Bewährungsprobe kommt in gut zwei Wochen
Siemens steuert gut durch die Krise

„Der Siemens-Dampfer bewegt sich nicht unbeeindruckt von dem, was um ihn herum ist“, sagte Konzernchef Heinrich von Pierer Ende April – und erklärte damit, warum er keine Prognosen abgeben will. Die unübersichtliche Weltkonjunktur mache das unmöglich, meinte der 62-Jährige.

MÜNCHEN. Doch bisher ist es den Münchenern noch immer gelungen, der schlechten Wirtschaftslage einigermaßen zu trotzen. Mehrmals in Folge übertrafen die Siemens-Quartalszahlen zuletzt sogar die Erwartungen der Märkte. Zwar machte der deutliche Rückgang beim Auftragseingang auch den Analysten Sorgen. Doch insgesamt komme der Konzern beim Umbau gut voran, bescheinigen die Experten der Hypo-Vereinsbank (HVB) in ihrer jüngsten Studie: „Siemens beweist gegenüber direkten Wettbewerbern relative Stärke in einem schwierigen Umfeld.“ Das Papier bewerten sie deshalb mit „outperform“, erwarten also, dass sich die Aktie besser entwickeln wird als der Markt.

Inzwischen wird aber auch Siemens den starken Euro spüren. Die Analysten von Merrill Lynch verweisen darauf, dass fast die Hälfte des Umsatzes außerhalb Europas gemacht wird, und dieses Geschäft auch als profitabler gilt. Kurzfristig profitiere Siemens davon, dass der Konzern sich gegen die Schwankungen abgesichert hat. Mittelfristig werde Siemens unter dem schwachen Dollar aber deutlich leiden. Merrill Lynch senkte deshalb gestern die Gewinnprognosen für 2003 und 2004. Auch die Analysten von Sal. Oppenheim erwarten einen starken Einfluss des starken Dollars. Gerade die wichtigsten Gewinnbringer wie Medizintechnik und Energieerzeugung seien stark im Dollar-Raum aktiv, so die Experten.

Dem Münchener Konzern, der von Mobiltelefonen über Glühbirnen und Hochgeschwindigkeitszüge bis zu ganzen Kraftwerken fast alles produziert, kommt dabei sein vielfältiges Produktprogramm zugute. Insbesondere das Geschäftsfeld Medizintechnik, vor einigen Jahren noch ein Sanierungsfall, ist heute einer der wichtigsten Ertragsbringer. Die HVB-Analysten sprechen von einem „Paradebereich“, der die wichtigsten Wettbewerber auf dem Weltmarkt, General Electric und Philips, eingeholt habe.

Aber auch der Bereich Energieerzeugung erzielt gute Margen, auch wenn sich das Abkühlen des Booms bei Gasturbinen schmerzhaft bemerkbar macht. Von Pierer will gegensteuern und stärkte die Sparte zuletzt durch den Kauf des Industrieturbinengeschäftes von Alstom. Der Leuchtmittelproduzent Osram oder die Verkehrstechnik laufen ebenfalls gut.

Bei den Sorgenkindern steht insbesondere die Netzwerk-Sparte ICN unter genauer Beobachtung. Das Geschäft ist seit zwei Jahren völlig zusammengebrochen, weil die großen Telekommunikationskonzerne kaum noch investieren. Spartenchef Thomas Ganswindt versprach zuletzt aber, die Sanierung der Verlustsparte sei auf gutem Weg. „Wir werden die Ziele erfüllen“, meinte Ganswindt in der vorigen Woche. Der Bereich soll im laufenden Quartal nach einem deutlichen Personalabbau wieder an die Gewinnschwelle kommen.

Auch das Handy-Geschäft hat zu kämpfen. Spartenchef Rudi Lamprecht kann zwar Sanierungserfolge vorweisen, der Bereich schreibt schwarze Zahlen. Doch Siemens musste hier zuletzt weltweit Marktanteile abgeben, während Nokia und Samsung deutlich zulegten. Immer wieder wird spekuliert, Siemens werde sich für das Geschäft einen Partner suchen. Sorgen macht inzwischen auch die Gebäudetechnik, die einen herben Gewinneinbruch hinnehmen musste. Die Sparte, die weltweit Gebäudemanagement betreibt und den Hauptsitz in Zürich hat, arbeitet bereits an einem Sanierungsplan.

Die Bewährungsprobe kommt in gut zwei Wochen. Am 24. Juli wollen von Pierer und Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger die Zahlen für das abgelaufene Quartal präsentieren – für Spannung ist gesorgt: Übertrifft Siemens erneut die Erwartungen?

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