Banger Blick Keine Euphorie um Air Berlin

Die Nachfrage nach Aktien der Fluggesellschaft Air Berlin ist trotz einer groß angelegten Werbekampagne weniger lebhaft als zuletzt bei anderen großen Emissionen. Bislang sei die Emission von Air Berlin noch nicht überzeichnet, hieß es einen Tag vor Ende der Zeichnungsfrist in Finanzkreisen.
  • D. Heilmann (M. Eberle, M. Maisch)
Johannes B. Kerner engagiert sich als Werber für den Air-Berlin-IPO. Foto: dpa

Johannes B. Kerner engagiert sich als Werber für den Air-Berlin-IPO. Foto: dpa

Beim 1,2 Mrd. Euro schweren Börsengang des Chemiekonzerns Wacker vor wenigen Wochen war die Nachfrage nach den Aktien 18 mal so hoch wie das Angebot.

Zwar registriere man auch bei Air Berlin großes Interesse von Privatanlegern und institutionellen Investoren und sei sehr zuversichtlich, dass sich dieses Interesse in den kommenden Tagen auch in konkreten Kaufaufträgen niederschlage. Vor allem Großanleger platzieren ihre Orders traditionell erst am Ende der Zeichnungsfrist. Als Daumenregel gilt in der Branche, dass Börsengänge in der Größenordnung von Air Berlin etwa zweifach überzeichnet sein sollten, um die Aktien an zuverlässige Investoren abgeben zu können.

Bereits gestern zeichnete sich ab, dass Air Berlin die Preisspanne beim Börsengang nicht ausreizen wird. Die maximal 50 Millionen Aktien der Billigfluglinie könnten am Ende etwa in der Mitte der von 15,00 bis 17,50 Euro reichenden Angebotsspanne zugeteilt werden, hieß es in Finanzkreisen. Bei einem Ausgabekurs von 16,50 Euro entspräche das einem Emissionsvolumen von 825 Mill. Euro. Damit wäre Air Berlin der zweitgrößte Börsengang in diesem Jahr. Anleger können die Aktien noch bis zum 4. Mai ordern, einen Tag darauf ist die Erstnotiz an der Frankfurter Börse geplant. Für einen Emissionspreis in der Mitte der Preisspanne spricht auch die Entwicklung am so genannten Graumarkt, wo die Aktien von Börsenkandidaten bereits vor der eigentlichen Erstnotiz gehandelt werden. Dort wurde Air Berlin gestern bei 16,50 Euro bis 16,90 Euro notiert.

Europas Fluglinien fällt es angesichts rekordhoher Ölpreise und eines immer schärfer werdenden Preiswettbewerbs schwer, Investoren zu begeistern. Ablesbar ist das an der Kursentwicklung der börsennotierten Billigfluggesellschaften Ryanair und Easyjet, mit denen sich Air Berlin künftig messen will: Beide Aktien mussten im laufenden Jahr empfindliche Kursrückgänge hinnehmen, obwohl Marktführer Ryanair weiter an seiner Gewinnprognose festhält, die im laufenden Jahr ein Ergebnis von 295 Mill. Euro vorsieht. Air Berlin will 2006 den Sprung aus den roten Zahlen schaffen. Einer Studie der Commerzbank zufolge, die Air Berlin beim Börsengang berät, könnte das Unternehmen im laufenden Jahr ein Ergebnis von gut 50 Mill. Euro einfliegen.

Ein Blick hinüber zum britischen Rivalen Easyjet zeigt, dass dieses Vorhaben alles andere als einfach wird. Das Unternehmen weitete seinen Verlust vor Steuern in den sechs Monaten bis 31. März von 22 Mill. Pfund auf 40 Mill. Pfund (58 Mill. Euro) aus. Damit blieb Easyjet immerhin unter den selbst geschätzten 45 Mill. Euro Verlust. Die Zahlen verschlechterten sich zum einen wegen der deutlich gestiegenen Treibstoffkosten, zum anderen durch die Tatsache, dass die reiseintensiven Ostertage diesmal in die zweite Hälfte des Geschäftsjahres fallen.

Analysten hatten im Vorfeld mit schlechteren Zahlen gerechnet. Offenbar kommt der neue Easyjet-Vorstandschef Andy Harrison mit seiner Offensive, die Kosten weiter zu senken und gleichzeitig die Einnahmen je Passagier zu erhöhen, gut voran. Die Kosten je Fluggast schrumpften um sechs Prozent auf 27,75 Pfund, während die Umsätze pro Sitz um knapp ein Prozent stiegen. Letzteres gelang vor allem, weil Easyjet die Zusatzeinnahmen zum Ticketpreis, also etwa Getränkeverkäufe, Kreditkartengebühren und Kommissionen für die Vermittlung von Mietwagen, um knapp ein Drittel hochfuhr.

„Wir sind ermutigt durch unsere Leistung im ersten Halbjahr“, sagte Harrison. Für das gesamte Jahr rechnet er jetzt mit einem Anstieg des Gewinns um zehn bis 15 Prozent. Analysten bezeichneten den Ausblick als unerwartet positiv. Samantha Gleave von Merrill Lynch rechnet mit einem Vorsteuergewinn von 94 Mill. Pfund im Gesamtjahr. Die Erfolge beim Kostenabbau übertrafen ebenso ihre Erwartungen wie die Einnahmen je Passagier. Entsprechend machte die Aktie einen kleinen Teil ihrer zuletzt erlittenen Kurseinbußen wieder wett: Easyjet-Papiere lagen gestern Abend mit knapp fünf Prozent im Plus.

Banger Blick

Teuer: Der Ölpreis bereitet der Flugbranche große Sorgen. Die Kosten für Kerosin steigen weiter, bei der britischen Easyjet allein im ersten Geschäfts-Halbjahr um 49 Prozent. Billig-Marktführer Ryanair verzichtet inzwischen auf eine Treibstoffsicherung (Hedging). Begründung von Vorstandschef Michael O’Leary: Sie sei auf diesem Niveau zu teuer.

Billig: Während die Kosten steigen, fallen die Flugpreise weiter. Ryanair kündigte gestern eine neue Preissenkung als Reaktion auf die 99-Euro-Aktion der Lufthansa an: Die Iren bieten Tickets fortan zu einem Drittel des Lufthansa-Preises an.

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