Baukonzerne verdienen ihr Geld in erster Linie im Ausland
Hochtief und Bilfinger Berger lässt die deutsche Baukrise kalt

Aktien deutscher Baukonzerne bleiben trotz der rezessiven Konjunktur attraktive Anlagen. Das gilt auch deshalb, weil sich die Talfahrt der Branche in Deutschland verlangsamt.

DÜSSELDORF. „Es ist eine gewisse Stabilisierung zu sehen“, bestätigt Lutz Uecker, Leiter der Wirtschaftsabteilung des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), „aber nur auf einem sehr geringen Niveau“, schränkt er ein.

Es gibt sogar erste Lichtblicke. Die geplante Abschaffung der Eigenheimzulage verschafft dem Baugewerbe zur Zeit eine Sonderkonjunktur im Eigenheimbau. So berichten laut ZDB-Monatsumfrage vor allem Betriebe, die im Wohnungsbau tätig sind, im Juli von einer befriedigenden Geschäftslage. Allerdings rechnet die Mehrzahl aller befragten Unternehmen kurzfristig mit keinen Veränderungen bei den Geschäften, Preisen und Aufträgen.

Vor einem Neubau-Strohfeuer warnt dann auch der Verband der Privaten Bausparkassen. „Wenn die Eigenheimzulage tatsächlich gestrichen wird, kommt es zu einem Absturz im Wohnungsneubau“, meint Hauptgeschäftsführer Andreas Zehnder. Der Eigenheimbau bestimmt inzwischen mit einem Anteil von gut zwei Dritteln den gesamten Neubau.

Bauverbände und Konzerne sehen nach acht Jahren Baukrise dennoch Licht am Ende des Tunnels. Doch rechnen sie frühestens 2004 mit einer nachhaltigen Trendwende. „Nach dem Schrumpfungsprozess der vergangenen Jahre bin ich einigermaßen optimistisch, dass wir 2004 eine Trendumkehr bekommen“, sagt Hans-Peter Keitel, Vorstandschef von Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief. „Das heißt aber noch lange nicht, dass wir mit großem Wachstum rechnen können.“ Der deutsche Baumarkt werde sich auf dem derzeitigen Niveau stabilisieren. Weitere Strukturanpassungen und Arbeitsplatzabbau seien unvermeidlich.

Hochtief kann das gelassen sehen. Der Essener Baukonzern hat sich aus dem deutschen Baugeschäft weitgehend verabschiedet. Hochtief sei nur noch in Deutschland ansässig, sagt Achim Henke, Analyst von UBS Warburg. 84 % der Bauleistung erziele der Konzern im Ausland und könne damit regionale Konjunkturunterschiede besser wegstecken. Gleiches gilt für den Konkurrenten Bilfinger Berger (70 %) und den Baustoffkonzern Heidelberg Cement (90 %).

Hochtief peilt zwar nach einer Restrukturierung in diesem Jahr im deutschen Baugeschäft schwarze Zahlen an. Dafür bereitet nun das Auslandsgeschäft Sorgen. Ungemach droht in Australien. Die Tochter Leighton meldet einen Einbruch des Reingewinns im ersten Halbjahr um 17 %. Auch die US-Beteiligung Turner sehen die Analysten von Cazenove wegen der schwachen US–Baukonjunktur und des starken Euros als Ergebnisrisiko.

Positiv wertet Henke von UBS Warburg hingegen, dass sich Hochtief den Ausbau des weniger konjunkturanfälligen Dienstleistungsgeschäfts zum Ziel gesetzt hat. Konkurrent Bilfinger ist sogar einen Schritt voraus. Mit der Weiterentwicklung der Dienstleistungssparte durch Übernahmen haben die Mannheimer entscheidende Fortschritte gemacht, urteilen die Analysten von Helaba Trust. Doch auch bei Bilfinger sei der hohe Auslandsanteil spürbar: Insgesamt hinke die Ergebnisentwicklung dem Umsatzwachstum hinterher, da ungünstige Währungs- und Konjunkturentwicklungen deutliche Hindernisse darstellten.

Dennoch liegen die Mannheimer in der Bewertung der Analysten vor Hochtief. Ingbert Faust von Equinet stuft die Aktie als „Kauf“ ein, für Hochtief lautet die Note nur „Halten“. Zusätzlich belasten nämlich Gerüchte über den Verkauf und eine drohende Zerschlagung des Konzerns die Aktie. Der Mehrheitsaktionär, der Energiekonzern RWE, will sich von Hochtief trennen.

Von „Halten“ auf „Kauf“ hochgestuft hat die Deutsche Bank kürzlich die Aktie des größten deutschen Zementherstellers Heidelberg Cement. Die Analysten begründeten dies mit dem erwarteten Anstieg der Zementpreise in Deutschland. Heidelberg Cement-Chef Hans Bauer, gleichzeitig Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie, hat dies bereits angekündigt. Ein Nachgeschmack bleibt: Die Deutsche Bank ist mit knapp 9 % an Heidelberg Cement beteiligt.

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