Bekannte Namen
Private Investoren als Hoffnungsträger

Bekannte Namen haben an der Börse bessere Chancen, zumindest bei den Privatanlegern. Sollten also im nächsten Jahr tatsächlich etwa die Deutsche Bahn oder der Essener Mischkonzern RAG an die Börse gehen, können sie auf ein deutlich höheres Interesse von Privatanlegern hoffen als bei den meisten Emissionen der letzten Jahre.

FRANKFURT. „Die Bahn und die RAG sind für jeden Kleinanleger greifbar, deshalb könnte das Privatkunden-Geschäft hier ein echte Chance haben“, sagt Christoph Stanger, Leiter des Kapitalmarktteams von Goldman Sachs im deutschsprachigen Raum. Grundvoraussetzung sei, dass das Marktumfeld so positiv bleibt wie bisher.

Nach jahrelangem Desinteresse der Privatkundschaft bei den meisten Emissionen setzen nun viele Banken darauf, dass mit steigendem Bekanntheitsgrad der Namen auch das Interesse wieder wächst. Schließlich war das bei Börsenkandidaten mit einem starken Privatkundengeschäft wie der Postbank, Interhyp oder Tipp24 schon früher so. Bei 14 bis 17 Prozent lag bei ihnen der Anteil der Kleinanleger am Emissionsvolumen, während er bei vielen anderen Börsengängen wie beim Baugeschäft Bauer oder beim Stahlhändler Klöckner & Co. nur auf ein und zwei Prozent kam. Hinzu kam, dass die Unternehmen im Gegensatz zu früher kaum noch Geld für publikumswirksame Kampagnen ausgaben.

Einzige Ausnahme: Der gesamte Bereich Solarenergie war bei Privatanlegern in den letzten Jahren enorm gefragt. Die Solarplatten-Produzenten Ersol und Conergy brachten es auf rekordverdächtige 21 bzw. 18 Prozent. „Börsenneulinge aus dem Bereich Regenerative Energien zeigen ein hohes Wachstumstempo und passen hervorragend in den Megatrend des neu erstarkten Umweltbewusstseins mit Blick auf die weltweite Klimakrise“, sagt Dirk Notheis, Vorstand bei Morgan Stanley in Frankfurt.

Weit mehr als die reine Unternehmensgröße wird für Kleinanleger wichtig sein, ob sie mit dem Namen der Gesellschaft etwas anfangen können. Paradebeispiel der letzten Zeit waren die beiden Börsengänge, die mit dem bekannten Namen MTU verbunden waren. Während die Privatanleger-Quote bei der Emission des Flugzeugturbinen-Hersteller MTU Aero Engines letztes Jahr bei 16 Prozent lag, brachte es der nun unter dem Kunstbegriff Tognum firmierende Großmotoren-Hersteller auf nicht mal ein Quote von fünf Prozent.

Überhaupt haben die meisten begleitenden Emissionsbanken trotz des zuletzt geringen Interesses die Kleinanleger noch nicht abgeschrieben. Ganz im Gegenteil: Sie wissen deren Part durchaus zu würdigen. „Privatanleger haben zwar keine Preismacht, sind aber wichtig für den Börsenpreis in der Zukunft“, sagt Christoph Stanger.

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