Banken bedrängen Fiat
Neue Spekulationen über Börsengang von Ferrari

Die Sportwagenmarke Ferrari ist die Perle von Fiat. Ein Börsengang könnte dem hoch verschuldeten Konzern Milliarden einbringen. Banken drängen Fiat-Chef Marchionne zu einem IPO. Doch noch sträuben sich die Italiener.
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Das Gerücht hat schon oft fälschlicherweise die Runde gemacht - und in der aktuellen Marktlage sind Börsengänge erst recht unwahrscheinlich. Und doch gibt es neue Spekulationen über ein IPO des Sportwagenbauers Ferrari. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters drängen mehrere Investmentbanken den Ferrari-Mutterkonzern Fiat, seine legendäre Sportwagenmarke an die Börse zu bringen.

In den vergangenen Wochen seien einige Institute mit dem Vorschlag an Fiat herangetreten, Ferrari an den Aktienmarkt in Hongkong zu bringen, beruft sich die Agentur auf Informationen von "vier mit dem Vorgang vertrauten Personen". Es habe bereits einige Gespräche dazu gegeben, weitere seien geplant, hieß es in den Kreisen. Der italienische Autobauer habe seine Absichten aber noch nicht offengelegt.

Branchenexperten zufolge könnte Ferrari mit 4,4 Milliarden Euro bewertet werden. Fiat könnte demnach mit Hilfe des IPO seinen Schuldenberg von rund fünf Milliarden Euro abbauen und seinen eigenen Aktien einen Schub geben. Ein Fiat-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern. Er bekräftigte lediglich frühere Aussagen von Konzernchef Sergio Marchionne, dass ein Börsengang derzeit nicht geplant sei.

Allerdings hatte der Konzern selbst die Spekulationen geschürt, als er im vergangenen Jahr erklärte, dass ein IPO eine strategische Option für Ferrari sein könnte. Seither kochen die Gerüchte alle paar Monate wieder auf – und werden mal entschieden, mal halbherzig zurückgewiesen. So sagte Marchionne im April, es lägen keine Pläne auf dem Schreibtisch. Es sei ihm jedoch klar, dass er Ferrari jederzeit an die Börse bringen könne. Sollte es dazu kommen, peile er einen Erlös von fünf Milliarden Euro an. Die gleiche Summe hatte zuvor Ferrari-Chef Luca di Montezemolo in den Raum gestellt. Der 64 Jahre alte Manager führt Ferrari schon seit 20 Jahren und sitzt auch im Verwaltungsrat der Muttergesellschaft Fiat, der 90 Prozent der Anteile an Ferrari gehören. Die restlichen zehn Prozent gehören der Familie Ferrari.

Hintergrund der anhaltenden Spekulationen ist die geplante Komplett-Übernahme des US-Autobauers Chrysler, die der Fiat-Konzern anstrebt. Zwar verfügt das Unternehmen über genügend Liquidität, um den Milliardendeal zu stemmen. Allerdings sitzt Fiat nach wie vor auf einem hohen Schuldenberg. Die Anleihen des Konzerns werden von der Ratingagentur Fitch lediglich mit "BB" eingestuft, sie fallen damit in die Kategorie "Ramsch".

Andererseits ist Ferrari die mit Abstand profitabelste Sparte im Fiat-Konzern. 2010 erzielte der Sportwagenbauer mit 6.600 verkauften Autos einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro und einen Gewinn aus laufendem Geschäft von gut 300 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll dieses Ergebnis noch gesteigert und das Rekordergebnis aus dem Jahr 2008 übertroffen werden. Im ersten Halbjahr lag Ferrari dafür auf Kurs: Von Januar bis Juni wurden 3.577 Autos verkauft, der Umsatz lag bei 1,08 Mrd. Euro.

Sollten sich die Verantwortlichen bei Fiat und Ferrari aller Dementi zum Trotz für einen baldigen Börsengang entscheiden, könnten sie womöglich schnell Nachahmer finden. Neben den Italienern hat auch der britische Sportwagenbauer Aston Martin Börsenpläne in der Schublade. "Wir wollen an die Börse, die Zeit für den Börsengang drängt aber nicht", sagte Aston-Martin-Chef Ulrich Bez jüngst im Interview mit dem Handelsblatt. "Wir reden hier nicht über ein IPO in diesem oder nächsten Jahr, wir sprechen vielleicht von 2014, plus minus ein Jahr", fügte er hinzu.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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