Bessere Bilanz
Anleger fahren gut mit Nebenwerten

Die Bilanz sagt mehr als viele Worte: Rund elf Prozent hat der Deutsche Aktienindex (Dax) seit Jahresanfang zugelegt, schlechter lag unter den nationalen Marktbarometern nur der Technologieindex TecDax mit zehn Prozent. Die Kleinwerte im SDax haben hingegen über 14 Prozent gewonnen, die mittelgroßen Titel im MDax sogar 15 Prozent.

Diese Tendenz zeigen die deutschen Indizes bereits seit fünf Jahren – und mit steter Regelmäßigkeit heißt es von den großen Banken: „Die Zeit der Nebenwerte ist vorbei, die Trendwende hin zu den Marktschwergewichten ist nun endlich eingeläutet“. So auch in diesem Herbst. Keine einzige Bank behauptet das Gegenteil.

Dafür haben sie gute Gründe: Zum einen liegen die Bewertungen kleiner und mittlerer Aktien gut 20 Prozent über denen der Marktschwergewichte. Als normal gilt das umgekehrte Verhältnis, da kleine Unternehmen deutlich weniger Informationen an Investoren herausgeben und deswegen häufig schwerer zu durchschauen sind. Wer also in Kleinwerte investiert, muss sich wesentlich aktiver um Infos bemühen. „Hier wird nichts so mundgerecht serviert wie bei den Blue Chips“, sagt ein Fondsmanager, der seit Jahren in diesem Segment aktiv ist und die Eigenheiten der Branche kennt.

Dass die Nebenwerte dennoch weiterhin in der Gunst der Anleger weit oben stehen, liegt an den deutlich größeren Kurschancen, dem häufig leichter verständlichen und übersichtlicheren Geschäftsmodell sowie an den vielen Wechseln in den Nebenwerteindizes. Das lässt diese immer wieder aufs Neue attraktiv erscheinen. Paradebeispiel hierfür ist der TecDax, in dem in den dreieinhalb Jahren seines Bestehens mehr als die Hälfte der dreißig Werte ausgetauscht wurde. Zum Vergleich: Bei den dreißig Dax-Aktien wurde in den 18 Jahren seines Bestehens bisher nur 24-mal gewechselt.

Hinzu kommt, dass bei den Nebenwerten bestimmte „Moden“, die gerade an der Börse angesagt sind, weitaus mehr Beachtung finden als bei den großen Titeln. Beispiel Solaraktien: Als der Boom der Aktien ab dem Jahr 2003 mit dem Kursfeuerwerk bei Solarworld losging, suchten viele Investoren nach vergleichbaren Titeln, die im Nachklapp die gleichen Chancen bieten. Fündig wurden sie nur im Nebenwertebereich. Zwar ist auch der Energieriese RWE in diesem Segment aktiv. Das Solar-Geschäft spielt für die Entwicklung des RWE-Aktienkurses aber nur eine untergeordnete Rolle.

Für die Zukunft gilt deshalb: Die großen Banken werden weiter bei ihrer Meinung bleiben und von den Nebenwerten abraten. „Da sich an den Fundamentaldaten nichts geändert hat, haben sie keinen Grund, von ihrer seit Jahren bestehenden Meinung abzurücken“, heißt es aus einer auf Nebenwerte spezialisierten Fondsgesellschaft. Dort setzt man stattdessen darauf, umso leichter interessante kleine Aktien mit Potenzial zu finden, wenn sich die breite Masse nicht dafür interessiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%