Babyboom an der Börse
Kind statt Kondom

An der Börse ist der Babyboom los. Seit China das Ende der Ein-Kind-Politik verkündet hat, steigen die Aktien der Windel- und Kinderwagenhersteller. Dabei planen die wenigsten chinesischen Eltern ein Geschwisterkind.

DüsseldorfKind statt Kondom: Seit Chinas Regierung am Donnerstag das offizielle Ende der Ein-Kind-Politik verkündet hat, richten zumindest viele Anleger ihr Investitionsverhalten an diesem Motto aus. Aktien der Hersteller von Kinderwagen, Babynahrung und Windeln – etwa jene von China Child Care Corporation – stiegen am Freitag um bis zu 40 Prozent. Gefreut hat sich auch der Chef des US-Unterhaltungsriesen Disney, Robert Iger. „Das war gutes Timing”, kommentierte er die Nachricht auf einer Konferenz in Schanghai. Im kommenden Jahr plant er, einen Disney-Vergnügungspark in der Millionenmetropole Schanghai zu eröffnen.

Das Nachsehen hatten dagegen die Hersteller von Verhütungsmitteln. Die Aktien des japanischen Kondomfabrikanten Okamoto – beliebt bei chinesischen Paaren – fielen um bis zu zehn Prozent.

In Deutschland profitieren vor allem die Aktien von windeln.de. Die Papiere des Startups, das im April dieses Jahres mit großem Tamtam, aber wenig Erfolg an die Börse ging, stiegen am Freitag um bis zu zwölf Prozent auf 10,80 Euro. Ähnlich wie Zalando – inzwischen im MDax gelistet – konzentriert sich auf windeln.de auf den Online-Versand. Verschickt wird alles, was das Elternherz begehrt: von Aptamil-Folgemilch bis Zewa-Klopapier, gerne auch ins Ausland. Und das ist auch der Grund, weshalb dem Babyausstatter das Ende der chinesischen Ein-Kind-Politik sehr gelegen kommt: Mehr als 50 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen in China.

Für das Startup und die chinesischen Mütter ist das Geschäftsmodell von windel.de eine Win-Win-Situation. Für die Eltern bietet der Online-Versand die Möglichkeit, sichere Lebensmittel aus Deutschland zu beziehen (diverse Lebensmittelskandale haben ihnen die einheimischen Lebensmittel madig gemacht). Umgekehrt kann sich Windeln.de in China eine Marktnische erobern, etwas, was in der Heimat nicht ganz so einfach gelingt. Hier müssen sie sich gegen Portale wie baby-walz.de oder auch tausendkind.de durchsetzen.

Das Geschäft läuft an: Im ersten Halbjahr 2015 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 85 Prozent und gewann 117.000 neue Kunden, zusätzlich zu den 500.000 bereits bestehenden. Auch die Aussicht auf eine schwarze Null hat sich verbessert. Die Ebit-Marge lag zuletzt bei -5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zwölf Monate zuvor hatte sie noch bei minus elf Prozent gelegen.

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