Bei Junkbonds bestehen hohe Risiken
Rentenanleger stecken in der Zinsfalle

Dass Unternehmensanleihen seit fast einem Jahr überdurchschnittlich gut gelaufen sind, hat einen Nachteil: Wer jetzt noch Papiere mit hoher Rendite kaufen will, hat es schwer. Nachdem die Kurse vieler Firmenbonds deutlich gestiegen sind, gibt es bei Anleihen, deren Emittenten die internationalen Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s (S&P) und Fitch in die so genannte Investitionsklasse einstufen inzwischen kaum noch Papiere, die deutlich mehr als 5 Prozent Rendite bringen.

FRANKFURT/M. Die Stufe Investment-Grade umfasst die Höchstnoten bis einschließlich Baa3 bzw. BBB-. „Es ist nicht mehr so einfach, Anleihen mit einem ausgewogenen Chance-Risiko-Verhältnis zu finden“, bemerkt Guido Greim, der bei der Deutschen Bank Rentenfondsmanager und Versicherer betreut. Hohe Renditen in der Investitionsklasse bieten da nur noch Langläufer. Besonders interessant findet Greim die im Jahr 2033 fällige Anleihe des US-Autokonzerns General Motors. „Wenn Investoren den Bond nach zehn Jahren wieder verkaufen, haben sie ihr eingesetztes Kapital durch die jährliche Kuponzahlung von 8,375 Prozent schon fast wieder zurück“, sagt Greim. Dafür sei die Anleihe aber auch nicht ohne Risiko. General Motors müsse – wie auch Mitbewerber Ford – die Margen deutlich verbessern und Schulden abbauen.

Unter hohen Schuldenbergen ächzen auch Unternehmen, deren Papiere die Ratingagenturen als spekulativ einstufen. Das entspricht Noten, die schlechter sind als Ba1 bzw. BB+. Die auch Junkbonds genannten Anleihen solcher Emittenten bieten eine höhere Rendite als erstklassige Papiere – eine Art Prämie, die die Anleger für das höhere Ausfallrisiko verlangen.

Unter den Junkbonds gibt es viele unbekannte Unternehmen. Bekannter und mit größeren Anleihen im Markt vertreten sind die so genannten „Fallen Angels“, also Firmen, deren Kreditwürdigkeit aus der Investitionsklasse in die Spekulationsklasse herabgestuft wurde. Auch die Junkbonds haben sich in diesem Jahr sehr gut entwickelt. Klaus Oster, Fondsmanager bei Deka Investment, erklärt das mit dem gestiegenen Risikoappetit der Investoren. „Anleihen von Telekomausrüstern wie Alcatel und Ericsson haben zudem davon profitiert, dass es den Telekomkonzernen selbst wieder besser geht“, sagt Oster. Er hält Einzelengagements von Privatanlegern in spekulativen Unternehmensanleihen wegen des hohen Ausfallrisikos für nicht empfehlenswert – hohe Rendite hin oder her.

Verhleichsweise hohe Renditen

>

„Wer in Junkbonds investiert, muss schon Optimismus für einen wirtschaftlichen Aufschwung und eine entsprechende Ertragswende bei den angeschlagenen Firmen mitbringen“, sagt Oster. Interessanter seien da schon nachrangige Anleihen. Das sind Papiere, deren Inhaber im Konkursfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient werden. Diese Anleihevariante ist gerade bei Banken und Versicherern zur Refinanzierung sehr beliebt, weil sie diese Kapitalmittel ihrem Eigenkapital zurechnen können. Vergleichsweise hohe Renditen bieten hier die Hypo-Vereinsbank und die Commerzbank.

Nachrangige Anleihen seien für Anleger, die sie bis Ende der Laufzeit halten, als Beimischung eine Überlegung wert, sagt auch Corinna Dröse, Analystin für Bankenanleihen bei Crédit Agricole Indosuez. So hätten Commerzbank und Hypo-Vereinsbank das „Tal der Tränen“ zwar weitgehend durchschritten. Bis sie wieder wirklich profitabel würden, werde es aber noch eine Weile dauern. Bei großen Banken sei es indes unwahrscheinlich, dass sie Konkurs anmelden müssen. Bei Kernkapitalanleihen der Kategorie Tier-1 oder Versicherungsanleihen können jedoch die Zinszahlungen ausfallen, wenn kein Jahresgewinn erzielt oder keine Dividende ausgeschüttet wird. In dieser Woche gab beispielsweise

der Versicherer Gerling Globale Rück bekannt, dass die Zinsen auf eine nachrangige Anleihe ausfallen.

Fazit: Bei Anleihen mit hoher Rendite bestehen eben auch überdurchschnittlich hohe Risiken. Privatanleger sollten es daher den institutionelle Investoren nachmachen: „Aufgrund der Sommerpause und mangels Neuemissionen warten viele derzeit einfach ab“, beobachtet Greim von der Deutschen Bank. Immerhin könnten es die Renditen der Unternehmensanleihen den Staatspapieren nachmachen und bis zum Herbst deutlich anziehen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%