Bankaktien im Fokus
Eine Erholung mit ungewissem Ausgang

Die Aktien von Banken sind gestern kräftig geklettert - dem Rettungspaket der Regierung sei Dank. Analysten trauen der angeschlagenen Branche durchaus eine kurze Rally zu. Langfristig werden es Bankaktien aber schwer haben. Zu viel spricht gegen sie.

FRANKFURT. Nachdem Bankaktien in den vergangenen Wochen krasse Verluste verzeichneten, stürmten sie zu Wochenbeginn an die Spitze der Gewinerlisten der internationalen Börsen. Top-Kauf waren die zuletzt arg gebeutelten Titel der Hypo Real Estate; die Papiere des Immobilienfinanzierers kletterten zeitweise über 40 Prozent. Gefragt waren auch die Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank, die jeweils zweistellig zulegten.

Die rasante Eröffnung der Börsenwoche in Europa ist Ausdruck der Hoffnung, dass das geplante Rettungspaket der EU-Staaten die Märkte langfristig stützen kann. Allein Deutschland wird seine Banken mit Bürgschaften und einer Kapitalspritze im Gesamtvolumen von rund 500 Milliarden Euro aus der Patsche helfen.

In einer aktuellen Studie zu europäischen Banken loben die Analysten von Merrill Lynch das Rettungspaket. Die Entscheidung, dem britischen Vorbild zu folgen und Banken mehr Kapital zur Verfügung zu stellen, werde zu Stabilität an den Kreditmärkten führen. Bei einzelnen Finanzwerten rät Merrill Lynch sogar schon wieder zum Kauf. So stufte die US-Bank Aktien der Commerzbank und der Royal Bank of Scotland (RBS) von "Halten" auf "Kaufen" hoch. Die Bewertung für Aktien der Credit Suisse und der britischen Bank Barclays wurden auf "Halten" angehoben. Allerdings gebe es noch zahlreiche Herausforderungen. Anleger sollten nicht vergessen, dass der Entschuldungsprozess wahrscheinlich langwierig und schmerzhaft sein werde.

Noch bleiben die meisten Experten vorsichtig. "Durch das Rettungspaket hat sich die Perspektive gebessert. Ein Kollaps der Banken ist damit abgewendet", sagt Olaf Kayser, Analyst der LBBW. Ob das Paket ausreichen wird, um die Aktienmärkte langfristig zu stabilisieren, sei aber zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss.

"Die Deutsche Bank könnte von den Maßnahmen profitieren", sagt Kayser. Durch die geplanten Veränderungen der Rechnungslegungsvorschriften werde es der Bank leichter fallen, heftige Abschreibungen und Schwankungen in ihren Bilanzen zu vermeiden. Seine Bewertung für die Deutsche Bank belässt Kayser aber vorerst unverändert auf "Halten". Für eine Kaufempfehlung sei es noch früh. "Trotz aller staatlichen Rettungsmaßnahmen bleibt das konjunkturelle Umfeld schlecht, darunter werden auch die Banken im kommenden Jahr leiden", sagt Kayser. Bankaktien würden in absehbarer Zeit nicht mehr das Niveau erreichen, auf dem sie noch zu Jahresbeginn gestanden hätten.

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