Börse Praktiker-Aktie schießt nach oben

Gibt es doch noch Hoffnung für Praktiker? Oder sind es die letzten Zuckungen? Einige Anleger zocken mit der Aktie der insolventen Baumarktkette. Der Kurs schießt kräftig nach oben.
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Baumarkt im sächsischen Heidenau: Praktiker beschäftigt deutschlandweit rund 20.000 Mitarbeiter. Quelle: dpa

Baumarkt im sächsischen Heidenau: Praktiker beschäftigt deutschlandweit rund 20.000 Mitarbeiter.

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FrankfurtDie Aktie der Baumarktkette Praktiker hat am Montag in der Spitze um 60 Prozent zugelegt, allerdings von niedrigem Niveau. Der Kurs stieg um rund acht Cent auf 22 Cent. Nachdem das Unternehmen in der Vorwoche das Insolvenzverfahren beantragt hatte, war die Aktie eingebrochen. Doch am Wochenende keimte ein wenig Hoffnung auf.

Trotz der Insolvenz glaubt Großaktionärin Isabella de Krassny offenbar an die Überlebensfähigkeit der Baumarktkette. "Eine Insolvenz ist noch nicht das Ende", sagte sie der "Bild"-Zeitung am Samstag. Auch innerhalb des Konzerns werde die Pleite als Chance für einen Neustart gesehen, berichtete das Magazin "Der Spiegel" am Sonntag. So plane das Management, alle funktionierenden Praktiker-Filialen in den von der Insolvenz ausgenommenen Max-Bahr-Geschäftsbereich zu integrieren. Ziel sei ein "Kern-Max-Bahr" mit 180 bis 200 Filialen und einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Praktiker war am Sonntag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Praktiker kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von drei Milliarden Euro und zählte 414 Filialen, davon 315 in Deutschland. Rund 20.000 Mitarbeiter zittern um ihren Arbeitsplatz. Das Unternehmen hatte sich mit seinem Billigkonzept ("20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung") ins Aus manövriert. Die 132 Baumärkte der Marke Max Bahr sind von der Insolvenz nicht betroffen, sie waren schon im Herbst finanziell weitgehend vom Konzern abgeschottet worden. Allerdings haben auf einen Teil von Max Bahr die Kreditgeber die Hand. Die Märkte dienen als Sicherheit für Kredite über 75 Millionen Euro, die von der österreichischen Raiffeisen International, der Commerzbank, der Royal Bank of Scotland und anderen ausgereicht worden waren. "Wir überlegen gerade gemeinsam mit weiteren Investoren, die Banken rauszukaufen und ihre Kredite abzulösen", sagte de Krassny.

Die größten Pleiten im deutschen Einzelhandel
Baumarktkette Praktiker
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Praktiker

Die Baumarktkette hat am 11. Juli beim Amtsgericht Hamburg offiziell Gläubigerschutz beantragt. Gespräche über die weitere Finanzierung des Sanierungspakets sind am 10. Juli 2013 gescheitert. Damit ist Praktiker nicht nur überschuldet, sondern auch zahlungsunfähig.

Praktiker hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht - rund 30 bis 35 Millionen Euro - nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war. Fortwährende Rabattaktionen ("20 Prozent auf alles") brachten den Konzern 2011 an den Rande des Ruins. Es folgt die Sanierung, die vorsah, Praktiker-Märkte auf die Schwestermarke Max Bahr umzustellen. 2012 setzte Praktiker mit seinen 430 Märkten rund drei Milliarden Euro um, das reichte jedoch nicht, um die entstandenen Schulden zu tilgen. 18.000 Mitarbeiter bangen nun um ihre Zukunft.

Baumarkt Max Bahr
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Max Bahr

Am 26. Juli folgte die Praktiker-Schwestermarke Max Bahr mit über 130 Filialen in die Inoslvenz. Das Hamburger Unternehmen hatte am Ende damit zu kämpfen, das Kreditversicherer nicht länger für Warenlieferungen an die Filialen einstehen wollten.

Schicksal von Versandhändler Neckermann.de auf Messers Schneide
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Neckermann

Es ist der dritte Pflegefall aus dem Arcandor-Nachlass. 2010 kaufte der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital den Versandhändler und strukturiert kräftig um. Das Geschäft mit gedruckten Katalogen wurde eingestampft. 1.400 der 2.500 Stellen in Deutschland fallen dem zum Opfer. Die Mitarbeiter fordern Abfindungen; die Konzernspitze beklagt, dazu fehle das Geld.

Nun hat sich Verdi und das Management über den weiteren Abbau von 1380 Arbeitsplätze nicht einigen können. Sun Capital werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen, teilte das Unternehmen mit. Damit ist das Unternehmen pleite.

Bundesagentur sieht Chancen fuer Schlecker-Mitarbeiter auf neue Jobs
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Schlecker

Ende Februar 2012 meldete der Branchenprimus der Drogeriemärkte Insolvenz an. Bereits im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz von Schlecker um 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Auch 2011 wurden sinkende Erlöse erwartet, Zahlen zum Gewinn oder Verlust nannte Schlecker traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland. Da sich bis Anfang Juni 2012 kein Investor für Schlecker gefunden hatte, musste Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz das endgültige Aus der Drogeriemarkkette verkünden.

Die Pleite der Drogeriekette hat nun ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts.

Billionaire Berggruen smiles after he received a name sign of Karstadt at a Karstadt store located on the Kurfuerstendamm boulevard in Berlin
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Karstadt

Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor - Hauptaktionäre waren die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - rutscht 2009 in die Pleite. Der Geschäftsbereich Warenhaus mit den Karstadt-Häusern geht für fünf Millionen Euro im Juni 2010 an die Holding des deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen und ist damit vorerst gerettet. Bis 2016 - so Pläne von Dezember 2011, die der WirtschaftsWoche vorliegen - soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bis 2016 rund 272 Millionen Euro betragen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 lag der Umsatz bei 3,228 Milliarden Euro. Karstadt schrieb einen ansehnlichen operativen Gewinn (Ebitda) von 103 Millionen Euro. Am 16. Juli gab Karstadt bekannt, 2000 Stellen streichen zu müssen.

huGO-BildID: 14611620 Quelle-Kataloge sind am Freitag, 19. Juni 2009, vor einem Quelle-Shop in Frankfurt am Main gestapelt. Bei dem insolventen Versa
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Quelle

Ein weiteres Opfer der Arcandor-Pleite: Von den 50ern bis in die 1990er Jahre stand Quelle als Synonym für den deutschen Versandhandel. Im Juni 2009 kam das Aus. Kein Investor wollte das Versandhaus, das bereits seit 1999 zum Karstadt-Konzern gehörte. Seit August 2011 können Quelle-Fans unter www.quelle.de bei einer Tochter des Otto-Versands bestellen. Die Marke Quelle lebt nur noch im Internet weiter.

Drogeriemarktkette IhrPlatz insolvent
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IhrPlatz

Die Schlecker-Tochter wurde mit in die Insolvenz gerissen. Betroffen von der Pleite sind rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter. Seit 2007 gehört IhrPlatz zu Schlecker. Davor waren die Märkte schon einmal insolvent - und konnten sich erfolgreich sanieren. Ursprünglich sollte IhrPlatz die Schlecker-Premiummarke werden. Nach der Pleite der Unternehmensmutter Schlecker wird noch nach einem Investor für IhrPlatz gesucht.

Praktiker könne profitabel werden, wenn der Konzern seine Kosten deutlich senke. "Im Einkauf könnte man mit besseren Verträgen jedes Jahr 80 Millionen Euro sparen. Der Verwaltungsapparat ist aufgebläht, frisst acht Prozent des Umsatzes. Branchenüblich sind vier Prozent", sagte die Großaktionärin. Die Kosten können in einem Insolvenzverfahren deutlich gedrückt werden, beispielsweise kann der Insolvenzverwalter Mietverträge kurzfristig beenden oder neu aushandeln. Das beträfe auch die ehemalige Konzernmutter Metro, die zahlreiche Praktiker-Filialen an die Baumarktkette vermietet hat.

Die Argumentation Praktikers, dass die Insolvenz angemeldet werden musste, weil Gespräche mit Geldgebern über eine kurzfristig nötige Liquiditätsspritze von bis zu 35 Millionen Euro scheiterten, wies de Krassny zurück: "Das Geld wäre da gewesen. Das Problem war, dass die sehr gut besicherten Gläubiger keine Sicherheiten aufgeben wollten und es auch kein konstruktives Gespräch mit den Investoren gab." Zudem wäre sie bereit gewesen, gemeinsam mit ihrem Mann Alain de Krassny, der über seine Beteiligungsgesellschaft Donau Invest knapp zehn Prozent der Anteile hält, zehn Millionen Euro zu investieren.

"Ein weiterer Investor war bereit, weitere 30 Millionen Euro zu investieren und hätte zusätzlich rund 80 unrentable Standorte übernommen. Es lagen 40 Millionen Euro auf dem Tisch. Unser Angebot wurde jedoch abgelehnt", sagte de Krassny.

Die Großaktionärin sprach sich gegen eine Zerschlagung aus. "Schon jetzt kreisen doch die Aasgeier, die sich die besten Stücke rauspicken wollen", sagte sie. Ob es einen Neustart für Praktiker geben wird, hängt nun vom Verlauf des Insolvenzverfahrens ab.

  • rtr
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  • Hier soll wohl mal wieder auf Kosten von Lieferanten und Steuerzahler eine Firma saniert werden. Schnell die guten zu Max Bahr verschieben, den Rest auf andere Leute Kosten Pleite gehen lassen und schon verdienen wir Millionen.
    Ist sowas etwa kein Betrug in Deutschland ?
    Armes Deutschland !

  • Ob das wirklich alles nur an der Rabattschlacht liegt?
    Für Praktiker zumindest in Nürnberg und Fürth gilt, dass die Meisten der dort Angestellten zumindest inkompetent vielleicht auch nur demotiviert sind. Was Max Bahr betrifft kann ich nur sagen, dass dort seit längerem ähnliche Situation vorherrscht. Nur ein Beispiel, hat man endlich einen Verkäufer durch eine an den Beratungstheken angebrachte Rufklingel zu sich gerufen, kann man die erhaltene Beratung auch schnell vergessen. Ich glaube, dass es sich hierbei nicht nur um ein Problem bei Praktiker und Max-Bahr handelt sondern bei den meisten Baumärkten. Egal ob nun Hornbach, Obi, oder Andere, man trifft in den Abteilungen meist nur s.g. „Auffüll-Personal“ an, welche logischerweise auf spezifische Fragen zu Artikeln vor allem gut die Schultern schütteln können. Ist ja auch logisch, wenn man z.B. am Montag bei „Rewe“ Konserven auffüllt, am Dienstag bei „Ikea“ Sofakissen und Billy Regale und eben am Mittwoch Eisenwaren „bei Max-Bahr“ oder Praktiker.

  • ... der Patient "Praktiker" ist so gut wie tot !!!

  • auch altaktionäre - auch kleine - haben den Insolvenzantrag evoziert.

  • ""Eine Insolvenz ist noch nicht das Ende"" - für die altaktionäre schon...

    das geschäft kann vielleicht fortgeführt werden, jedoch mit völlig neuer eigentümerstruktur. die altaktionäre - vor allem die kleinen - werden da wohl kaum was davon haben.

  • Alles muß raus: stimmt.

    lets reset ladies.

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