Bitcoin & Co. Wie der Krypto-Wahn den Börsenneuling AIQ überrollt

Sein märchenhafter Start an der Londoner Börse wird dem Beteiligungsunternehmen AIQ zunehmend unheimlich. Nach Gerüchten über einen Einstieg ins Bitcoin-Geschäft stieg der Kurs extrem an. Das Unternehmen zog die Reißleine.
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Bitcoin & Co.: Wie der Krypto-Wahn AIQ überrollt Quelle: mauritius images
Computerprogramme zur Herstellung von Kryptowährungen

Das bloße Gerücht, ein Unternehmen steige in das Geschäft mit Bitcoin & Co. ein, genügt, um den Aktienkurs in schwindelerregende Höhen zu treiben.

(Foto: mauritius images)

LondonDie auf Übernahmen in den Bereichen Data Mining, künstliche Intelligenz und Social Media spezialisierte, der Londoner Börse gelistete Gesellschaft stellte am Freitag den Antrag auf eine Handelsunterbrechung. Dies sei nötig, um wieder ein geordnetes Marktgeschehen zu ermöglichen, erklärte das Unternehmen den ungewöhnlichen Schritt. Notwendig geworden war er, nachdem die Aktie seit dem Börsengang Anfang vergangener Woche um rund 1.500 Prozent gestiegen war.

Zuvor hatten Nutzer des Kurznachrichtendiensts Twitter spekuliert, das Unternehmen werde in das Geschäft mit den Krypto-Währungen einsteigen. Zwar seien Investitionen in Unternehmen, die sich mit Bitcoin oder der Blockchain-Technologie befassten „absolut möglich“, allerdings gebe es aktuell keine Pläne dafür, sagte AIQ-Chairman Graham Duncan während eines telefonischen Interviews mit Bloomberg. Die Handelsunterbrechung sei beantragt worden, da es das Beste für alle Beteiligten sei, zunächst einmal durchzuatmen.

Genauso wahrscheinlich wie Investitionen in Bitcoin oder die Blockchain-Technologie seien etwa Engagements im E-Commerce-Bereich, wofür es aber ebenfalls noch keine bestimmten Ziele gebe , stellte Duncan klar. Die Gründer von AIQ, Soon Beng Gee und Lee Chong Liang betreiben ebenfalls eine E-Commerce-Beratung, die ihren Sitz in Malaysia hat.

Mit Blick auf die Entwicklung des Aktienkurses zeigte sich Duncan „erstaunt und überrascht“, die Rally sei für das Unternehmen ein genauso großes Rätsel wie für alle anderen.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben zahlreiche Firmen auf spektakuläre Art und Weise von tatsächlichen oder vermeintlichen Beziehungen zu Krypto-Währungen profitiert. Zu den skurrilsten Beispielen gehört Long Island Iced Tea, ein unprofitabler Hersteller des gleichnamigen Kaltgetränks, der seinen Namen zu Long Blockchain änderte. Für die Aktien des in New York notierten Unternehmens ging es an diesem Tag um 289 Prozent nach oben. Das half, um ein drohendes Delisting von der Nasdaq wegen eines zu geringen Marktwerts zu vermeiden.

AIQ, auf den Cayman-Inseln gegründet, aber mit Hauptsitz in Fitzrovia im Westen von London, hatte am Montag vergangener Woche rund vier Millionen Pfund Sterling durch die Zeichnung von 50 Millionen Aktien zum Stückpreis von acht Pence eingenommen. Die kometenhafte Rally hat den Marktwert dann bis kurz vor der Aussetzung auf etwa 62,5 Millionen Pfund Sterling nach oben getrieben.

Gelistete Übernahme- und Buyout-Gesellschaften wie AIQ sind in London keine Seltenheit. Allerdings wurden die Regeln für diese sogenannten Cash Shells 2015 nach dem Fall des Unternehmens Gate Ventures verschärft. Innerhalb von nur vier Monaten hatte Gate mit Sitz in China drei Millionen Pfund Sterling eingesammelt, damit die britischen Rechte an einem Musical namens Being Woody Allen erworben und die Börsennotierung umgehend beendet, nachdem der Nominated Adviser zurückgetreten war.

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