Berliner Biotechfirma senkt Preis für Aktien deutlich – Heute erster Handelstag – Verhaltene Zuversicht für weitere Parkett-Kandidaten
Epigenomics gelingt Börsengang nur mit Mühen

Mit deutlichen Zugeständnissen hat die Epigenomics AG ihren Börsengang gerettet. Die Aktien des Berliner Biotech-Unternehmens werden zu neun Euro ausgegeben und sollen heute erstmals gehandelt werden. Ihr Preis liegt am unteren Ende der zuvor gesenkten Preisspanne und um rund ein Drittel unter dem Mittelwert der ursprünglichen Angebotsspanne von 11,90 Euro bis 14,50 Euro.

FRANKFURT/M. Der vierte Börsengang einer deutschen Firma in diesem Jahr bestätigt damit das insgesamt fragile Klima für Neuemissionen sowohl im Biotechbereich als auch in anderen Segmenten. Angesichts der mühsamen Preisfindung sehen Analysten den Epigenomics-Börsengang (IPO) nicht in einer „Eisbrecher- Funktion“ für eine neue IPO-Welle. Aber sie schließen nicht aus, dass die Erfahrungen der Berliner zumindest für einige wenige weitere Biotechfirmen den Weg an die Börse ebenen könnten. „Selbst zu dem verringerten Angebotspreis ist der Börsengang von Epigenomics eine reife Leistung“, sagt etwa Martin Possienke vom Research-Unternehmen Equinet. Er betrachtet die Bewertung von Epigenomics auch auf Basis des ermäßigten Emissionspreises noch als relativ hoch. Das auf die Entwicklung von neuen Diagnostika spezialisierte Unternehmen wird mit 143 Mill. Euro immerhin höher bewertet als etablierte und bereits seit längerem notierte Firmen wie Medigene oder Morphosys.

Kapitalmarktexperten sehen in dem Börsengang ein weiteres Indiz dafür, dass bei Neuemissionen ein ausgesprochener „Käufermarkt“ besteht. „Börsengänge sind wieder möglich, aber nur zu Preisen, die ein Wertsteigerungs-Potenzial und genügend Risikopuffer für den Investor bieten“, heißt es aus dem Kreis der Konsortialbanken. Zahlreiche Fondsmanager hatten deutliche Kritik an der ursprünglichen Preisspanne von Epigenomics geäußert. Wie wählerisch Investoren weiterhin sind, zeigte sich am Freitag auch beim gescheiterten IPO der spanischen Pharmafirma Probitas. Die Bewertung dieses Spezialisten für Plasmaprodukte galt unter Fondsmanagern als weit überzogen.

Epigenomics begründet die notwendige Senkung ihres Emissionspreises vor allem mit der generell schwachen Marktentwicklung im Biotechsektor. So hat der wichtige Nasdaq-Biotechindex seit Anfang Juli um gut sieben Prozent nachgegeben. Die ursprüngliche Kursspanne habe auf den Reaktionen beruht, die man im Vorfeld des Börsengangs von Investoren erhalten habe, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Die letztlich doch noch erfolgreiche Platzierung deutet andererseits darauf, dass am Kapitalmarkt zumindest grundsätzlich Interesse an Biotech besteht. „Wir sind bereit, in den Sektor zu investieren, wenn die Bewertungen vernünftig sind“, sagt etwa Holger Geissler, Fondsmanager von DWS Investment.

Investitionsbereitschaft signalisierte der Markt zuvor bereits bei einer Reihe von Kapitalerhöhungen, etaw bei der umfangreichen Emission von GPC Biotech. Im Vergleich zu ihren Konkurrenten in Europa haben deutsche Biotechfirmen in den vergangenen Monaten sogar relativ viel Geld über die Börse hereingeholt. Allerdings wirkt die Summe nach wie vor äußerst bescheiden im Vergleich zu den USA, wo Biotechfirmen im ersten Halbjahr etwa zehn Milliarden Dollar eingeworben haben.

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