Avon-Aktie durchgerüttelt
Gefälschtes Übernahmeangebot an der Wall Street

Avon-Kosmetikprodukte verkaufen sich schlecht, das Unternehmen gilt daher als Übernahmekandidat. Als am Donnerstag dann ein Käufer auf den Plan trat, schießt die Aktie in die Höhe. Doch alles entpuppt sich als Fälschung.
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New York/DüsseldorfAvon ist eine amerikansiche Firmen-Ikone. Die vor allem im Direktvertrieb von zahllosen Hausfrauen und anderen Teilzeit-Kräften vertriebenen Kosmetik-Produkt haben Kultstatus. Doch am Donnerstag stand die Aktie aus einem ganz anderen Grund im Fokus.

Das Papier setzte zu einer rasanten Achterbahnfahrt an wegen einer angeblichen Übernahmeofferte, die sich letztlich als Fälschung entpuppte. Das Angebot wurde elektronisch an das Meldesystem der US-Börsenaufsicht SEC übermittelt, war voller Tippfehler und Extra-Leerzeichen. Sogar der vermeintliche Käufer wurde unter zwei verschiedenen Namen aufgeführt.

Das Angebot wurde um 11.35 Uhr New Yorker Zeit eingereicht, von einer Firma namens PTG Capital Partners Ltd. PTG gab vor, 18,75 Dollar für jede Avon-Aktie zu bieten – ein bemerkenswertes Angebot angesichts eines Kurses von 6,60 Dollar vor der Offerte. Der Bietername PTG sollte wohl an den Finanzinvestor TPG erinnern, um dem Angebot über insgesamt 8,2 Milliarden Dollar zu mehr Glaubwürdigkeit zu verhelfen.

Tatsächlich sprang die Aktie unmittelbar um über 20 Prozent nach oben, Avon-Papiere im Wert von 91 Millionen Dollar wechselten innerhalb von 25 Minuten die Besitzer und das Avon hatte alle Hände voll zu tun, die Übernahmeofferte zu dementieren. Die Aktie gab danach zwar wieder deutlich nach auf 7,10 Dollar, was aber immer noch einem Plus von mehr als sieben Prozent entsprach.

Das Kursgezitter ließ natürlich die Frage aufkommen: Wie konnte das passieren? Wie konnte eine solche Offerte in das „Edgar“-System der SEC gelangen? Als Kontakt-Rufnummer in dem Angebot war ein Anwalt namens Steve Kohe genannt, doch Anrufe landeten auf einem Anrufbeantworter. Ein Anruf bei einer ebenfalls genannten Rechtsberatung brachte die Auskunft, das bei der Firma niemand mit diesem Namen arbeite.

Etwa 90 Minuten nach der Veröffentlichung der Offerte, teilte die SEC mit, die Legitimität des Angebots zu überprüfen. Eines war zu diesem Zeitpunkt schon klar. „Irgendwer hat einen Sack voll Geld gemacht, so Skip Aylesworth, Anlage-Manager bei der Firma Hennessy Funds in Boston.

Avon gilt als Übernahmekandidat, da die Firma in den vergangenen drei Jahren schrumpfende Umsätze und jeweils auch Verluste gemeldet hat.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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