Bauer AG
Bauer-Aktie: Gewinner des Berliner Ministerkarussels

Der Tiefbauspezialist Bauer hat sich bisher in der Finanzkrise gut geschlagen. 2009 dürfte der Wirtschaftsabschwung das Unternehmen Analysten zufolge aber auch erreichen. Der Firmenchef hingegen gibt sich optimistisch. Umso wichtiger ist es, dass Thomas Bauer an Bord bleibt. Wie die große Politik - oder besser die Absage an diese - eine kleine Aktie bewegt.

FRANKFURT. "Das Unternehmen bleibt in seiner Führung unverändert", lautet der letzte von insgesamt drei Sätzen einer Adhoc-Meldung, mit der die Bauer AG gestern einen Schlussstrich unter die Spekulationen vom Wochenende zog. Firmenchef Thomas Bauer war in vorderster Front als einer der Nachfolger von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos genannt worden. Die Börse quittierte Bauers Verbleib im beschaulichen, bayerischen Schrobenhausen mit einem Plus von fast fünf Prozent.

Bauers Demission nach Berlin hätte für die im MDax gelistete Bauer-Aktie zwar keinen Absturz bedeutet. Dennoch gibt es unter Deutschlands mittelgroßen Gesellschaften nur wenige, bei denen Firmenchef, Familie und deren Beteiligung so eng für Strategie und Erfolg stehen wie bei dem Tiefbau-Spezialisten und Maschinenbauer. Bauer meldete sich gestern deshalb gleich wieder in alter Position zurück. "Wir werden beim Jahresabschluss so wie angekündigt und noch ein ganzes Stück besser abschneiden", sagte er der Agentur Reuters. Das im November angekündigte Umsatzplus für 2008 könnte sogar übertroffen werden.

Kein Zweifel: Bauer hat sich in der aktuellen Wirtschaftskrise bislang gut geschlagen. Analyst Michael Kühn von der Deutschen Bank sieht einen wesentlichen Grund darin, dass die deutschen Baukonzerne generell zuletzt weniger Wert auf das Massengeschäft legten. "Die Großen der Branche legen bei ihren Bewerbungen um Ausschreibungen zunehmend Gewicht auf die Qualität der Projekte", sagt er. Darin liegt auch einer der Gründe, warum Bauer in der ansonsten trüben Baukonjunktur noch immer gut dasteht.

Zum anderen ist es die Zweiteilung des Geschäfts. Der Tiefbau-Spezialist ist gleichzeitig auch Maschinenbauer für die Spezialbohrer, die für die Fundamente von Hochhäusern oder Brücken von elementarer Bedeutung sind. Von den wichtigen Baumaschinen-Messen der Welt - ob zuletzt in Shanghai oder in Paris - kam Bauer mit gut gefüllten Auftragsbüchern zurück. Speziell China mit seinem riesigen Konjunkturprogramm, das besonders auf den weiteren Ausbau der Infrastruktur abzielt, ist weiterhin ein großer Hoffnungsträger. Vorteil dabei: Bohrgeräte mit der für asiatischen Boden besonderen Ausstattung im Bereich Tiefe und Durchmesser kann außer Bauer kaum ein Wettbewerber liefern.

Unklar ist indes, wie sehr der Wirtschaftsabschwung auch bei Bauer ankommen wird. Analysten sind hier durchaus unterschiedlicher Meinung. "Bauer bereitet sich auf einen Abschwung im Jahr 2009 vor, wobei das Ausmaß noch unklar ist", sagt Hans-Joachim Heimbürger vom Bankhaus Cheuvreux.

Dennoch raten von den elf Experten, die die Bauer-Aktie beobachten, noch immer sechs zum Kauf und neben Heimbürger nur noch ein weiterer zum Verkauf. Und selbst die größten Pessimisten liegen mit ihrem Kursziel von 22 Euro nur knapp unter dem aktuellen Kurs von 26 Euro. Dem stehen 40 Euro als Kursziel von Deutsche-Bank-Analyst Michael Kühn und gar 42 Euro von Stephan Klepp von der Hamburger Privatbank Berenberg gegenüber, also Vorstellungen, die vom gestrigen Niveau bis zu 60 Prozent entfernt liegen.



Hier finden Sie die aktuellsten Analysten-Einstufungen zu Bauer.

Wirtschaftminster-Kandidat Thomas Bauer gibt mit seinen gestrigen Äußerungen eher den Optimisten Nahrung. "Der Bau im Ausland und auch der Maschinenbau laufen super", sagte er. Deswegen werde zwar alles etwas langsamer gehen, von einer Katastrophe sei man aber weit entfernt. Als Wirtschaftsminister hätte er wohl nicht so gelassen zur weiteren Entwicklung parlieren können.

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