Biotech-Konzern
Anleger feiern ersten Jahresgewinn von Evotec

Der Biotech-Konzern Evotec erntet die Früchte seines Strategieschwenks. 2010 hat das Unternehmen erstmals in der Firmengeschichte Gewinne geschrieben. Bei Anlegern und Analysten kommt das sehr gut an.
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DüsseldorfDer Hamburger Biotech-Konzern Evotec teilte das Schicksal vieler Unternehmen des Sektors: Früh als Hoffnungsträger gehandelt und zur Jahrtausendwende gehypt, lieferte Evotec über Jahre nur eins kontinuierlich: Verluste. Der Kurs der im TecDax notierten Aktie spricht Bände: Notierte das Papier zur Jahrtausendwende noch bei mehr als 90 Euro, dümpelt es mittlerweile seit Jahren unter fünf Euro. Auf dem Tiefpunkt im März 2009 waren Evotec-Aktien sogar lediglich 70 Cent wert.

Doch es gibt Hoffnung: Nicht nur, dass sich die seit ihrem Tief vervierfacht hat. Evotec präsentierte heute ein Novum: Erstmals seit der Gründung im Jahr 1993 schrieb das Unternehmen im vergangenen Jahr schwarze Zahlen. Zwar fiel der Nettogewinn mit drei Millionen Euro noch mickrig aus. Doch die Börse honorierte die Premiere mit deutlichen Kursaufschlägen. Bis zum Mittag stieg die Evotec-Aktie rund fünf Prozent auf 3,10 Euro. In der Spitze hatte der Kurs sogar um acht Prozent angezogen.

Gut kam bei den Anlegern an, dass Vorstandschef Werner Lanthaler klar machte, dass das Ergebnis kein Ausrutscher sein soll. „Wir haben gezeigt, dass Biotechnologie und Gewinn keine Gegensätze sein müssen“, sagte der Österreicher. Er rechne nun dauerhaft mit schwarzen Zahlen.

Zu verdanken hat Evotec die schwarzen Zahlen einem Strategieschwenk. Statt auf teure und riskante Medikamententwicklung setzt der Konzern seit Lanthalers Antritt im März 2009 auf die Kooperation mit Pharmakonzernen. Mittlerweile arbeitet Evotec mit Novartis, Boehringer Ingelheim und rund 70 weiteren Partnern zusammen. Einen ähnlichen Weg hat der Konkurrent Morphosys eingeschlagen, der auf diese Weise seit Jahren Gewinne schreibt. Anders als die Münchner, die angesichts der Einnahmen aus Allianzen 2011 verstärkt die Entwicklung eigener Medikamente vorantreiben wollen, sieht Evotec seine Zukunft allein im Geschäft mit Pharmariesen.

Da große Konzerne die Erforschung neuer Medikamente - besonders im frühen Stadium - immer häufiger an Partner auslagern, rechnet Lanthaler auch in den nächsten Jahren mit steigenden Umsätzen und Gewinnen. „Der Outsourcing-Markt in der Pharmabranche, in dem wir aktiv sind, hat ein Volumen von über 20 Milliarden Dollar und wird in den nächsten Jahren weiter wachsen“, sagte der Firmenchef.

Analysten sehen Evotec auf einem guten Weg. Laut Bloomberg gibt es zurzeit ausschließlich Kaufempfehlungen für die Aktie. Die Experten von Kempen & Co und der DZ Bank untermauerten dieses Anlageurteil nach dem Gewinnausweis für 2010: "Evotec hat exzellente Zahlen geliefert, der Gewinn lag über unseren Erwartungen und denen des Marktes", schrieb DZ-Analyst Thomas Maul in einem Kurzkommentar. Der Ausblick des Unternehmens – der Umsatz soll um mehr als 15 Prozent auf 64 bis 66 Millionen Euro und der Gewinn ebenfalls steigen - liege im Rahmen der Erwartungen. Maul sieht für die Evotec-Aktie Kurspotenzial bis auf 3,80 Euro, das entspräche einem Plus von mehr als 20 Prozent.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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