Bieter 0250-0071-7367-0691 und der Börsengang des Jahres
Warten auf Google - eine Reportage

Google, der weltgrößte Internetsuchdienst, geht an die Börse. Mit großer Onlineversteigerung, geschätzter Börsenwert bis zu 36 Milliarden Dollar – die größte High-Tech-Emission der Geschichte. Da muss ich dabei sein. Doch wie komme ich an die Aktie und an Informationen zum Börsengang? Handelsblatt-Redakteur Tobias Moerschen ging dem Google-Börsengang auf den Grund.

HB NEW YORK. "Ich werde nicht so verrückt sein, diese Aktie zu zeichnen ... Die meisten von euch haben keine Ahnung, auf was ihr euch einlasst“, drohte ein Internetdiskutierer Ende Juli im Online-Forum von www.google-ipo.com. Er sollte Recht behalten, aber das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Meine Suche beginnt im Juli bei Google.com – mit den Suchbegriffen „Initial Public Offering“ (Aktienemission) und „Google“. Ergebnis: die offizielle Seite www.ipo.Google.com. Dort heißt es: „Die Seite ist noch nicht fertiggestellt.“

Das ändert sich erst am 30. Juli, als der Börsengang bereits weitläufig verrissen wurde. Jetzt gibt es auch Informationen aus dem Hause Google selbst. Ich klicke auf „Präsentation des Managements“. Fünf Minuten lang verkündet ein Internetvideo, dass Google-Aktien eine riskante Anlage und Verluste möglich seien. Vorspulen? Geht nicht.

Dann erscheint Eric Schmitt, CEO von Google. Er sagt: „Nun, hallo und willkommen, mein Name ist Eric Schmitt, und ich bin der CEO von Google.“ Wie höflich: Er stellt sich vor. Ansonsten wirkt er steif, sitzt da in Krawatte und Anzug. Links hinter Schmitt ein Ikea-Büroschrank, darauf ein bunter Google-Schriftzug und ein Blumenstrauß, garniert mit einem Kunstschmetterling. Vielleicht knappst er von den Einnahmen des Börsengangs etwas ab für einen Innenarchitekten.

Dann begrüßen mich die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page. Sie stehen, statt zu sitzen, tragen keine Krawatte, wirken lockerer. „You know“ („Wissen Sie“) strickt Page immer wieder ein. Soll wohl wirken. Larry und Sergey sehen sich so ähnlich wie so manch lang existierende Herrchen-Hund- Kombination, unterscheidbar sind sie nur an ihren Hemden: Sergey trägt Dunkelblau, Larry Hellblau.

Vom Inhalt des Börsengangvideos bleibt wenig hängen. Google hält sich für „ein wichtiges Unternehmen“ (Page), das sich „immer darum bemühen wird, Menschen bessere, relevantere Informationen zur Verfügung zu stellen“ (Brin). Irgendwie ahnte ich das schon vorher.

In den nächsten Tagen liefert Google fleißig Kanonenfutter für seine Kritiker: Am fünften August wird bekannt, dass man vergaß, Aktienoptionen für seine Mitarbeiter bei den Behörden ordnungsgemäß zu registrieren. Aufseher in den Bundesstaaten Kalifornien und Connecticut ermitteln bereits.

Am folgenden Montag verkündet Google eine millionenschwere Einigung in einem Patentstreit mit Yahoo, von dem bis dahin kaum jemand wusste. Gleichzeitig tauchen immer mehr Berichte auf über technische Probleme und den bürokratischen Anmeldeprozess für die Google-Versteigerung.

Es ist Mittwoch, einen Tag vor Ablauf der Registrierungsfrist, und damit höchste Zeit, wenn ich dabei sein will beim Börsengang des Jahres. Ich brauche zweierlei: eine Bieternummer für die Auktion und ein Depot bei einer von Googles 28 Emissionsbanken. Die Bieternummer erhalte ich nach Angabe persönlicher Daten wie meiner Postleitzahl und US-Sozialversicherungsnummer. Kurze Zeit später habe ich die Bieternummer 0250-0071-7367- 0691. Gut, dass ich in New York lebe: Denn ohne US-Wohnsitz und amerikanische Sozialversicherungs- oder Steuernummer hätte ich keine Chance.

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