Bewerbung um Mandate
Börsenkandidaten rüsten sich

Im nächsten Jahr bestehen beste Chancen für einen guten Jahrgang bei Börsengängen (IPOs). Die Banken bewerben sich bereits bei etlichen Großemissionen in Deutschland um Mandate. Zu den erwarteten Aktienemissionen zählen die Börsengänge von Evonik, Deutscher Bahn, Cognis und der HSH Nordbank.

HB FRANKFURT. Auch ein schwieriger Markt werde das Emissionsgeschäft nicht zum Erliegen bringen, sagt Paul Lerbinger, der bei der Citigroup das Investment-Banking in Deutschland leitet. Im ersten Halbjahr steht mit Evonik, dem ehemaligen Industriekonzern RAG, bereits eine Milliarden-Emission an, auch wenn sich Private-Equity-Unternehmen wie Blackstone und KKR ebenfalls an der Gesellschaft beteiligen wollen. Im Gespräch seien etwa 25 Prozent, heißt es aus Finanzkreisen. Außerdem haben die Banker noch nicht die Hoffnung auf einen Börsengang der Deutschen Bahn aufgegeben. Bei einem Sondertreffen zwischen Politikern und Bahnchef Hartmut Mehdorn verständigte man sich vergangene Woche auf verschiedene Modelle, über die am heutigen Montag im Koalitionsausschuss beraten werden soll. Außerdem wird erwartet, dass die HSH Nordbank 2008 ihre Pläne für einen Börsengang umsetzt.

Wie stark Private Equity als einer der Treiber bei IPOs im nächsten Jahr auftreten wird, ist noch nicht klar. Im ersten Halbjahr hatte es nach den Worten von Lerbinger oftmals starken Preisauftrieb bei Unternehmensverkäufen durch einen harten Wettbewerb gegeben. Industriekonzerne und Finanzinvestoren standen mit ihren Akquisitionsplänen in Konkurrenz zu Aktienemissionen. Dadurch erzielten die Beteiligungshäuser oft einen guten Preis. So war der Börsengang des Dieselmotorenherstellers Tognum im ersten Halbjahr 2007 mit gut zwei Mrd. Euro die größte Emission seit der Emission der Post im Herbst 2000. Inzwischen bieten vor allem IPOs Finanzinvestoren die beste Verkaufsperspektive. Weltweit „rücken zudem die Schwellenländer bei Aktienemissionen in den Mittelpunkt“, urteilt Dirk Notheis, Ko-Chef des deutschen Investment-Bankings bei Morgan Stanley. Davon profitiert auch die Deutsche Börse: Mit dem Mülldienstleister Zhong De war im Juli bereits das erste chinesische Unternehmen in Frankfurt gestartet. Derzeit läuft das Bookbuilding von Asian Bamboo, einer Firma in der Bambusproduktion. Die Emission unter Führung von Sal. Oppenheim ist bereits am zweiten Tag der Angebotsfrist deutlich überzeichnet, am oberen Ende der Preisspanne und würde damit im besten Fall knapp 95 Mill. Euro erlösen.

Mit dem mobilen Datenkartenanbieter Vtion könnte vor dem Jahresende eine weitere Firma aus China in Frankfurt notiert werden.

Insgesamt war „2007 ein vernünftiger Jahrgang“, sagt Lerbinger. Das zweite Halbjahr wurde vom erfolgreichen Debüt des Hamburger Hafenbetreibers HHLA im Volumen von 1,2 Mrd. Euro geprägt. Für Lerbinger sind Börsengänge derzeit keine Selbstgänger. Es müsse in der richtigen Branche das richtige Unternehmen zu einem günstigen Zeitpunkt angeboten werden. In den letzten Monaten werde es nur noch kleine Aktienemissionen geben. Dazu zählen neben Asian Bamboo auch die Medizin-Softwarefirma Mevis Medical Solutions und Technotrend, ein Hersteller von TV-Decodern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%