Belgischer Generikahersteller ist Liebling der Fonds – Aktie notiert nahe Allzeithoch
Strategie von Docpharma überzeugt die Analysten

Docpharma hat es nicht leicht. Viele Investoren verbinden mit dem nach „New Economy“ klingenden Namen noch immer einen Online-Pharmahandel. Tatsächlich beeindruckt der belgische Generikahersteller mit einer spektakulären Kursentwicklung.

FRANKFURT/M. Die Aktien des Unternehmens haben sich seit dem Börsengang im Jahr 2001 vervierfacht und notieren an der Euronext derzeit mit 35 Euro knapp unter ihrem Allzeithoch. Und die meisten Analysten halten einen weiteren Kursanstieg für wahrscheinlich und raten zum Kauf.

Die Kursentwicklung verdankt Docpharma auch dem Engagement zahlreicher Fonds mit dem Anlageschwerpunkt Nebenwerte. So gehört Docpharma zu den zehn größten Positionen des Smaller European Champions-Fonds der Frankfurter Fondsgesellschaft Lupus Alpha und des Mainfirst Avantgard Stock Fund des ehemaligen ABN Amro-Experten Anko Beldsnijder.

Docpharma erzielt seine Erlöse in den Geschäftsbereichen Vertrieb von medizinischen Instrumenten sowie dem Generikageschäft – ein Bereich, der in Europa sehr attraktiv und entsprechend hart umkämpft ist. „Der Generikamarkt wächst in Europa mit 12 bis 15 Prozent pro Jahr, während die Pharmabranche insgesamt auf ein jährliches Wachstum von sechs bis acht Prozent kommt“, sagt Karl-Heinz Scheunemann, Pharma-Analyst von Metzler Equity Research. Belgien gilt im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch immer als „Generika-Schwellenland“. Der Anteil von Nachahmerpräparaten am Pharma-Gesamtumsatz beträgt dort weniger als zehn Prozent. In Deutschland liegt er bei rund 30 Prozent. „Docpharma profitiert in den kommenden Jahren von seiner guten Stellung im belgischen Markt. Dort laufen viele Patente umsatzstarker Originalpräparate aus. Zugleich ist aber der Markteintritt für andere Unternehmen schwierig.

Zudem expandiert das Unternehmen in andere europäischen Länder“, sagt Fondsmanager Anko Beldsnijder von MainFirst. In diesem Jahr haben die Belgier mit der Übernahme von Paranova in Schweden und Farma Uno in Italien den Markteintritt in weitere „Generika-Schwellenländer“ riskiert. Finanziert wurden die Übernahmen über eine im Juli abgeschlossene Kapitalerhöhung. Jean-François Ponte, Analyst der Bank Degroof, rät zum „Akkumulieren“ der Aktie mit einem Kursziel von 38 Euro. Er warnt aber vor zu hohen Erwartungen an die Aktie. „Investoren brauchen gerade im Hinblick auf die jüngsten Übernahmen Geduld. Die Zulassung neuer Generika in den neuen Märkten dauert rund 18 Monate.

Analysten erwarten für das mit einem Börsenwert von 212 Mill. Euro bewertete Unternehmen für die kommenden beiden Jahre eine Dynamik von Umsätzen und Gewinn von rund 40 Prozent pro Jahr. Für das laufende Geschäftsjahr (30.6. 2005) erwarten Analysten einen Gewinn von 1,31 Euro je Aktie, im kommenden Jahr sollen 2,19 Euro je Aktie erzielt werden. Das entspricht einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27 für das laufende und 16 für das kommende Geschäftsjahr.

Doch derlei ambitionierte Wachstumsziele und der Kapitalhunger für Zukäufe machen Docpharma anfällig für Kursrückschläge, zumal der Wettbewerbsdruck im Generika-Markt zuletzt deutlich gestiegen ist. Ein Fondsmanager, der nicht genannt werden will, spricht von „einem heißen Reifen“, den Docpharma mit seiner Expansionsstrategie fahre.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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