Berichtssaison läuft an: Last-Minute-Lösung im Etatstreit belastet Techwerte

Berichtssaison läuft an
Last-Minute-Lösung im Etatstreit belastet Techwerte

In den USA steht die Berichtssaison an, und die Vorzeichen stehen für Technologiekonzerne nicht gut. Für Unternehmen wie Intel und Microsoft dürfte der erst kurz vor knapp gelöste US-Haushaltsstreit ein Nachspiel haben.
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BostonDie Vorzeichen für die anstehende Berichtssaison in den USA stehen für Technologiekonzerne nicht gut. Der vorerst gelöste US-Haushaltsstreit dürfte für sie ein Nachspiel haben. Nach Einschätzung von Experten haben im vierten Quartal Unternehmenskunden wegen der Unsicherheit durch die quälend lange Etatdebatte den Gürtel enger geschnallt und weniger in Informationstechnologien investiert. Viele scheuten sich, die für 2012 geplanten Ausgaben komplett umzusetzen. Dies dürfte Techfirmen nun Probleme bereiten, die selbst gesteckten Ziele fürs Schlussquartal zu erreichen. Republikaner und Demokraten hatten im Prinzip erst eine Minute nach zwölf, nämlich am 1. Januar, den Haushaltsstreit beigelegt und damit die drohende Fiskalklippe umschifft.

Normalerweise bringt vor allem das lebhafte Weihnachtsgeschäft den Konzernen zum Jahresende ein sattes Plus bei den Bestellungen. Angesichts der befürchteten Auswirkungen der Fiskalklippe mit automatischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die die USA vermutlich zurück in die Rezession gestürzt hätten, hielten sich Firmen beim Kauf von IT zurück. „Finanzchefs haben keine Investitionen getätigt. Wenn Boehner und Obama in der Lage gewesen wären, eine Einigung im Etatstreit bis zum 15. Dezember zu erzielen, hätte es noch Jahresend-Investitionen gegeben“, sagte Analyst Andrew Bartels vom Marktforscher Forrester Research. Meist können die Ausgaben im neuen Jahren nicht nachgeholt werden, da sie verfallen.

Fürs erste Quartal rechnen Experten nicht mit einer Wiederkehr der Ausgabenlust - schließlich hängt mit dem sich anbahnenden Streit um die Erhöhung der Schuldenobergrenze bereits das nächste Damoklesschwert über der US-Wirtschaft. Dies macht Mark Luschini von Janney Montgomery Scott zurückhaltend: „Bisher haben wir erst die Hälfte des Problems gelöst.“

Die Wall Street rechnet damit, dass die im S&P notierten Techkonzerne im vierten Quartal einen Rückgang bei den Gewinnen von einem Prozent bekanntgeben. Für alle Unternehmen zusammen wird hingegen mit einem Anstieg von 2,8 Prozent gerechnet. Vor drei Monaten waren die Experten noch deutlich optimistischer, als sie für Techfirmen ein Plus von 9,4 Prozent fürs Schlussquartal prognostizierten. Analyst Greg Harrison rechnet damit, dass die Erwartungen fürs erste Quartal ebenfalls noch zurückgeschraubt werden. Derzeit neigten Firmen dazu, sich eher neue Software zuzulegen, die mit älteren Geräten kompatibel ist anstatt neue Hardware zu erwerben.

Intel-Zahlen in zehn Tagen

Ersten Einblick ins Jahresendgeschäft gibt Intel am 17. Januar und wird damit wohl zum Gradmesser für den Zustand der gesamten Branche. Später im Monat folgen noch IBM, Microsoft und EMC. Am 31. Januar kommt dann der bayerische Halbleiterkonzern Infineon, der sich zuletzt wegen des starken Preisdrucks und der gesunkenen Investitionsbereitschaft skeptisch zeigte.

Dass viele Unternehmen den PC-Kauf verschieben und dadurch der Absatz schwächelt, dürfte vor allem Microsoft und Dell, Hewlett-Packard als auch AMD Bauchschmerzen bereiten. Besonders genau schauen Experten derzeit auf Microsoft, die Ende des Jahres Windows 8 auf den Markt gebracht haben. „Ein neues Betriebssystem verursacht große Störungen. Wer ist angesichts der bereits herrschenden Unsicherheiten bereit, dies auf sich zu nehmen“, fragte Nucleus-Analystin Rebecca Wettemann. Neben den Gefahren für die US-Wirtschaft fürchten Unternehmen zudem die anhaltende Schwäche in Europa und Asien.

Trotzdem gibt es Hoffnungsschimmer. Oracle und auch IBM schlagen sich bisher souverän und profitieren von guten Software-Verkäufen, die die Probleme im Hardware-Bereich mehr als wettmachen. Oracle hatte Mitte Dezember überraschend angekündigt, auch 2013 mit einem anhaltend starken Software-Absatz zu rechnen.

 

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