Autoaktien
Neue Konkurrenz bedroht das Erfolgsmodell

Autoaktien haben zuletzt kräftig zugelegt. Noch sind die Kurse nicht ausgereizt, sagen Experten. Der Grund, warum auch künftig die Gewinne fließen sollen, hat einen Namen: China. Doch langfristig droht den Autobauern im Reich der Mitte Ungemach.
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FRANKFURT. Es sind die Tage der Autobauer. Daimler hat jetzt eine überzeugende Quartalsbilanz vorgelegt und die Prognose erhöht, VW und Ford hatten schon zuvor mit guten Zahlen geglänzt. Ganz ähnlich dürfte es bei BMW aussehen, deren Quartalsbericht Anfang November ansteht. Die bedrohliche Krise, in der sich mancher Autobauer vor gut einem Jahr wähnte, scheint abgehakt; die Kunden kaufen wieder - vor allem in Asien.

"Wir haben in den ersten drei Quartalen unsere sehr erfolgreiche Geschäftsentwicklung fortgesetzt und liegen damit auf einem guten Kurs, um die Ziele unserer Strategie 2018 zu erreichen", sagt Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Unterm Strich blieb den Wolfsburgern ein Gewinn von 4,8 Milliarden Euro.

An der Börse wird gefeiert, die Kursentwicklung der vergangenen drei Monate lässt sich mehr als sehen: VW plus 30 Prozent, BMW plus 20, Renault plus 19 Prozent. Zum Vergleich: Der Index der wichtigsten europäischen Unternehmen, der Euro Stoxx 50 hat im gleichen Zeitraum gerade mal vier Prozent zugelegt. Behalten die Analysten Recht, dann geht es noch weiter nach oben mit den Kursen der Autoaktien - vorerst zumindest. Mehr als 60 Prozent aller Empfehlungen der vergangenen vier Wochen sind Kaufempfehlungen. Der Optimismus ist groß, auch bei den Aktienexperten.

Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) scheinen die meisten Aktien auch noch recht moderat bewertet. VW kommt beim geschätzten KGV für 2011 auf 11,7, BMW auf 10 und Daimler auf 10,5. Noch günstiger ist die französische Konkurrenz zu haben: Renault ist mit dem Siebenfachen seines Gewinns bewertet, Peugeot kommt auf einen Wert von 6,4. Der italienische Autokonzern Fiat, eine der wohl heißesten Wetten der Branche, hat ein geschätztes KGV von 15.

Der Grund, warum auch künftig die Gewinne fließen sollen, hat einen Namen: China. Das Reich der Mitte ist für die Autobauer zu einem neuen Land der unbegrenzten Möglichkeiten geworden. Allein 1,3 Milliarden Euro des VW-Gewinns stammen von den China-Beteiligungen. Und das soll erst der Anfang gewesen sein. Neue Fabriken sind in Planung, das Geschäft mit den neureichen Asiaten soll weiter und vor allem schneller ausgebaut werden. So sieht es der deutsche Masterplan vor. "Noch betrachten sich Europa, die USA und Japan als Nabel der Autowelt", sagt Frank Schwope von der NordLB - "noch".

Mittlerweile ist China zum lukrativsten Automarkt der Welt aufgestiegen. Seit dem vergangenen Jahr laufen dort die meisten Autos vom Band - mehr als 13,5 Millionen Pkw und Lastwagen waren es 2009. Der Aufschwung in Fernost hat einer breiten Mittelschicht Wohlstand gebracht. Das Ersparte wird in Luxus investiert, besonders gefragt sind die Edelkarossen von deutschen Autobauern. Wer es in der chinesischen Marktwirtschaft zu etwas gebracht hat, setzt ganz bewusst auf ein Fahrzeug mit dem Mercedes-Stern oder dem BMW-Propeller.

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  • So so, der Nabel der Autowelt hat sein Ende gesehen.
    Jetzt verstehe ich auch, weshalb Stuttgart für den Verkehr der Zukunft einen neuen bahnhof braucht; aber bitte zu chinesischen Preisen!!!

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