Aktien
Banken revidieren Gewinnprognosen

Negative Überraschungen in den Branchen Technologie, Industrie und Chemie lassen die Finanzhäuser ihre Erwartungen nach unten Schrauben. Zu viele Unternehmen haben schon enttäuscht. Wie die neuen Schätzungen konkret aussehen, wird Ende März feststehen.

FRANKFURT. Was vor Wochen noch wie eine erste vorsichtige Tendenz aussah, wird inzwischen ein für die Finanzmärkte ernst zu nehmender Trend: Immer mehr Banken gehen davon aus, dass sie ihre Gewinnschätzungen für den breiten Aktienmarkt im laufenden Jahr wohl nach unten anpassen müssen. Sieben Banken haben sich inzwischen in die Richtung geäußert: Goldman Sachs, Sal. Oppenheim, Société Générale, M.M. Warburg, Unicredit, WestLB und ABN Amro. Genereller Tenor dabei: Die Gewinnerwartungen für Deutschland und Europa, die noch Ende des vergangenen Jahres ausgegeben wurden, sind zu hoch.

Derzeit gehen die Experten für die 30 im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Werte noch im Schnitt von einem Gewinnwachstum von 11,3 Prozent aus, für den für die 50 größten Werte der EuroZone maßgeblichen Index Euro Stoxx 50 sind es 8,9 Prozent. Wie weit sie ihre Prognosen nach unten schrauben werden, das machen die meisten Experten derzeit jedoch vom weiteren Verlauf der noch bis Ende März laufenden Bilanzsaison abhängig. Schließlich müssen sie für ein schlüssiges Gesamtbild sowohl die Marktschwergewichte als auch die kleinen und mittelgroßen Werte mit einbeziehen. Aus dem europaweit breit angelegten Index Stoxx 600 hat im Moment allerdings erst etwas mehr als ein Viertel der Unternehmen Zahlen für das abgelaufene Jahr und einen Ausblick für 2008 präsentiert.

Nach Berechnungen der US-Bank Goldman Sachs haben darunter derzeit zwar rund 24 Prozent der Unternehmen in mehr als einer Kennzahl positiv überrascht, gleichzeitig hat die im Vergleich zu den Vorjahren hohe Zahl von elf Prozent der Konzerne bei mindesten zwei Kennzahlen enttäuscht. „Wir glauben, dass noch mehr Revisionen nach unten kommen werden“, sagt Chef-Stratege Peter Oppenheimer. Negativ aufgefallen sind zuletzt Werte aus den Bereichen Chemie, Industrie und Technologie. Dagegen gab es bei Automobilaktien und ihren Zulieferern, bei Öl und Gas sowie im Einzelhandel keine bösen Überraschungen.

Als Konsequenz daraus dürften viele Aktien nach Abschluss der Bilanzsaison längst nicht mehr als so günstig bewertet erscheinen, wie dies noch vor kurzem stets als Chance für den Aktienmarkt propagiert wurde. „Die negative Revisionsdynamik wiegt schwerer als die vermeintlich günstige Bewertung“, sagt Carsten Klude von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg.

Es sind jedoch nicht nur Prognosen von Unternehmensseite, die die Börsianer an ein schwächeres Gewinnwachstum glauben lassen. Tammo Greetfeld von Unicredit zieht beispielsweise auch volkswirtschaftliche Kennzahlen heran, die für weitere Gewinnrevisionen nach unten sorgen können. Er vergleicht hierfür die Entwicklung der Geldmenge mit dem Industrievertrauen und interpretiert den deutlichen Rückgang als Risikosignal für das zweite Halbjahr.

Konkrete Zahlen, inwieweit das noch zum Jahreswechsel angepeilte Gewinnwachstum auf Unternehmensseite nach unten geschraubt werden muss, liefern im Moment jedoch nur die wenigsten Banken. Lediglich die Experten der WestLB, die sich damals bereits als Skeptiker zeigten, haben ihre Vorhersage für die Dax-Entwicklung von sechs Prozent auf vier Prozent herabgesetzt. Beim Euro Stoxx 50 gingen sie von fünf auf drei Prozent nach unten.

Grund für die allgemeine Zurückhaltung ist, dass in den Expertenstäben der Banken die Aktienstrategen, die für das große Gesamtbild zuständig sind, skeptischer sind als die Analysten, die bei Einzelwerten noch immer einen eher optimistischen Ansatz haben. „Wir werden uns demnächst zusammensetzen, um wieder auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen“, heißt es aus einer großen deutschen Bank. Als Konsequenz bedeutet das: Die Einzelanalysten werden sich wohl den Vorgaben der Marktstrategen unterordnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%