Bloomberg-Auswerte
Nur wenige Analysten sind treffsicher

Eine aktuelle Auswertung der Nachrichtenagentur Bloomberg beweist, dass Aktienexperten an der Wall-Street bei der Analyse ihres eigenen Sektors in der Subprime-Krise deutlich daneben gelegen haben. Nur mit den Empfehlungen von einigen wenige Analysten konnten Anleger Gewinne erzielen. Die Experten stammen nicht aus den großen Häusern.

HB FRANKFURT. Wer beim Kauf und Verkauf von Bank- und Investmentbank-Titeln dem Rat von Analysten folgte, fuhr in den vergangen zwölf Monaten Verluste von durchschnittlich 17 Prozent ein. Dies ergab eine Bloomberg-Auswertung. Das Unternehmen hatte die von 38 Analysten untersucht, die Aktien im Amex Securities Broker/Dealer Index beobachteten.

Unterstellt wurde, dass Investoren kauften, wenn Bankanalysten die Empfehlung "kaufen" gaben. Auf das Anlageurteil "halten" reagierte der fiktive Anleger mit Verkäufen und beim Urteil "abstoßen" spekulierte er auf Kursrückgänge.

Von den 38 Experten, deren Empfehlungen Bloomberg nachvollzog, sorgten 31 mit ihren Anlagetipps für Verluste. Durchaus renommierte Fachleute lagen seit letztem Sommer voll daneben. Beispiel: Guy Moszkowski, im jährlichen Ranking des Fachblatts Institutional Investor treffsicherster Analyst für Aktien von Investmentbanken. Der Experte von Merrill Lynch & Co. bescherte Investoren mit seinen Empfehlungen ein Minus von 17 Prozent. Zum Vergleich: Das US-Börsenbarometer Standard & Poor's 500 verlor nur halb so viel in denm Zeitraum.

Der Rat von Michael Mayo von der Deutsche Bank AG zum Kauf der Aktie von Lehman Brothers Holdings Inc. brachte Anlegern ein Minus von 59 Prozent. Mayo hatte sich einen Namen gemacht, indem er 1999 drohende Kursverluste bei US-Banken korrekt vorhersagte.

Sein Kollege Prashant Bhatia von Citigroup Corp. empfahl im August die Aktie von Merrill Lynch zum Kauf, nachdem sie von ihrem Rekordhoch vom Januar 2007 um rund 30 Prozent abgesackt war. Er verwies dabei auf das vielversprechende Risiko-Chance- Verhältnis. Seit Bhatias Ratschlag ging es für Merrill an der Börse weitere 40 Prozent bergab. Der Analyst rät noch immer zum Kauf. In einer Analyse vom April nannte er das Geschäftsumfeld für die Investmentbank allerdings schwierig.

"Man könnte denken, dass die Prognosen der Wall Street nirgends so präzise wären wie zu ihrer eigenen Branche", sagt Richard Weiss, Vorstand bei City National Bank in Beverly Hills, Kalifornien. Allerdings sei das Debakel im Sektor derart umfassend ausgefallen, dass man den Analysten keinen Vorwurf machen könne.

Der aus elf Bank- und Investmentbanken bestehende Amex - Index gab in den vergangenen zwölf Monaten um 38 Prozent nach. Kein Wunder angesichts der Belastungen, die die Subprime-Krise im Finanzsektor bewirkte. Die weltgrößten Finanzunternehmen verbuchten bislang insgesamt Verluste und Abschreibungen in Höhe von 386 Mrd. Dollar (247 Mrd. Euro). Allein die Wall-Street - Größen Morgan Stanley, Lehman und Merrill fuhren Verluste von 53 Mrd. Dollar ein. Trotzdem setzen viele Analysten weiter auf Aktien von Investmentbanken. Knapp die Hälfte der Empfehlungen lautet auch jetzt noch "halten". Der Anteil der Kaufempfehlungen liegt bei rund 41 Prozent, damit allerdings 15 Prozentpunkte niedriger als im Juni 2007. Die Zahl der Verkaufs-Empfehlungen hat sich nach Bloomberg-Daten verdoppelt - auf zehn Prozent.

Die wertvollsten Ratschläge für Investoren kamen in den vergangenen zwölf Monaten von Analysten weniger bekannter Adressen. Am treffsichersten war Charles Peabody vom unabhängigen Analysehaus Portales Partners LC. Wer seinen Verkaufs-Ratschlägen folgte und auf Kursverluste bei Merrill, Morgan Stanley, Lehman und Sachs setzte, fuhr einen Gewinn von 47 Prozent ein. Die zweitbesten Tipps kamen von Richard Bove, einem Analysten vom Broker Ladenburg Thalmann & Co, der ebenfalls zum Verkauf der vier Investmentbank-Werte riet. Wer seinem Timing folgte, machte einen Gewinn von 18 Prozent.

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