Bis zu zehn weitere IPOs in Deutschland
Am Primärmarkt kehrt Normalität ein

Applaudierende Börsenhändler auf dem Parkett, strahlende Vorstandsvorsitzende, Gruppenfotos mit Bulle und Bär – bei den Inszenierungen der Börsengänge von Premiere und Conergy im März fühlte man sich ein wenig an die Hochphase des IPO-Marktes Ende der 90er erinnert, als innerhalb weniger Jahre über 300 Unternehmen an den (vorwiegend Neuen) Markt gespült wurden. Erstmals seit langer Zeit waren die Emissionen deutlich überzeichnet, und Erstzeichner wurden am Tag der Erstnotiz mit satten Kursgewinnen belohnt.

Nun von einer Renaissance des IPO – des Initial Public Offering – zu reden, ginge aber an der Sache vorbei. Niemand will eine Rolle rückwärts hin zu der Zeit, als Phantasie ohne jegliche Substanz börsenfähig war. Die Erstlistings von Premiere und Conergy markieren vielmehr eine neue Normalität am Primärmarkt nach Phasen hysterischer Überzeichnung und übertriebener Depression.

Während die Investoren bei den Börsengängen von Postbank, Wincor-Nixdorf, Epigenomics und Paion den Emissionspreis jeweils deutlich nach unten korrigieren konnten und manche Vorhaben gänzlich scheitern ließen, sind Premiere und Conergy einer solchen Abwärtsspirale vollständig entgangen. Auch der bekannte Vorwurf, hier wollten Altaktionäre Kasse machen, wurde weniger laut als sonst gehört.

Glaubt man Medienberichten, so lag das entweder am demonstrativen Abschlag auf die Analystenbewertungen – im Fall von Premiere – oder dem Verzicht auf vorherige Bekanntgabe der Bookbuildingspanne – im Fall von Conergy. Aber nicht nur das: „Investoren haben bei IPOs naturgemäß eine Position der Stärke“, sagt Eberhard Dilger, Leiter Equity Capital Markets bei der Commerzbank Corporates & Markets (CBCM). „Doch die Intensität, mit der sie ihre Verhandlungsmacht ausspielen, hat ein wenig nachgelassen“, so Dilger.

Der Hauptgrund: Drei Jahre nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes haben die Portfoliomanager wieder ein erkennbares Interesse daran, dass der Primärmarkt aus den Startlöchern kommt. „Die Anleger haben erkannt, dass mit IPOs, die zu einem fairen Preis angeboten werden, wieder Geld zu verdienen ist“, sagt Dilger. Das aber sei nicht nur eine Frage kurzfristiger Zeichnungs-, sondern auch nachhaltiger Kursgewinne der Börsenneulinge. Vor allem die Performance der Postbank sei für die IPOs des Jahres 2005 „absolut hilfreich“ gewesen. Von den sieben größeren IPOs seit Anfang 2004 liegen fünf satt im Plus, nur Epigenomics und Paion schwächeln – interessanterweise genau die Werte, die im Bookbuilding am weitesten hinter ihren Preisvorstellungen zurückblieben.

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