Börsen-Rückschlag
Anleger wenden sich nach Meistertitel vom BVB ab

Ganz Dortmund ist im Freudentaumel, der BVB hat die Meisterschaft perfekt gemacht. Nur an der Börse herrscht Katerstimmung. Die Aktie fällt deutlich zurück – und die Perspektiven sind schwach.
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DüsseldorfDie Meisterschaft ist besiegelt, die Luft ist raus. Darauf hoffen die Gegner von Borussia Dortmund an den letzten beiden Bundesliga-Spieltagen, schließlich kämpfen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt noch gegen den Abstieg.

Ob es sportlich tatsächlich so kommt, wird sich zeigen. Am Aktienmarkt stimmt die These aber. Die BVB-Aktie rutschte am Montag in der Spitze um mehr als acht Prozent auf 2,83 Euro ab. Am Mittag lag das Papier bei 2,99 Euro noch 3,5 Prozent im Minus.

Ein Grund für den Rückschlag sind Spekulationen, dass der BVB einen seiner wichtigsten Leistungsträger zu verlieren droht. Mittelfeld-Ass Nuri Sahin soll sich laut einem Bericht der spanischen Zeitung "Marca" mit Real Madrid auf einen Wechsel geeinigt haben. Sportlich wäre das für die Dortmunder ein großer Verlust und da Sahins Ablösesumme auf sechs Millionen Euro festgeschrieben sein soll, wäre ein Transfer auch finanziell kein attraktives Geschäft. Allerdings: Eine offizielle Bestätigung für eine Ablöse-Klausel gibt es nicht.

Einige Aktionäre dürften jedoch auch die Börsenweisheit "sell on good news" beherzigt und Gewinne mitgenommen haben. Seit Sommer 2010 hat sich der Kurs der BVB-Aktie mehr als verdreifacht. In der Spitze kostete sie im November fast 3,70 Euro. Phasenweise wurde mit den Papieren so stark spekuliert, dass die Tagesumsätze an der Börse über denen großer Dax-Aktien lagen. Und das, obwohl die Borussia gerade mal auf einen Marktwert von 182 Millionen Euro kommt und damit selbst Merck als kleinster Dax-Wert 25 mal höher bewertet ist.

Doch schon die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Fantasie aus der BVB-Aktie raus ist. Und dies dürfte nun für einige Monate so bleiben. In der spielfreien Zeit im Sommer dürfte der Nachrichtenfluss stark nachlassen. Und Hoffnungen auf Mehreinnahmen durch den Meisterschaftsgewinn sind für Börsianer ein alter Hut. Auf dem aktuellen Kursniveau sehen Analysten zweistellige Millionen-Einnahmen aus der Champions League ebenso eingepreist wie zu erwartende Mehreinnahmen aus der Vermarktung.

Auf eine Dividende dürfen BVB-Anleger ohnehin so schnell nicht hoffen. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kündigte am Wochenende nach dem Titelgewinn an, dass der Verein mit den Mehreinnahmen vor allem den Schuldenabbau vorantreiben will. In ein bis zwei Jahren wolle man „operativ schuldenfrei“ sein, sagte er den „Ruhr Nachrichten“ (Montag). Der Verein hat aktuell knapp 57 Millionen Euro Schulden. Exklusive der Stadionfinanzierung gebe es aber „schwankende Verbindlichkeiten zwischen fünf und sieben Millionen Euro“, erläuterte Watzke.

Für BVB-Fans unter den Aktionären spielt das alles keine Rolle. Sie werden in zwei Wochen mit der Mannschaft noch einmal kräftig die Meisterschaft feiern. Ihre Aktien werden sie vermutlich allein aus nostalgischen Gründen noch lange halten. Für Anleger, die in den vergangenen Monaten den Höhenflug der Borussia zum Einstieg genutzt haben, ist ein Verkauf dagegen womöglich eine gute Option. Die Erwartungen an den BVB sind massiv gestiegen - und mit ihnen das Enttäuschungspotenzial.

 


Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

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