Bei Telekom-Werten schauen Analysten auf die Mobilfunktöchter als Treiber für Wachstum
Analysten setzen auf Ex-Monopolisten

Einige Telekommunikationsanalysten greifen derzeit zu medizinischen Ausdrücken, um die Situation in der Branche zu beschreiben: Anämisch und blutarm sehe der Sektor aus wegen des schwachen Wachstums, schreiben Experten von J.P. Morgan in einer Studie. Kränklich sei das klassische Festnetzgeschäft, diagnostizieren die Analysten von Morgan Stanley.

DÜSSELDORF. Die Sorge mag zunächst überraschen. Denn derzeit kommen aus der Branche eher gute Nachrichten über schrumpfende Schuldenberge und sprudelnde Cash-Flows, wiederkehrende Gewinne und Dividendenzahlungen. Doch die Analysten denken schon einen Schritt weiter. Sie fragen sich: Wie können ehemalige Staatskonzerne wie Deutsche Telekom, France Télécom und KPN in den nächsten Jahren ihre Ergebnisse steigern, allen voran die Umsätze?

Das Problem: Das Festnetzgeschäft – die größte Cash-Cow der Unternehmen – stagniert. Bis auf schnelle Internet-Zugänge über DSL gibt es in der Sparte keine Wachstumstreiber. Hinzu kommt: Einigen Unternehmen setzt die Regulierung im Festnetz zu. Es steht daher heute schon fest, dass der Mobilfunk die wesentlichen Zuwächse beim Umsatz und operativen Ergebnis bringt.

„Die Wachstumsaussichten der Konzerne, das wird künftig das wichtigste Anlagekriterium“, sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Er gibt daher den Papieren von Unternehmen wie Deutsche Telekom und Telefónica den Vorzug, da er dort ein überdurchschnittliches Wachstum erwartet. Der Hauptgrund: Die spanische Telefónica werde längerfristig von ihrem starken Engagement in Lateinamerika profitieren. Und bei der Telekom treibe die gute Entwicklung der Mobilfunksparte T-Mobile das Wachstum enorm an.

Ähnlich beurteilt auch Andrew Haskins von HSBC die Telekom. Der Bonner Konzern werde sich in den nächsten drei Jahren rasanter entwickeln als die Konkurrenz. Zuwächse im Mobilfunk würden die Schwächen des Festnetzgeschäfts mehr als kompensieren. Er empfiehlt die T-Aktie zum Kauf und sieht sie mit 16 Euro fair bewertet.

Von der Mobilfunktochter Orange hängt es es auch bei France Télécom ab, ob der Konzern seine Ziele beim Umsatz, operativen Gewinn und freiem Cash-Flow erreicht. Um mehr von Orange zu profitieren, will France Telecom die freien Orange-Aktionäre herauskaufen und hat ihnen einen Tausch ihrer Orange-Papiere gegen Aktien der Mutter angeboten. Die Offerte läuft noch bis 7. Oktober. „Orange ist der Schlüsselfaktor für die Verbesserungen im operativen Geschäft des Konzerns“, schreibt Goldman Sachs in einer jüngst erschienenen Studie.

Experten von Morgan Stanley, warnen, dass die Tatsache, dass der französische Staat schon bald seinen Anteil an dem Konzern auf unter 50 % verringern kann, den Aktienkurs belasten könnte. Dennoch gehört die Aktie bei Morgan Stanley zu den bevorzugten Werten in der Branche. Die Analysten sehen 26 Euro als fairen Wert an.

Ebenfalls zu den Aktien mit guten Aussichten zählen die Titel des niederländischen Telekomkonzerns KPN. Dafür sind allerdings weniger die Wachstumsaussichten entscheidend als die gute Bilanz. Morgan Stanley sieht 8 Euro als Ziel für den KPN-Aktienkurs an. Die schwache Umsatzentwicklung sei eine große Sorge bei KPN, aber im Aktienkurs bereits eingepreist. Vor einer Woche hat zudem der niederländische Staat seine KPN-Beteiligung reduziert, so dass dies den Kurs derzeit nicht mehr belastet.

Unterdurchschnittliches Wachstum und damit eine schlechtere Perspektive sehen die Analysten bei Telecom Italia und der britischen BT Group. Der einzige Wachstumsbringer der Telecom Italia, die Mobilfunktochter TIM, stehe im heftigen Wettbewerb in der Heimat und der Beitrag der Lateinamerika-Aktivitäten sei noch vernachlässigbar, schreiben Analysten von Sal. Oppenheim in einer Studie.

BT hat sich von seiner Mobilfunksparte bereits vor knapp zwei Jahren getrennt und gilt als Schlusslicht in Sachen Wachstum. Beim Aktienkurs sehen die meisten Analysten kaum Aufwärtspotenzial. Um die Ergebnisse zu verbessern, sei der Konzern auf Kosteneinschnitte angewiesen, und wenn das nicht gelingt, droht eine substanzielle Verschlechterung der finanziellen Lage, schreibt Credit Suisse First Boston.

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