Billig-Kapitalerhöhung
Unicredit im Tiefenrausch

Die Unicredit verramscht ihre Aktien, die Anleger fliehen in Scharen. Binnen zwei Tagen verliert die Aktie rund 30 Prozent an Wert. Auch andere Bankaktien stürzen ab. Gerüchte über weitere Kapitalspritzen machen die Runde.
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DüsseldorfDie Aktie von Unicredit ist in Mailand den zweiten Tag in Folge kräftig unter die Räder gekommen. Am Morgen wurden die Papiere vorübergehend vom Handel ausgesetzt, nachdem sie zuvor um acht Prozent gefallen waren. Doch die Unterbrechung stoppte den Abwärtssog nicht. Nach der Wiederaufnahme stürzte die Aktie noch viel tiefer. Am Nachmittag lag sie bei 4,53 Euro mehr als 16 Prozent im Minus. Am Vortag hatten die Aktien bereits 14,5 Prozent an Wert eingebüßt.

Grund für den Kurssturz ist das enttäuschende Ergebnis der Kapitalerhöhung von Unicredit. Um die Vorgaben der europäischen Bankenaufsicht EBA zu erfüllen und sich für weitere Verluste mit Staatsanleihen zu wappnen, muss die Bank ihr Eigenkapital um 7,5 Milliarden Euro aufstocken.

Weil die Investoren Banken nicht über den Weg trauen, wird Unicredit die neuen Papiere aber nur zu einem sehr niedrigen Preis los. Mit den insgesamt 26 Konsortialbanken einigte sich die Bank auf einen Verkaufspreis von 1,94 Euro je Aktie. Das sind 43 Prozent weniger, als die Italiener selbst als „theoretischen Preis“ ohne Bezugsrechte errechnet hatten und nur rund ein Drittel des Börsenkurses zum Ende der vergangenen Woche.

Die Enttäuschung der Anleger ist verständlich, denn der Abschlag, den Aktionäre bei der Kapitalerhöhung hinnehmen müssen, ist extrem: "Wieman es dreht und wendet,der Discount ist deutlich größerals bei anderen Banken",sagte Andrew Lim, Analyst beiEspirito Santo. Bei derCommerzbank etwa, die sich imvergangenen Jahr frisches Geldüber eine Kapitalerhöhung besorgthatte, betrug der Abschlag rund30 Prozent. Bei Intesa Sanpaolowaren es sogar nur 24Prozent.

Der Ausgabepreis entspreche deraktuellen Marktlage, ließ dieUnicredit verlauten und schürte damit auch bei den Anlegern anderer Geldhäuser Sorgen. Im Sog von Unicredit gerieten Bankaktien europaweit unter Druck. Die Aktien der Commerzbank fielen nach einem Minus von fast fünf Prozent am Montag um weitere 4,5 Prozent. Mit 1,22 Euro rutschten sie wieder in Richtung des Allzeittiefs bei 1,11 Euro.

Die Commerzbank hatte im vergangenen Jahr bei ihrer Milliarden-Kapitalerhöhung ebenfalls das Misstrauen der Anleger zu spüren bekommen und die neuen Aktien verschleudern müssen. Seither ist der Kurs auf Talfahrt, das Jahr 2011 beendete er mit einem Minus von 70 Prozent. Und die Sorgen sind nicht gebannt. Denn wie Unicredit benötigt die Commerzbank weitere Milliarden, um den Kapitalanforderungen der EBA zu entsprechen. Eine erneute Kapitalerhöhung gilt angesichts der enttäuschenden Platzierung der Unicredit als nahezu ausgeschlossen. Die Gefahr eines erneuten Rufes nach dem Staat bleibt bestehen.

Gerüchte um eine erneute Kapitalerhöhung gibt es dagegen bei der Deutschen Bank. Diese belasteten am Morgen neben dem allgemein schwachen Marktumfeld für Finanzwerte die Aktien von Deutschlands größtem Geldhaus, die gut fünf Prozent auf 28,10 Euro nachgaben. Angeblich stehe die Kapitalerhöhung unmittelbar bevor, wurde an der Börse spekuliert. Die Deutsche Bank hatte allerdings noch vor kurzem einen weiteren Kapitalschritt ausgeschlossen, nachdem sie sich im vergangenen mehr als zehn Milliarden Euro Eigenkapital an der Börse besorgt hatte.

 

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

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  • Schön was die EBA da anrichtet!

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