße erfüllt werden - und nicht nur in Testlaboren. Laut EPA hat VW mit einer Software Emissionskontrollsysteme manipuliert. Das Programm erkennt, ob das Auto auf einem Teststand läuft, und reguliert dann den Motor so, dass Grenzwerte eingehalten werden. Im Normalbetrieb liegen die Werte jedoch bis zu 40 Mal höher als vorgegeben.

SPD-Fraktionsvize Sören Bartol forderte Müller auf, rasch zu handeln. "VW muss die manipulierten Fahrzeuge in Deutschland sofort und freiwillig in die Werkstätten rufen und die Manipulation beheben", sagte er der "Bild"-Zeitung. Nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sind hierzulande mindestens 2,8 Millionen Autos mit manipulierten Abgassystemen unterwegs. Die Inhaber dieser Wagen haben nach Ansicht der Grünen-Politikerin Renate Künast auch in Deutschland ein Recht auf Schadenersatz. "Tatsache ist, dass Kunden ein Auto gekauft haben, das die zugesicherten Eigenschaften nicht hat", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%